«Es ist schon anders, als damals, als ich noch selbst in den Kindergarten ging.» Was CVP-Grossratskandidat Oliver Hunziker festhielt, galt gestern Morgen fast für alle rund ein Dutzend Gäste im Lenzburger Kindergarten Fünflinden.

Die Schulleitungskonferenz des Bezirks Lenzburg hatte zum «Tag der offenen Kindergarten-Türen für Politiker» eingeladen.

«Mit Informationen aus erster Hand und einem möglichen Augenschein wollen wir Politikern zeigen, wie sich ihre Sparentscheide konkret auf den Schulalltag auswirken.» So definiert Sandra Wild, Schulleiterin Kindergärten Lenzburg, das Ziel der Aktion.

Während sich an den Anlässen in Rupperswil und Niederlenz die Resonanz in engen Grenzen hielt, war Wild mit dem Aufmarsch in Lenzburg zufrieden.

Vertreter der Sparparteien fehlten

Wie bereits vorgängig erwartet wurde, war das Interesse an diesem wichtig(st)en Teil der Bildungspyramide eher einseitig verteilt. Präsent waren SP, CVP und EVP. Vermisst wurden insbesondere Vertreter der klassischen Spar-Parteien. «Von der SVP ist noch nie jemand aufgetaucht», musste Sandra Wild feststellen und ergänzte: «Es ist schade, dass von dort niemand bereit ist, in den direkten Dialog zu treten.»

Doch die Türen sind nicht zu. «Politiker dürfen jederzeit hereinschauen», lautet die Offerte der Schulleiterkonferenz. Am 28. September besteht eine weitere Chance zum Dialog. Grossräte und Kandidaten sind zum «informellen Austausch über die geplanten Entlastungsmassnahmen an der Volksschule» eingeladen.

Das Multi-Kulti-Piratenschiff

Dort, in einem eher nüchternen Sitzungszimmer, kann dann nicht nachvollzogen werden, wie sich heute der Kindergarten-Unterricht abwickelt. Der Kindergarten Fünflinden ist einer von neun Lenzburger Kindergärten.

Hier, im «Wilden Westen» der Stadt, werden 20 Kinder unterrichtet. Vier davon sind Schweizer, der Rest verteilt sich auf neun weitere Nationen. Unter Leitung von Kindergarten-Lehrperson Jeannette Lehmann und ihrer Kollegin ist der Ablauf selbst derart früh im Schuljahr klar strukturiert. Zum Thema Piratenschiff wurde gesungen und gespielt. Die Kommunikation spielt, die Stimmung ist gut.

Dabei werden die Rahmenbedingungen stets schwieriger. Vorwissen und Fähigkeiten der Kindergarten-Novizen sind heterogen wie noch nie: «Wir machen hier auch noch ein wenig Elternerziehung», so Sandra Wild. Eine generelles gesellschaftliches Phänomen müssen die Kindergarten-Lehrpersonen ausbaden: «Die Unselbstständigkeit der Kinder hat massiv zugenommen.»

Wenn man den Umgang mit einer Schere lehren muss, kommen Pensenkürzungen äusserst ungelegen. In der neuesten Sparrunde kommt zwar der Kindergarten relativ glimpflich davon, doch spätestens auf der Primarstufe müssen die Gemeinden für die Aufrechterhaltung der Blockzeiten künftig massiv mehr bezahlen. «Wir wollen für eine gute Schule kämpfen», fasst Sandra Wild ihre Motivation zusammen.