«Bringen Schlösser Arbeitsplätze?» Unter diesem Titel fand in Lenzburg zum vierten Mal das Forum «Wirtschaft trifft Politik» statt. «Eine etwas provokative Fragestellung», meinte Daniel Mosimann in seiner Funktion als Präsident des Gemeindeverbandes Lenzburg Seetal, dem Organisator der Veranstaltung. Es wurde dann überraschend intensiv über Schlösser diskutiert. Über Schlösser, die den Tourismus ankurbeln könnten. Initiiert wurde die Diskussion vor allem vom Hotelbesitzer Rolf Kasper (Aargau Hotels), der in seinen Unternehmen über 350 Personen beschäftigt. Der Seetaler sagte etwa: «Unsere Region schläft touristisch. Der nationale und internationale Tourismus steckt in den Kinderschuhen.»

Besser verteilten Tourismus

Kasper würde etwa versuchen, den Fremdenverkehr mithilfe der Schlösser anzukurbeln. «Es gibt keinen Kanton, der so schöne und so gut erhaltene Schlösser hat.» Regierungsrat Urs Hofmann, der oberste Aargauer Standortförderer, würde eher auf die Karte Städte setzen. «Ich bin überzeugt, dass man in Lenzburg mehr machen könnte.» Mani Sokoll, seit Februar mit einem 60%-Pensum Leiterin Standortförderung beim Gemeindeverband Lenzburg Seetal, wies auf die Tagestourismus-Müdigkeit in den Gemeinden rund um den Hallwilersee hin. Kasper konterte: «Mehr Tourismus heisst nicht eine grössere Menge, sondern besser verteilt – nicht nur am Wochenende.» Claude Wagner, Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz, warnte davor, Schlösser bei der Positionierung zu fest ins Zentrum zu stellen. Dieser Begriff sei bei den Jungen, bei der Geration Y, negativ besetzt.

Genuss-Cluster Lenzburg-Seetal?

Wagner stellte in seinem Einführungsreferat die Ergebnisse einer Kurzstudie über den Wirtschaftsraum Lenzburg-Seetal vor. Die Region hat im nationalen (teilweise im kantonalen) Vergleich weniger Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und im Dienstleistungsgewerbe. Dafür ist sie bei der Industrie stark: Jeder dritte Arbeitsplatz befindet sich in diesem Sektor (national jeder vierte). Das Problem: Für die Weiterentwicklung fehlt es an grossen Landparzellen in Industriezonen. Also muss sich die Standortförderung hier vor allem darauf beschränken, die bestehenden Firmen zu pflegen.

Professor Wagner schlägt für die Region Lenzburg-Seetal die Fokussierung auf einen «Genuss-Cluster» vor. Wobei bei «Genuss» weniger Gault Millau, sondern mehr Hero und Biopartner gemeint sind. Und auch alle Formen von Tourismus.

«Erbitterter Kampf»

Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann wies darauf hin, wie schwierig es ist, Firmen in den Aargau zu locken. «Zwischen den Regionen und vor allem zwischen den Kantonen gibt es einen erbitterten Kampf um die Ansiedlung von Unternehmen.» Er argumentierte etwa mit einem Unternehmen, das fast nach Lenzburg gekommen wäre. Am Schluss scheiterte die Ansiedlung an der Forderung des Deutschen Teilhabers nach einer Adresse in Zürich.

Hier hakte Rolf Kasper ein: «Für mich ist es ein Rätsel, weshalb alle Firmen nach Zürich wollen.» Und im Schlusswort formulierte er einen Wunsch an die Standortförderung: «Schön wäre es, wenn es heissen würde Zürich bei Lenzburg.»