Lenzburg

Witzige Werke, würziges Buffet

Das Festival «Guck mal, Günther, Kunst» im «Tommasini» bot auch Kulinarisches.

Was ist Kunst? Etwas, das schön ist? Oder irritiert? Zwecklos, aber anregend? Katharina Good und Sabina Galeazzi, beide mitverantwortlich für die 6. Günther-Ausstellung im Tommasini, führen durch die Räume, wo 16 Kunstschaffende 13 Produktionen zeigen. Nici Jost bespielt die Dunkelkammer der Kunststätte im Tommasini. Pink ist ihre Obsession. Eine Videoinstallation zeigt, wie sie aus gefärbten Reiskörnern die pinkfarbenen herausliest. Im grossen Raum davor hängt Olivia Wiederkehrs Installation «Seven Spaces»: sieben zusammengenähte Expeditionszelte, die man betreten kann. Kinder tun es.

Im Turbinenraum sind witzige Werke zu sehen. Konzeptkunst. Die Objekte von Lucas Herzig, Papiermaché auf Drahtgestell, mit Tonstaub eingefärbt, erzeugen nicht bloss eine Materialillusion, sie suggerieren Sitzgelegenheiten, die ihre Versprechen nicht einlösen. Und an den Wänden hängen Fotos von bewusst verhinderten Sitzgelegenheiten. «Defensive Architektur», sagt Sabina Galeazzi. Man kennt das: zu kurze Bänke, um liegen zu können. Oder eben, wie Livio Baumgartner sie fotografiert hat: Steine auf den Mäuerchen, auf dass sich ja niemand niederlasse.

Ziel: davon leben können

Zahlreich sind die Videoinstallationen. So zeigt die niederländisch-bulgarische Künstlerin Eline Tsvetskova einen Film aus einem bulgarischen Dorf. Die Gruppe Bildspur bespielt die Aussenfassade des Tommasini interaktiv: Mit einer Hand kann man die Leuchtkörper am Haus aus der Ferne unterschiedlich färben. Macht man aber die Faust oder zeigt den Stinkefinger, beginnen die Leuchtkörper aggressiv zu flackern. «Irgendwann von dieser Arbeit leben zu können, ist ein Ziel», sagt Bildspurmann Alex Lehmann, auch Mitbegründer des Lenzburger Deutschtreffs für Flüchtlinge. Dieser Verein hat das Buffet mit Häppchen wie syrischen Teigtaschen oder albanischen Süssigkeiten organisiert. Sie sind rasch verzehrt, und dann gibts Musik aus Afghanistan und Eritrea. Tanzen erwünscht.

15 Personen sind für Günther, der dieses Jahr einen Monat in Lenzburg weilt, zuständig. Sie leisten ehrenamtliche Arbeit und fassen den Kunstbegriff weit. Musik, Tanz, Poetry-Slam und Literatur gehören dazu.

Die Gruppe selber hat die Innenwände des Tommasini bemalt. «Letzte Woche machten wir eine Führung mit einer Schulklasse samt Workshop», sagt Katharina Good.

Finale am nächsten Samstag

Auf die Quiz-Night am nächsten Freitag folgt am Samstag das Finale mit Günthers spätem Brunch um 13 Uhr, Führungen, Bastelworkshops, Finissage, Talk, Theater und viel Musik.

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