Lenzburg
«Wir wollen keine dummen alten Zähler mehr»

Die SWL Energie AG präsentiert einen guten Abschluss und setzt auf alternative Lösungen und Energieträger. Diese Überlegungen habe sich das Unternehmen lange vor dem Atomgau in Fukushima gemacht.

Fritz Thut
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Finanzchef Andreas Schweiger (links) und Direktor Markus Blättler auf dem SWL-Dach, wo eine grosse Solarstromanlage geplant ist. tf

Finanzchef Andreas Schweiger (links) und Direktor Markus Blättler auf dem SWL-Dach, wo eine grosse Solarstromanlage geplant ist. tf

Wer erfolgreich wirtschaftet, wie die zu 100 Prozent im Besitz der Stadt Lenzburg befindliche SWL Energie AG, kann sich gut auch grundsätzliche Gedanken über die Zukunft der Energieversorgung machen.

Direktor Markus Blättler und Finanzchef Andreas Schweiger informierten bei der Präsentation des Jahresabschlusses 2010 (vgl. Artikel unten) über verschiedene Dispositionen ihres Unternehmens, das im letzten Jahr 73 Personen, darunter 20 Lernende, beschäftigte.

Schon vor «Fukushima» aktiv

«Schon lange vor ‹Fukushima›» habe man sich hier Gedanken über den nachhaltigen Umgang mit Energie gemacht und «Interesse an erneuerbaren Energien angemeldet», hält Blättler fest.

Im Jahresbericht, der «bewusst schlichter gehalten» wurde und mit Porträts von Kunden und Mitarbeitern garniert ist, kann man zwar noch nachlesen, dass im letzten Jahr 77,7 Prozent des ausgelieferten SWL-Stroms aus Kernkraftwerken stammt, doch gemäss Direktor Blättler hats diese Produktionsart «auf lange Sicht schwer». Bei den SWL verfügt man über eine Studie, in der auch verschiedene Alternativen in der Region geprüft wurden.

Neues Geschäftsfeld Holz

In Lenzburg hat man im letzten Jahr die Weichen gestellt, «um künftig stark auf den einheimischen und erneuerbaren Energieträger Holz zu setzen». Mit dem Forstbetrieb Lenzia wurde ein Vertrag zur Lieferung von jährlich 7500 Kubikmeter Holzschnitzeln abgeschlossen.

SWL 2010: 10 Prozent plus dank Bauboom

Die SWL Energie AG blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2010 zurück: Sowohl den Umsatz (45,3 Millionen Franken, +9,5 Prozent) als auch den Gewinn (3,0 Mio., +102 Prozent) konnte das Lenzburger Energieversorgungsunternehmen steigern. Dafür sorgten insbesondere die starke Bautätigkeit in der Region und die kühle Witterung.

Bei allen Energieträgern setzte die SWL Energie AG im letzten Jahr deutlich mehr ab als im Vorjahr. Am deutlichsten fällt das Plus mit 13,3 Prozent beim Erdgas aus. Doch auch Fernwärme (+8,7 Prozent) und Strom (+10,7 Prozent) verkaufte das Unternehmen markant mehr.

Dafür führen die Verantwortlichen drei Gründe an: Am stärksten wirkt sich die rege Bautätigkeit in der Region sowohl für Wohnhäuser als auch im gewerblichen Bereich aus. So konnte die SWL Energie AG im vergangenen Jahr 47 neue Wohngebäude und 11 Gewerbebauten zusätzlich ans Erdgasnetz anschliessen. Zweitens sorgte der klare Aufwärtstrend in der Wirtschaft für eine gute Auftragslage und folglich für einen höheren Energieverbrauch bei den Industriekunden. Drittens war 2010 insgesamt ein kühles Jahr, was vor allem den Erdgas- und Fernwärmebedarf steigerte. «Im Gegensatz zu diesem Jahr ist es letztes Jahr fast nicht Frühling geworden», so Direktor Markus Blättler.

Kaum verändert hat sich hingegen die Wasserabgabe (+ 3,6 Prozent). (az)

Diese Wärme liefert man vorerst an die Grosskunden Zentralgefängnis und Überbauung Viehmarktareal der Ortsbürger. Mit einer zweiten, ebenfalls mit Holz betriebenen Fernwärmezentrale im neuen Quartier Widmi ist man in den Startlöchern.

Das Interesse sei gross, doch wolle man beim Energieträger Holz nicht auf Teufel komm raus expandieren: «Lange Transportwege für angekaufte Schnitzel würden die Kohlendioxid-Bilanz belasten», so Blättler.

Ein weiteres Projekt steckt in der Pipeline und wurde vom SWL-Verwaltungsrat bereits beschlossen: Auf dem Dach des Hauptsitzes will man Solarstrom gewinnen. Mit einer Leistung von rund 50 Kilowatt wird es eine der grösseren Anlagen im Kanton.

Intelligente Strom-Zähler

Getreu dem Motto, dass nicht benötigter Strom noch besser ist als solcher aus erneuerbaren Quellen, ist auch das Sparen ein grosses Thema bei den SWL. Mit dem Einsatz von intelligenten Strom-Zählern, so genannten Smart Meters, will man die Grundlage schaffen, um den Kunden Sparpotenzial (vor allem beim Stand-by-Verbrauch) aufzuzeigen und später vielleicht gar individuelle Tarifmodelle zu ermöglichen.

Während im EU-Raum Smart Meters bereits Pflicht sind, gehört das Lenzburger Werk in der Schweiz noch fast zu den Pionieren. Direktor Blättler glaubt an dieses Mittel und ist kompromisslos: «Wir wollen keine dummen alten Zähler mehr.» Bereits hat man 500 Geräte ersetzt. Geht’s in diesem Tempo weiter, ist Lenzburg innert zehn Jahren voll «smart».

«Natürlich kannibalisieren wir uns als Strom-Verkäufer hier zu einem gewissen Grad selber, doch uns liegt der effiziente Einsatz der Energie sehr am Herzen», so Markus Blättler.