Staufen
«Wir fürchten uns vor Wildparkierern»: Petitionäre kritisieren Standort von geplanter Turnhalle

78 Petitionäre bemängeln das Vorgehen des Gemeinderats beim Standortentscheid für die neue Turnhalle in Staufen. Sie fordern, dass eine weitere Variante geprüft wird.

Stefanie Garcia Lainez
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Auf dieser Wiese südlich der Schule soll die neue Turnhalle gebaut werden.

Auf dieser Wiese südlich der Schule soll die neue Turnhalle gebaut werden.

Stefanie Garcia Lainez

Staufen braucht eine zusätzliche Turnhalle. Dies, weil die Gemeinde bis Ende 2020 mit 4000 Einwohnern rechnet – 2010 waren es noch 2590. In einem Masterplan hat der Gemeinderat fünf verschiedene Standorte für die etwa sieben Millionen Franken teure Doppelturnhalle evaluiert. Mitte Februar gab er auf dem dorfeigenen Blog bekannt: «Der Standortentscheid ist gefallen.» Die neue Turnhalle soll neben der Liegenschaft an der Ausserdorfstrasse 19 auf dem Feld südlich der Schulanlage erstellt werden. Sie wird vom Gemeinderat als Variante D bezeichnet.

Dieser Entscheid stösst aber auf Widerstand: 78 Einwohnerinnen und Einwohner haben zwei Wochen später eine Petition eingereicht. Sie fordern darin, dass der Gemeinderat auch die Variante E auf der gegenüberliegenden Seite am Hermenweg für den Wettbewerb ausschreibt. Die Bevölkerung soll an der Gmeind über beide Varianten abstimmen können. Der Gemeinderat lehnt dies in seiner Antwort an die Petitionäre aber ab.

«Diskussion Teil der Demokratie»

Dass der Standort D gleich neben ihrem Haus liegt, sei nicht das Problem, sagt Cédric Lewy als Vertreter der Petitionäre auf Anfrage. Die Schüler als Nachbarn zu haben, störe sie nicht. Im Gegenteil: «Meine Frau setzte sich vor ein paar Jahren mit einer Unterschriftensammlung dafür ein, dass ein neuer Kindergarten in unmittelbarer Nähe gebaut wurde.»

Die Petitionäre bemängeln den Umstand, dass die Halle verkehrsmässig kaum erschlossen werde und keine Parkplätze geplant seien. «Die Zufahrt und die Parkplätze nur für Feuerwehr oder Ambulanz zu erschliessen, ist zu wenig», sagt Lewy und ergänzt: «Wir fürchten uns vor Wildparkierern.» Denn diese gäbe es schon jetzt. «Findet in der Schule ein grösserer Anlass statt, parkieren viele Besucher im Quartier, anstatt den Parkplatz beim Hermenweg zu benutzen.»

Die Standortvariante E hingegen sei gut erschlossen und biete Parkiermöglichkeiten gleich nebenan, sagt Lewy. Das Argument der Gemeinde, diese Variante sei eine «Satellitenlösung» und somit zu weit entfernt von der Schule, lässt Cédric Lewy nicht gelten. «Die Kinder müssten 100 Meter weiter laufen. Das sollte kein Problem sein.»

Die Petitionäre kritisieren aber nicht nur die Standortwahl, sondern das Vorgehen der Gemeinde generell. «Die Doppelturnhalle ist eines der grössten Projekte in Staufen. Das sollte demokratisch breit abgestützt sein», sagt Cédric Lewy. Doch dies sei nicht der Fall. Am Workshop im Januar, an dem die verschiedenen Standorte vorgestellt wurden, hätten sich in einer Konsultativabstimmung 46 Einwohner für die Variante D ausgesprochen, «die damals noch mit einer richtigen Zufahrtstrasse angeschlossen war».

Mit der Petition unterstützten jetzt aber fast 80 Personen einen anderen Standort. «Es herrscht also kein klares Bild darüber, was die Bevölkerung möchte», sagt Lewy.

Eine Diskussion an der Gemeindeversammlung lehnt der Gemeinderat in seiner Antwort an die Petitionäre ab. Er befürchtet einen «Kampf der jeweils betroffenen Anwohnern und Quartieren um den jeweils bevorzugten Standort». Dies sei der Dorfgemeinschaft abträglich, schreibt der Gemeinderat. Cédric Lewy sagt dazu, dass es nicht die Absicht der Petition sei, das Dorf zu spalten.

Deshalb habe er auch nicht den Kontakt zu den Medien gesucht. «Aber eine solche Diskussion gehört doch zur Demokratie», erklärt er.

«Am Politapéro diskutieren»

Gemeindeammann Otto Moser präzisiert die Ausführungen des Gemeinderates. «An der Gmeind über fünf Projekte zu diskutieren, führt zu weit», sagt er. Dazu habe der Workshop im Januar gedient, bei dem der Gemeinderat die verschiedenen Meinungen aufgenommen und in der Entscheidung berücksichtig habe.

Dass man an der Verkehrssituation noch arbeiten müsse, sei klar. «Damit wir aber mit den Verkehrsplanern zusammensitzen können, braucht es ein konkretes Projekt.» Da die geplante Halle zudem eine reine Sport- und keine Mehrzweckhalle sei, rechnet Moser nicht mit einem grösseren Verkehrsaufkommen. «Und falls noch Diskussionsbedarf besteht, lade ich die Bevölkerung an den Politapéro am 26. Mai ein. Dort können wir nochmals über die Turnhalle zu sprechen.»