Birrwil
Wissen, wie der Hase läuft: Dem Waidmann über die Schulter geschaut

Bevor dem Wild der «Gruss angetragen wird» und man sich später beim «Aser» versammelt, gilt es einiges zu erfahren über die Jagd. Persönliche Eindrücke eines Frischlings von der facettenreichen Behördenjagd.

Ruth Steiner
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Jagdleiter Richard Zuckschwerdt mit Gästen.

Jagdleiter Richard Zuckschwerdt mit Gästen.

Ich gebe es zu: Ich gehöre grundsätzlich zu jener Spezies, welche das Wild lieber in der freien Natur als auf dem Teller geniesst.

Als jedoch die Einladung der Jagdgesellschaft Birrwil-Boniswil zur Behördenjagd auf meinen Bürotisch flatterte, hat mich doch der Hafer gestochen, einmal der in Jagdkreisen hochgehaltenen Sitte beizuwohnen.

Der Jahreszeit konform gut eingepackt, stelle ich mich dem Unbekannten und steige bei nasskaltem Wetter zur Birrwiler Waldhütte hoch.

Im Kreise einer illustren Gästeschar, viele davon haben mit der Jagd ebenso wenig zu tun, registriere ich, dass es – wie so oft im Leben – doch ein bisschen anders ist als allgemein angenommen: Antrieb für den Jäger ist nämlich nicht das Beute-Machen, sondern die Verantwortung für die frei lebenden Tiere, sie zu pflegen. Und sie letztendlich halt auch zu nutzen.

Jagdleiter Richard Zuckschwerdt bestätigt diesen Eindruck, wenn er sagt: «Es ist Aufgabe des Jagdvereins, einen gesunden Wild-Bestand zu erhalten.» In der rund zwei Monate dauernden Jagdzeit wird dafür gesorgt, dass die sogenannte Alterspyramide intakt bleibt. Das bedeutet, dass rund der Hälfte des jährlichen Wild-Zuwachses «der Gruss angetragen» wird. So werden Tiere bezeichnet, die nach vorgegebenen Kriterien erlegt werden.

Eine Lektion Jägerjargon

Während dieser ersten Lektion (viele weitere folgen) am heutigen Tag schlürfe ich dankbar den heissen Begrüssungskaffee, sozusagen die Aufwärmrunde für die gesamte Jagdgesellschaft. Bald einmal mahnen die Jagdhörner zum Aufbruch, die fünf Hunde ebenfalls. Ich reihe mich für den ersten Trieb in die Schar der passiven Jäger ein. Wichtigstes Requisit ist für diese das Weinglas. Auf der Beobachtungsstation angekommen, gibt es einen ersten Schluck. Das verkürzt die Wartezeit. Jagdleiter Richard Zuckschwerdt erteilt uns Unkundigen eine konzentrierte Lektion in Jägerlatein.

Ich schmunzle. Redewendungen wie «Wissen, wie der Hase läuft» oder «eines hinter die Löffel geben» gehen mir durch den Kopf. Sie entspringen ebenfalls dem Waidmannsvokabular sind heute fester Bestandteil des täglichen Sprachgebrauchs.

Später geselle ich mich zu der sportlichen Truppe. Im Kreise der Treiber kämpfe ich mich, gut gekennzeichnet mit einer orangen Kappe, durchs Dickicht und lade die Tiere ein, den «Jäger zu grüssen».

Geselligkeit beim «Aser»

Geht man später zu Tisch, heisst das im Fachjargon «Aser». Der Begriff spielt jedoch eine untergeordnete Rolle. Wenn die Gäste an diesem Tag nämlich auf Pirsch gehen, werden sie wohl weniger das Wild anpeilen, denn frühzeitig ausloten, in wessen Nähe sie sich anschliessend beim entspannenden Wildgericht positionieren wollen.

Übrigens: Im Verlaufe des Tages hat das Jagdhorn 5mal 3 Hornstösse verlauten lassen. Das heisst: Es wurden 5 Rehe erlegt.