Niederlenz

Wo dereinst Kühe grasen - das sind die Pläne für die Nutzung des Kiesabbaugebiets Neumatte

Drohnenaufnahme der Kiesgrube Neumatte: Nach dem Auffüllen entsteht hier Landwirtschaftsfläche. Christian Hohl/zVG

Drohnenaufnahme der Kiesgrube Neumatte: Nach dem Auffüllen entsteht hier Landwirtschaftsfläche. Christian Hohl/zVG

Seit Jahren wird auf der Neumatte in Niederlenz Kies abgebaut. Mit der Zeit ist das Grubenloch in südlicher Richtung «gewandert». Nun neigt sich die Kiesförderung dem Ende entgegen, die Grube muss wieder aufgefüllt und das Areal einem neuen Nutzen zugeführt werden.

Am Samstag informierten Vertreter des Gemeinderats und der Kieswerkkommission direkt bei der Grube Neumatte, wie das rund 20 000 Quadratmeter grosse Areal in Zukunft gestaltet werden soll. Drei Jahre lang habe man sich in Zusammenarbeit mit Fach-Ingenieuren und Vertretern des Kantons (Abteilung für Umwelt) ausführlich mit der Endgestaltung auseinandergesetzt, erklärten Gemeindeammann Jürg Link, der die Kieswerkkommission präsidiert, und Heini Haller als Verantwortlicher des Renaturierungs-Projekts. «Wir haben eine sehr gute, für die Neumatte landschaftlich und landwirtschaftlich verträgliche Lösung gefunden», erklärte Haller. Mit andern Worten: Die neue Neumatte soll optisch der bestehenden Landschaft in der Umgebung angepasst werden, von Süden nach Norden leicht abfallend. Und: Die auf dem Areal entstehende zukünftige Fruchtfolgefläche soll qualitativ hochstehendem Landwirtschaftsland entsprechen.

In all den Jahren, in denen Lastwagen Kies aus der Grube wegführten, wurde gleichzeitig ökologische Ausgleichsfläche geschaffen. Dabei ist ein vielfältiger Lebensraum für seltene Flora und Fauna entstanden. Jürg Link bezeichnete das Niederlenzer Vorgehen als «Hybrid-Methode». Was darunter zu verstehen ist, erklärte er so: «Wer bereits während der Kiesförderung für Ausgleichsmassnahmen sorgt, verpflichtet sich, am Ende acht Prozent des gesamten Abbaugebiets als ökologische Ausgleichsfläche weiterzuführen.» Wer sich erst später darum bemüht, muss fast die doppelte Fläche ausweisen.

Baugesuch wird bald aufgelegt

Die Frage, wie lange es dauern wird, bis die Grube aufgefüllt und die Fläche landwirtschaftlich genutzt werden kann, blieb unbeantwortet. Laut Haller werden mindestens 600 000 Kubikmeter Deponiegut benötigt, bis das Grubenloch zugeschüttet ist. Demgegenüber stehen rund 100 000 Kubikmeter Material, das aus der Bauwirtschaft jährlich zugeführt wird. Von deren Entwicklung hänge es ab, ob die vorgesehene Auffüllmenge tatsächlich eingehalten werden könne, heisst es. Weniger lang geht es, bis das Baugesuch für die Endgestaltung des Geländes aufgelegt wird. Verläuft alles nach Plan, wird es in der zweiten Jahreshälfte 2019 so weit sein.

In der Kiesgrube und in deren Nähe sind in den vergangenen Jahren bereits diverse Renaturierungsprojekte realisiert worden: In der Aktion «Hochstammbäume als ökologischen Ausgleich für den Kiesabbau» wurden im Herbst 2016 entlang der Känelmattstrasse zwanzig verschiedene Aargauer Apfelsorten angepflanzt. Im Werkunterricht der Schulen Niederlenz entstand ein Wildbienenhotel, das heute auf dem Areal steht. Auch das alte Bahntrassee der ehemaligen Seetalbahn hat eine neue Bestimmung gefunden: Es dient als Lebensraum für Reptilien, die trockene, warme Standorte bevorzugen. Kreuzkröten, Gelbbauchunken, Geburtshelferkröten (Glögglifrosch) siedelten sich in den extra angelegten Kleinstgewässern auf dem Grubenareal an. «Wer Glück hat, kann ihren glockenähnlichen Ruf hören», erklärte Projektleiter Haller.

Gleichzeitig mit der Renaturierungsplanung will die Kieswerkkommission Niederlenz den Kiesabbau längerfristig sichern. Im nächsten Jahr soll es auf der westlichen Seite der heutigen Abbauzone weitergehen. Dafür hat Niederlenz im letzten Jahr eine Teiländerung des Kulturplans vorgenommen.

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