Parkplatz-Ärger am Hallwilersee
«Wir können niemandem verbieten, an den See zu kommen»

Man könne niemandem verbieten, an den See zu kommen, sagt Ueli Haller, Viezeammann von Meisterschwanden. Bei grossen Ansturm brauche es aber ein Notfall-Konzept mit provisorischen Parkplätzen. Zudem müsse die Polizei auch Leute abweisen können.

Toni Widmer
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Ueli Haller, Viezeammann von Meisterschwanden

Ueli Haller, Viezeammann von Meisterschwanden

Ein Besucheransturm in einem bisher noch nie registrierten Ausmass hat am Sonntag am Hallwilersee für Belästigungen von Anwohnern gesorgt. Fahr- und Parkverbote wurden in grober Weise missachtet, Autos oft rücksichtslos abgestellt. Gemeinden und Tourismus-Organisationen befassen sich mit dem Problem schon länger.

Ueli Haller, als Vizeammann von Meisterschwanden, Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee und Vorstandsmitglied von Seetal-Tourismus gleich an mehreren Fronten engagiert, zeigt Möglichkeiten zur Lösung auf.

Ueli Haller, als Geschäftsführer der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee und Vorstandsmitglied von Seetal-Tourismus vertreten Sie zwei Organisationen, die möglichst viele Besucher an den See locken wollen. Als Gemeinderat sind Sie aber auch mit den negativen Auswirkungen des Verkehrs konfrontiert.Ueli Haller: Die Situation am vergangenen Sonntag war in jeder Beziehung aussergewöhnlich. Einen solchen Ansturm haben wir bislang noch nie erlebt und es war sicher nicht alles positiv. Der Tourismus am See ist jedoch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, nicht nur für Meisterschwanden mit seinen zwei Seehotels, der Schifffahrtsgesellschaft und den zwei Badeanstalten.

Also Augen zu und durch, Hauptsache, die Kasse stimmt?
Halt, so habe ich das weder gesagt noch gedacht. Es ist klar, dass die touristischen Kapazitäten am See irgend einmal erschöpft sind. Wenn das Gedränge am See so gross ist, dass Besucherinnen und Besucher ihren Aufenthalt nicht mehr geniessen können, dann ist das nicht nur wegen der negativen Auswirkungen für die Bevölkerung schlecht. Es bekommt auch unserem Image als Erholungsregion nicht gut. Unser Bestreben ist es seit Jahren, den Tourismus in geordnete Bahnen zu lenken.

Ohne durchschlagenden Erfolg, wie der vergangene Sonntag zeigt.
Wir können durchaus Erfolge vorweisen. Rund um den See und insbesondere in Meisterschwanden ist die Parkplatzinfrastruktur in der Vergangenheit massiv angepasst worden. Sie reicht normalerweise aus, nicht aber an aussergewöhnlichen Sonntagen, von denen es im Schnitt pro Jahr höchstens zwei bis drei gibt.

Die Lösung heisst: Noch mehr Parkplätze bauen?
Wir brauchen am See ein Notfallkonzept. Für einen Ansturm wie am vergangenen Sonntag müssen provisorische Parkplätze bereitstehen und die Besucherströme von Polizei und Feuerwehr gelenkt, beziehungsweise abgewiesen werden, wenn die Parkplätze voll sind. Solche Notfallkonzepte liessen sich gut umsetzen, weil sich grosse Besucherzahlen in der Regel frühzeitig abzeichnen.

Das sind bisher nur Planspiele?
Nein, wir arbeiten auf breiter Ebene schon länger daran. Nach den Erfahrungen vom vergangenen Sonntag gehe ich davon aus, dass solche Pläne jetzt zügig vorangetrieben werden und bereits in der nächsten Saison umgesetzt werden können.

Lassen sich die Besucherzahlen am See überhaupt einschränken?
Wir können niemandem verbieten, an den See zu kommen. Unser längerfristiges Ziel ist es jedoch, potenzielle Besucher mit einem regionalen Verkehrsleitsystem in den Räumen Lenzburg und Wohlen sowie im Luzerner Seetal frühzeitig darauf hinweisen zu können, wenn es keine Parkplätze am See mehr hat. Ein lokales Leitsystem wird es in Meisterschwanden für den Raum «Seerose» demnächst geben. Es ist Bestandteil der Baubewilligung für die Erweiterungsbauten des Hotels. Besucher werden oben auf der Hauptstrasse darauf hingewiesen, wenn unten die Parkplätze voll sind. Ein gleiches System ist auch für den Raum Schulanlage Eggen/Delphin geplant.

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