Lenzburg
Wo kaufen Lenzburger in Zukunft ihre Hüte? – Hutgeschäft schliesst

Mit der Schliessung des Hut-Modegeschäfts von Felicia Fracassi in der Kirchgasse verschwindet Ende Juli eines der ältesten Ladenlokale in der Lenzburger Altstadt. Die Italienerin schaut auf die vergangenen 14 Jahre zurück.

Heiner Halder
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Ende Juli ist gehen die Türen zu: Felicia Fracassi schliesst ihren Hutladen in der Kirchgasse.

Ende Juli ist gehen die Türen zu: Felicia Fracassi schliesst ihren Hutladen in der Kirchgasse.

14 Jahre hat sie durchgestanden, jetzt kommt das Aus. Ein schwerer Entscheid für die quirlige Italienerin.

2002 hat Felicia Fracassi das kleine Fachgeschäft von der legendären Rosmarie Urech übernommen, welche ihrerseits während 40 Jahren als «Hutkönigin» adäquate Kopfbedeckungen für Mann und Frau bereit stellte. Obwohl Fracasssi in jungen Jahren diesbezüglich eigentlich nicht viel am Hut hatte, fand die «Quereinsteigerin» als Verkäuferin und dann als Liegenschaftsbesitzerin hier ihre Lebensaufgabe.

Wie ihre Vorgängerin fand auch Felicia eher zufällig zu dieser Berufung. Immerhin hatte sie eine gewisse Vorbildung in der Branche: Ihre erste Arbeitsstelle in der Schweiz war Schneiderin in einer Hutmanufaktur. Fracassis waren dem Charme der Lokalität erlegen. Nebst dessen sanfter Sanierung wurde das Angebot um Accessoires erweitert und die Ablage einer chemischen Reinigung fortgeführt.

Doch die tief greifenden Veränderungen des wirtschaftlichen Umfeldes und des allgemeinen Konsumverhaltens haben der Modistin einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht: «Aufwand und Ertrag stehen in keinem Verhältnis mehr.» Ähnlich wie der ebenfalls vor der Schliessung stehende Spielwaren- und Geschenkladen «Himmelrych» in der Rathausgasse beklagt auch Felicia Fracassi die Konkurrenz durch Online-Shopping, Grossverteiler, und in ihrem Fall auch Marktfahrer. «Meine Hut-Sortimente und die Accessoires bezog ich grösstenteils in der Region, in der Schweiz. Alles ist Qualitätsware, die halt ihren Preis hat.» Und fachfrauliche Beratung sei offenbar nicht mehr gefragt, zieht Fracassi Bilanz.

Nicht nur ältere Herren «behütet»

Das Problem liegt also nicht so sehr bei den rasch wechselnden Mode-Trends. Im Gegenteil: Felicia stellt sogar fest, dass zunehmend nicht nur ältere Herren «behütet» unterwegs sind. Vor allem der unverwüstliche Panama-Hut ist zur Sommerszeit weit verbreitet, und er schützt auch uni-sexistisch immer mehr Damen-Köpfe. Männer mögen bei Regenwetter breitkrempige australische Bush-Hats oder englische Schildmützen.

Die elegante Dame krönt sich nach wie vor mit kunstvollen Kreationen. Und natürlich umfasste Felicias Sortiment selbstverständlich auch traditionelle modische Lenzburger Spezialitäten vom traditionellen Kadettenhut über den honorablen Zylinder und den üppigen Ascot-Firlefanz bis zur adretten Toque mit Schleier für die Seetaler Meitli. Das Jugendfest lässt grüssen: Beim Ausverkauf sind diese unabdingbaren Accessoires jetzt besonders günstig. Und eine Nachfolge-Regelung für den Laden ist nicht in Sicht.

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