Noch hat Dürrenäsch von Nachbarin Leutwil keine Avancen erhalten, nicht einmal Flirtversuche wurden unternommen. Die Lüpuer haben an der letzten Gemeindeversammlung im November dem Gemeinderat den Auftrag erteilt, in Dürrenäsch bezüglich eines Zusammengehens der beiden Gemeinden zu sondieren. Von dieser Absicht habe man in Dürrenäsch aus den Medien erfahren, sagt Gemeindeammann Andrea Kuzma. Gegangen ist bisher nichts. «Wir warten aufs Werben aus Leutwil, werden aber sicher nicht aktiv werden.» Kuzma sendet jedoch wohlwollende Signale Richtung Leutwil. Sollte es soweit kommen, würde Dürrenäsch eine Fusionsanfrage aus Leutwil auf jeden Fall sorgfältig prüfen.

Um grosse Projekte muss sich die kleine Gemeinde auf der Sonnenterrasse zwischen dem Seetal und dem Wynental keinesfalls bemühen. Seit längerem bestimmen zwei happige Brocken die Dürrenäscher Agenda: Der Bau einer neuen Mehrzweckhalle mit der Sanierung des Schulhauses und die Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO). Schwierige Geschäfte, die mit grossen Herausforderungen für die Gemeindeverantwortlichen verbunden sind.

Als Andrea Kuzma im Herbst 2016 zur Frau Gemeindeammann gewählt wurde, stand Dürrenäsch vor den Trümmern des ersten Turnhalle-Projekts. Ein massiv überzogener Planungskredit zog weite Kreise, das Projekt musste neu aufgegleist werden. Sechs Wochen blieben Kuzma nach ihrem Amtsantritt, um genau diesen Planungskredit im dritten Anlauf durch den Souverän bewilligen zu lassen. Gerade mal zwei Monate später wurde an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung der neue Planungskredit von 435 000 Franken für das neue Projekt «Schulraum+» verabschiedet.

Diese Zeit ist der 42-jährigen Frau Ammann noch in bester Erinnerung. «Der Einstieg war heftig», erzählt sie und lacht. Umso glücklicher sei sie gewesen, als der Souverän schliesslich grünes Licht gab und «Schulraum+» in Angriff genommen werden konnte.

Mehrzweckhalle und Schulhaus

Zuvor, als es um die Wahl zur Frau Gemeindeammann ging, habe der Reiz am neuen Amt die Bedenken wegen der anstehenden Herkulesaufgaben überwogen, sagt Kuzma. Eine optimale Organisation der Terminpläne und ein Ehemann, der daheim ordentlich am Karren mitzieht, haben’s möglich gemacht. Andrea Kuzma windet ihrem Mann ein Kränzchen. Ursprünglich habe er nämlich wenig Begeisterung gezeigt, als sie sich mit den Gedanken einer Kandidatur beschäftigte, lässt sie ins Nähkästchen blicken. Mittlerweile hat sich Familie Kuzma mit den 8- und 11-jährigen Kindern mit den neuen Gegebenheiten arrangiert.

Auch der 20-Prozent-Job als Buchhalterin hat noch Platz in Kuzmas Terminkalender. «Ganz so einfach ist es jedoch schon nicht immer», erzählt Andrea Kuzma beim Gespräch im Gemeindehaus. Sie sitzt am grossen Tisch im ordentlich aufgeräumten Sitzungszimmer. Im kleinen Büro nebenan, in dem Frau Ammann für die Gemeinde arbeitet, sieht es anders aus: Papiere stapeln sich, auf dem Pult sind Dokumente ausgelegt.

Rund 40 Prozent ist sie derzeit für die Gemeinde tätigt. Aktuell beschäftigt sie sich mit der Schulhaussanierung und der neuen Mehrzweckhalle. Dort soll es nun weitergehen. In einer Informationsveranstaltung am Montag, 11. März wird die Bevölkerung über die nächsten Schritte informiert. An einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung am 17. Mai haben die Stimmbürger dann über den Baukredit zu befinden. Über dessen Höhe kann sich Kuzma noch nicht äussern. Soviel könne jedoch gesagt werden. «Die Gesamtkosten für beide Projekte liegen bedeutend unter den 18 Millionen Franken des ursprünglich geplanten Projektes ‹Schulraum+›.»

Der Gemeinderat habe sich lange mit dem Vorhaben auseinandergesetzt, erzählt Kuzma. Man habe nach der für Schule und Vereine optimalsten Lösung gesucht. «Mit der nun vorgesehenen Variante bleibt auch das Beck-Bertschi-Haus im Moment bestehen», hält Kuzma fest.

Damit habe der Gemeinderat jenen Bürgern Rechnung getragen, welche den Abriss des «Beck-Bertschi-Hauses» verhindern wollten und gegenüber dem Bau von zusätzlichem Schulraum skeptisch sind. Die Liegenschaft ist unbewohnt, die Gemeinde hat dort Kulturgüter eingelagert.

Baulandreserven zu hoch

Aktuell beträgt der Steuerfuss in Dürrenäsch 95 Prozent. Vor zwei Jahren hatten die Steuerzahler eine satte Erhöhung um 13 Prozent zu verdauen. Wie sieht es für die Zukunft aus? Werden die Steuern mit den anstehenden Bauprojekten weiter erhöht werden müssen? Andrea Kuzma wiegelt ab. Man werde wohl nicht darum herumkommen, den Steuersatz in den kommenden Jahren zu überdenken, sagt sie.

Dürrenäsch hat ein weiteres Problem zu lösen. Die idyllisch gelegene Landgemeinde muss ihre Baulandreserven massiv verkleinern. Derzeit ist Bauland für 3000 Einwohner vorhanden. Der Kanton verlangt eine Reduktion um fünf Hektaren. Für die laufende BNO-Revision heisst die Devise deshalb auszonen. «Die Aufgabe ist unglaublich schwierig», sagt Ammann Kuzma. Und zwar deshalb, weil die einen mit der Auszonung ihres Baulandes ihre «Altersvorsorge» verlieren würden. Andere haben bereits in die Erschliessung der Grundstücke investiert. Auch bei diesem Problem setzt der Gemeinderat auf Transparenz und Konsens. Mit dieser Strategie hat Andrea Kuzma bisher gute Erfahrungen gemacht. Und deshalb wird man in Dürrenäsch einen freundlichen Empfang bereiten, wenn die «Braut Leutwil» dereinst anklopfen sollte.