Niederlenz
Wird Erasmus+ gestrichen? EU bringt Auslandpraktika für Studenten in Gefahr

Wird das Studentenaustauschprogramm Erasmus+ gestrichen, hat das Konsequenzen für die Gartenbauschüler. Der Betriebsleiter des Berufsbildungszentrum setzt sich für den Bildungsaustausch ein: «Networking beginnt heute bereits in der Ausbildung.»

Ruth Steiner
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Angehende Schweizer Zierpflanzengärtner auf Studienreise im Faulenzer Garten der Gartenbauschule Langenlois in Österreich. zvg

Angehende Schweizer Zierpflanzengärtner auf Studienreise im Faulenzer Garten der Gartenbauschule Langenlois in Österreich. zvg

zVg

«Der Match ist nicht verloren, aber das Spiel wird schwieriger.» Peter Stadelmann, der Betriebsleiter des Berufsbildungszentrums (BBZ) – ehemals Gartenbauschule – ist ein Verfechter des internationalen Bildungsaustauschs.

Ebenso ist er Pragmatiker. Deshalb will er nun in den ersten Stunden nach dem Entscheid aus Brüssel, wonach die Verhandlungen der EU mit der Schweiz über das Studentenaustauschprogramm «Erasmus+» vorerst aufs Eis gelegt sind, nicht gleich den Teufel an die Wand malen.

Er hofft, dass man sich rasch an den Tisch setzt und nach konstruktiven Lösungen sucht: «Die politische Auseinandersetzung sollte nicht auf dem Buckel der jungen, bildungswilligen Generation geführt werden», unterstreicht er seine persönliche Haltung.

Die Ausbildungsstätte für Zierpflanzengärtner in Niederlenz ist laut Stadelmann der einzige Handwerksbetrieb der Schweiz, der seinen Lernenden dank dem EU-unterstützten Studienprogramm «Erasmus+» praktische Bildungsaufenthalte im Ausland ermöglicht.

Einsatz für Wissenstransfers

Schon seit vielen Jahren macht sich der Gärtnermeister stark für den internationalen Austausch. Er gehört zu den Gründervätern der Arbeitsgemeinschaft europäischer Gartenbaulehrer. Diese machte sich 2005 die internationalen Begegnungen auf Fachlehrer- und Ausbildungsebene zum Ziel.

Also lange bevor die Förderung der Bildungsprogramme durch die EU begann. Dies ist seit 2009 der Fall, die Schweiz stiess zwei Jahre später dazu. Und mit ihr das BBZ im Rahmen des Praktikantenprogramms der grünen Branche Europas.

Netzwerk sind wichtig

«Networking beginnt heutzutage bereits in der Ausbildung. Man kann nicht früh genug beginnen, gute und breit gefächerte Kontakte herzustellen. Sie machen es später einfacher, beruflich voranzukommen», ist Peter Stadelmann überzeugt.

Die Praktikumsangebote der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft bringen die jungen Menschen weitherum im europäischen Raum: Nach Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich, Österreich bis ins ferne Estland geht jeweils die Reise. Bis zur Aufnahme als Bildungspartner hatten die Schweizer ihre Reisekosten jeweils selber getragen.

Die Partnerländer würden auch unter Kündigung leiden

Und darauf würde es künftig im schlimmsten Fall wieder herauslaufen, sollte die Schweiz definitiv aus dem Programm gekippt werden. Für die europäischen Partner wäre das schlimmer: «Ein Aufenthalt in der Schweiz dürfte für sie unter den neuen Bedingungen nicht mehr finanzierbar sein», sagt Stadelmann.

Lernenden aus den EU-Staaten werden derzeit die Kosten für die Studienreisen vollumfänglich bezahlt. Stadelmann selber ist es wichtig, dass die Schweizer Teilnehmer zumindest einen Obolus aus der eigenen Tasche leisten.

Er sieht noch einen weiteren Grund, weshalb das Schweizer Praktikumsprogramm ohne formelle Partnerschaft des Landes künftig einen schweren Stand haben dürfte. «Durch den fehlenden offiziellen Charakter würde es schwierig, das Schweizer Austauschangebot bei den Behörden im Ausland überhaupt durchzubringen.»

Bis Mitte 2015 Studienreisen gesichert

Welches sind die nächsten Schritte, die Stadelmann selber unternimmt? «Die Gemeinschaft europäischer Gartenbaulehrer trifft sich im April in Deutschland. Die Zusammenarbeit auf dieser Ebene ist vom Entscheid nicht betroffen.» Darüber hinaus werde er Kontakt mit der Schweizer Koordinationsstelle, der «ch Stiftung für eidgenössische Zusammenarbeit», suchen. «Ich hoffe, dass wir bis Ende 2014 Klarheit haben.»

Bis Mitte 2015 sind die Studienreisen gesichert. Sie mussten bereits im vergangenen Jahr beantragt werden. Peter Stadelmann rechnet, dass diese durch die jüngsten Vorkommnisse nicht tangiert sind und programmgemäss durchgeführt werden können.