Eine Woche vor Weihnachten 1916 nahm die Wohlen–Meisterschwanden-Bahn ihren Betrieb auf. Entgegen dem Namen führte die Bahn nie nach Meisterschwanden; der Bahnhof Fahrwangen blieb Endstation.

Inzwischen ist das Gebäude mit dem charakteristischen Rundturm ein Relikt, das an die Ende Mai 1997 eingestellte Privatbahn erinnert. Doch die Tage des Fahrwanger Bahnhofs scheinen gezählt und ob er seinen 100. Geburtstag in zwei Jahren noch erlebt ist fraglich.

Der verlassene Fahrwanger Bahnhof, der bald einer Überbauung weichen soll.

Der verlassene Fahrwanger Bahnhof, der bald einer Überbauung weichen soll.

Überbauung mit 60 Wohnungen

Auf dem Areal ist eine grössere Überbauung vorgesehen, die das Ende der historischen Bahnliegenschaft bedeuten wird. Im Gemeindehaus erinnert man sich, dass vor wenigen Jahren schon einmal ein Projekt präsentiert wurde. Profilstangen markierten die geplanten Gebäude und das Baugesuch war schliesslich bewilligt worden. Doch gebaut wurde – wohl wegen der gescheiterten Finanzierung – nicht; die Bewilligung erlosch nach Ablauf der üblichen zweijährigen Geltungsdauer.

Jetzt gibt es einen neuen Anlauf. Dem Gemeinderat wurde ein Vorprojekt präsentiert und im Gemeinderatszimmer steht sogar ein Modell.

Aktuell arbeitet das Büro Horcher Architekten GmbH in Luzern am Projekt. «Wir bereiten die Baueingabe vor», hält Thomas Horcher gegenüber der az fest. Ob das Baugesuch noch in diesem Jahr oder erst 2015 eingereicht wird, hängt nicht nur vom Tempo des Zeichners ab. Noch fehlt ein Investor für die Überbauung. Der Grundeigentümer und Liegenschaftsentwickler ist derzeit auf der Suche nach einem Geldgeber. Die Überbauung soll rund 60 Wohneinheiten umfassen. Es sind mehrheitlich kleine Wohnungen vorgesehen.

Gnadenfrist läuft

Noch hat also der weitgehend unveränderte Bahnhof eine Gnadenfrist. Wie lange sie dauert, ist offen. Vor wenigen Wochen ist auch der Blumenladen ausgezogen, der Gebäude steht leer und harrt der Dinge. Wer weiss, vielleicht fährt der Bagger ja erst nach dem 100. Geburtstag auf.