Die 1865 erbaute alte Schmiede an der Seengerstrasse ist seit den 1970er-Jahren nicht mehr in Betrieb, in Boniswil aber nach wie vor ein grosses Thema. Das zeigte sich kürzlich beim Tag der offenen Tür: Gegen 100 Personen schauten in die alte Werkstätte, die zuletzt von Hans Humbel geführt wurde – und waren baff: Ohne zu Murren ratterte das halbe Dutzend Spezialmaschinen, angetrieben durch einen Elektromotor; dies über ein ausgeklügeltes System von Transmissionsriemen.

Am kommenden Wochenende stimmen die Boniswiler nun darüber ab, ob die Schmiede in einen geschützten Buswarteraum mit Sitzbänken umgebaut wird. Wer auf den Bus wartet, soll durch eine Glaswand Werkzeuge wie Amboss und Esse betrachten können. Ein Busstopp mit der Atmosphäre eines Heimatmuseums also.

Diese Pläne hatte Ende 2016 die Gemeindeversammlung beschlossen und für Sanierung und Umbau der Schmiede einen Kredit von 100'000 Franken gesprochen. Die Gemeinde erhält aus dem Swisslos-Fonds einen Zustupf von 50'000 Franken, die Kosten für Boniswil halbieren sich dadurch. Gegen den Entscheid der Gemeindeversammlung, der mit 42 zu 38 Stimmen äussert knapp ausfiel, wurde dann das Referendum ergriffen. 196 Unterschriften (nötig waren 99) kamen zusammen, weshalb nun am Wochenende abschliessend an der Urne über das Projekt entschieden wird.

Bestätigen die Stimmbürger den Beschluss der Gemeindeversammlung, wird die alte Schmiede definitiv zur Bushaltestelle mit Glaswand umgebaut. Sagt die Bevölkerung an der Urne Nein, ist das Ja der Gemeindeversammlung aufgehoben und die Zukunft des alten Gebäudes wieder unklar. Es ist nicht ausgeschlossen, dass dieses dann abgebrochen wird. Dafür votierte 2015 der Gemeinderat; dies schweren Herzens. Denn wegen der alten Schmiede ist die Verkehrssituation an der Seengerstrasse unübersichtlich. Die Idee eines Schau-Museums scheiterte an hohen Kosten. Der Gemeinderat beantragte deshalb 2015 der Gemeindeversammlung, die alte Schmiede aus dem Substanzschutz zu entlassen, um diese dann abzureissen. Die Boniswiler sagten aber mit 108 zu 40 Stimmen Nein – ein klares Votum, das Gebäude zu erhalten.

Auf ein erneutes Ja am Wochenende hofft der Historiker Thomas Frei, der für die Gemeinde das Konzept für den Umbau der Schmitte zur Bushaltestelle mit Museum verfasst hatte. «Ein ja an der Urne sichert die Schmiede und ihre Geschichten für künftige Generationen», so Frei.