Lenzburg
Wisa Gloria-Ateliers öffnen ihre Türen

Wer will, darf in die Welt von zwei Dutzend Künstlern eintauchen. Roger Weber mit seinen «poetischen» Maschinen gehört dazu.

Isabelle Schwab
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Wisa-Gloria
4 Bilder
Von Steampunk will Weber erst erfahren haben nach dem ihn jemand darauf hingewiesen hat.
Diese Dame plappert froehlich und unaufhoerlich in ihr Handy.
Ein Fernsehkoch der die Innereien des Fernsehers verkocht.

Wisa-Gloria

Isabelle Schwab

So viele waren es noch nie: 23 Kunstschaffende öffnen vom 7. bis 8. November in der ehemaligen Wisa Gloria ihre Ateliers. Entsprechend gross ist die Vielfalt an Arbeiten und Kunstwerken: Tuschzeichnungen, Fotografien, Drucke, Skulpturen aber auch Kleidungstücke, Keramik und Metallarbeiten werden ausgestellt. Gleichzeitig gewähren einige Künstler den Einblick in ihren Arbeitsprozess und -Bereich. Unter ihnen ist Roger Weber. Der Goldschmied stellt in seinem Atelier kleine, «poetische» Maschinen her.

Immer sind sie mehr, als einfach nur schön anzusehen: Die zum Teil aus Holz zum Teil aus Metall gefertigten Figuren von Roger Weber. So rührt etwa ein von den Jahren gebeutelter Fernsehkoch unablässig in seinem Topf, verkocht dort die Innereien des Fernsehers, in welchem er auftrat. Oder ein einbeiniges Christkind windet sich schreiend, sobald an einer Kurbel gedreht wird. Es war Teil eines Adventskalenders, die Nummer 24, und entstand, nachdem der 51-Jährige im Auftrag der Helvetas in Niger mit Silberschmieden zusammengearbeitet hatte. «Ich sah dort Kinder, die sich schwere Verletzungen durch Tretminen zugezogen hatten.» Der Anblick liess ihn nicht los.

Ein Tüftler

Roger Weber lässt sich in seiner Arbeit durch aktuelle Themen inspirieren. Gentechnik, Kommunikation, Fernsehkonsum: Es rattere unablässig in seinem Kopf. «Rhetorisch bin ich vielleicht nicht so begabt, aber ich kann in meine Werke kritische Aussagen packen», sagt er.

In der Dusche oder beim Spazieren kämen ihm ganz natürlich die Ideen. Die Entwurfsphase bleibe danach kurz: «Ich schaffe am liebsten gleich an einem Modell und tüftle an der Mechanik, bis es passt.» Manchmal komme es vor, dass die Figur am Ende eine andere, gar bessere Bewegung ausführe, als gedacht. «Denn der Entstehungsprozess ist für mich sehr wichtig.»

Roger Weber ist kein Mechaniker. Er hat sich durch Ausprobieren und stundenlanges Tüfteln selbst die Herstellung von Gelenken und Zahnradwerken beigebracht. Angefangen hat das schon im Kindesalter. Mit Legos hat er sich erste Tiere und Figuren gebaut: «Schon die mussten sich bewegen, sei es durch ein einfaches Gelenk oder dass sie zumindest den Mund auf und zu machen konnten.»

Mehr als schön

Auch bei seinen kleinen Schmuckkollektionen setzt Goldschmied Weber nicht auf reine Ästhetik. «Meiner Meinung nach kann Schmuck viel mehr, als einfach gut aussehen.» Das hat er zum Beispiel mit sechs von ihm gefertigten Ringen bewiesen: Statt eines Diamanten oder anderen Edelsteins wurde ein gentechnisch nicht manipuliertes Samenkorn eingesetzt. «Eines Tages könnte das ebenso viel wert sein, wie ein Diamant», sagt Roger Weber.

An den Tagen der offenen Ateliers wird er einige seiner Stücke, Schmuck, wie auch Figuren, bei seinen Nachbarn in der Druckerei ausstellen. Zusammen werde man einige der schweren Maschinen beiseite räumen und Platz schaffen.

Eines seiner Werke wird in einer Kartonschachtel präsentiert, welche die befreundeten Drucker hergestellt haben. Auch Webers Visitenkarten wurden hier gedruckt. Er revanchiert sich, in dem er Ersatzteile für die alten Druckmaschinen herstellt.

«Es ist ein gutes Miteinander in der Wisa Gloria», sagt Roger Weber. Er nimmt zum ersten Mal an den Tagen der offenen Ateliers Teil. «Es ist eine gute Gelegenheit, auch die anderen Künstler kennenzulernen und zu sehen, was sie in den letzten Jahren geschaffen haben.»