Region Lenzburg
Wird die Stadt künftig im neuen Tunnel umfahren?

Die Lenzburger Kerntangente reicht nicht aus. Um den stetig wachsenden Verkehr zu bewältigen, hat der Kanton im Richtplanentwurf 2011 eine neue Ostumfahrung eingezeichnet.

Fritz Thut
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Kann Lenzburg bald im Tunnel umfahren werden?

Kann Lenzburg bald im Tunnel umfahren werden?

Die zuständigen Gemeinderäte äusserten sich an der Vorstandssitzung des Regionalplanungsverbandes (Repla) Lenzburg-Seetal von vorgestern positiv über diese Idee – vorausgesetzt, dass die neue Strasse in einen Tunnel verlegt wird.

Wie kommt der Verkehr aus dem Seetal künftig auf die Autobahn? Mögliche Antworten auf diese Frage liefert der kantonale Richtplan, wo langfristige Projekte erfasst sind. Im Rahmen der Vernehmlassung zur Gesamtrevision nahmen die Gemeindevertreter an der Repla-Sitzung in Holderbank Stellung zu wichtigen Verkehrsprojekten in der Region.

Tunnel zwischen Gofi und Wald

Einige Zentimeter gepunktete rote Linie südöstlich von Lenzburgs Stadtkern und Schlosshügel könnten das Gesicht des Gebiets Wildistei zwischen dem Gofi-Hügel und dem Lütisbuech-Wald nachhaltig verändern: Hier verläuft der angedachte Autobahn-Zubringer für den Verkehr aus dem Süden.

Zur Richtplan-Gesamtrevision sollen sich nicht nur die Gemeinden, sondern vor allem die Regionalplanungsverbände vernehmen lassen. Aus diesem Grund war die geplante neue Umfahrung von Lenzburg an der Vorstandssitzung von vorgestern das wichtigste Thema.

«Sehr sensibles Gebiet»

Stadtammann Hans Huber als Vertreter der Standortgemeinde hielt fest, dass es sich beim vorgesehenen Strassenraum «um sehr sensibles Gebiet» handelt. Der Stadtrat hat bereits über den Vorschlag diskutiert und ist mit der Erwähnung im Richtplan «einverstanden», knüpft jedoch eine Bedingung daran: «Alles muss unter den Boden», so Huber.

Mit einem sehr deutlichen, positiven Unterton nahmen die Seetaler Vertreter vom geplanten Wildistei-Tunnel Kenntnis. «Für uns ist dies eine gute Lösung», liess sich Heinz Bürki, Gemeindeammann in Seon, vernehmen und meinte damit auch die Zentrumsumfahrung von seiner Gemeinde, die ebenfalls in der Richtplan-Revision vorgesehen ist.

Spürbare Entlastung versprochen

Bei der Seon-Umfahrung müsse man jedoch «Rücksicht auf eben geschaffene Vernetzungen und Naherholungsgebiete nehmen», warnte Gemeindeammann Rolf Jäggi von der tangierten Nachbargemeinde Egliswil.

Kurt Metry, Gemeinderat in Schafisheim, verspricht sich für seine Gemeinde durch die neue Lenzburger Umfahrung ebenfalls eine spürbare Entlastung: «Das ist eine positive Variante.» Trotzdem will man hier nicht auf die Erwähnung der örtlichen Dorfkernumfahrung verzichten.

«Einzig sinnvolle Variante»

Peter Grusche, Vizeammann von Hunzenschwil, vermutet, dass mit dem neuen Lenzburger Tunnel die Autobahnauffahrt AarauOst/Hunzenschwil entlastet würde. Dies wird durch eine Beobachtung von Heinz Bürki bestätigt: «Heute nehmen viele Autofahrer aus dem Seetal, die Richtung Zürich wollen, die Auffahrt Hunzenschwil, weil der Stau in Lenzburg zu gross ist.»

Daniel Lüscher, Gemeinderat in Hallwil, bezeichnete den Vorschlag mit den neuen Umfahrungen von Seon und Lenzburg als «einzig sinnvolle Variante», verwies jedoch auf eine wichtige flankierende Massnahme: Mit der neuen Autobahnauffahrt in Suhr soll das Seetal massiv vom Pendlerverkehr aus dem Wynental entlastet werden.

Oppositionslos stimmten die Repla-Delegierten der Festschreibung des Wildistei-Tunnels im Richtplan zu. «Lenzburg hat bisher nur die Kerntangente, aber keine eigentliche Umfahrung. Dieser Vorschlag entspricht der Konzentration der Kräfte», hielt Stadtammann Huber abschliessend fest.

Böse Abfuhr für Hallwyl-Spange

Es war keineswegs so, dass die Repla-Vorstandsmitglieder alle Verkehrsplanungsideen der kantonalen Richtplaner einfach durchwinkten: Die eingezeichnete neue Spange nördlich von Schloss Hallwyl, mit der die aktuelle Trennung von Schloss und Schlossmühle-Ensemble durch die Kantonsstrasse eliminiert werden kann, wurde einmütig, auch und vor allem von den Anrainergemeinden, versenkt: Man könne nicht derart viel Kulturland für eine überflüssige Massnahme verschwenden, war ein Argument.

Eine möglichst zügige Eliminierung dieses Elements aus dem Richtplan verlangte der Boniswiler Vizeammann Jörg Remund: «Die Planungssicherheit für unsere vorgesehenen Strassenaufwertungsmassnahmen muss umgehend wieder hergestellt werden.»