Noch fehlen die Kostüme und ein Grossteil der Requisiten. Und doch kann man sich schon in diesen Tagen ein Bild davon machen, wie schwungvoll musikalisch es ab dem 21. Oktober im Gemeindesaal von Möriken zugehen wird. Dann nämlich feiert die Operette «Gräfin Mariza» aus der Feder von Komponist Emmerich Kálmán Premiere.

Am Rande einer gemeinsamen Probe von Chor und Solisten sagt Daniel Angelini: «Die Vorfreude auf die Premiere ist sehr gross, das kann man im gesamten Ensemble spüren.» Der Präsident des Vereins Operette Möriken-Wildegg, der in diesem Jahr zum ersten Mal nicht selbst auf der Bühne stehen wird, hat aber noch einen zusätzlichen Grund, zuversichtlich auf das Premierenwochenende in fünf Wochen zu blicken. Denn, so sagt er, der Vorverkauf für die «Gräfin Mariza» sei gut angelaufen.

Ganz selbstverständlich ist dies nicht. Vor zwei Jahren hatte der Operettenverein mit der Inszenierung der Operette «Banditenstreiche» einen spürbaren finanziellen Verlust verzeichnen müssen. Der Besucheraufmarsch lag rund ein Fünftel unter den Vorjahren. Doch will man alles daransetzen, um die 90-jährige Operettentradition in Möriken-Wildegg weiterhin lebendig zu erhalten.

Spielplan gekürzt

Weshalb die Zuschauer einer Inszenierung fernbleiben würden, kann Präsident Angelini nicht abschliessend sagen. Ein Blick auf andere Operettenvereine und –veranstalter im Kanton und ausserhalb des Aargaus zeige jedoch, dass grosse Schwankungen bei den Zuschauerzahlen keine Seltenheit seien. Dass aber die Operette grundsätzlich ein kulturelles Auslaufmodell sei, das glaubt der Vereinspräsident nicht. Doch wurde die Kostenseite unter die Lupe genommen. Zu den Sparmassnahmen, die für die neueste Inszenierung ergriffen wurden, zählt eine Kürzung des Spielplans auf 20 Vorstellungen. Die Premiere am Samstag, 21. Oktober, findet mit dem Ende der Schulferien statt. Derniere ist am 3. Dezember.

Der Verein verzichtet darauf, beim Gemeindesaal ein Restaurantzelt aufzustellen. Stattdessen werden dem Publikum Gaststätten in der Region empfohlen. Als Neuerung kann überdies auch der Bekanntheitsgrad der jüngsten Operetteninszenierung gelten. Bislang brachte der Operettenverein vorwiegend wenig bekannte Werke in Möriken zur Aufführung. Kálmáns «Gräfin Mariza» aus der «Silbernen Operettenära», die zwischen 1900 und 1920 angesetzt wird, dagegen und insbesondere das Duett «Komm mit nach Varasdin» sind einem grossen Publikumskreis ein Begriff.

Änderung beim Orchester

Eine weitere Änderung ist bei der Orchesterbesetzung auszumachen. Diese besteht in diesem Jahr ausschliesslich aus Streichern und einem Klavier. «Dieser Umbesetzung liegt aber kein finanzieller, sondern ein künstlerischer Entscheid zugrunde. Das Orchester bleibt im Vergleich zu früheren Jahren auch gleich gross», sagt Daniel Angelini. «Wir wollten zum 90-Jahre-Jubiläum der Operette Möriken-Wildegg etwas Spezielles machen. Und die ‹Gräfin Mariza› in dieser Form ist in der Schweiz erst ein einziges Mal aufgeführt worden.»

Mit Blick auf die Premiere und die Zuschauerzahlen sagt Daniel Angelini: «Natürlich sind wir angespannt, jetzt wo die Erstaufführung näher rückt. Aber wir sind überzeugt, dass wir alles gemacht haben, damit die aktuelle Aufführung ‹Gräfin Mariza› ein Erfolg wird.»