Die Wilstrasse ist ein beliebter Schleichweg um von Lenzburg ins Seetal zu gelangen. Oder umgekehrt von der Seonerstrasse direkt zu den Sportanlagen oder zum Zentralgefängnis.

Im August 2014 hat der Stadtrat beschlossen, die Strasse zwischen dem Waldeingang (Parkplatz Vitaparcours) bis zur Aabachbrücke mit einem Fahrverbot zu belegen. Die Reaktionen auf diesen Entscheid folgten postwendend. Die Lenzburger waren nicht bereit, auf dieses praktische Strässchen zu verzichten. Neun Einsprachen wurden gemacht.

Nun hat die Stadt vermeldet (az von gestern), dass die Einsprachen abgewiesen werden, beziehungsweise, dass sie nicht darauf eintritt. Sie will am Fahrverbot festhalten. «Der Stadtrat hat mit allen Einsprechern Gespräche geführt», sagt Stadtschreiber Christoph Hofstetter. Doch die Gespräche haben keine Einigung erbracht. «Die Einsprachen wurden nicht zurückgezogen.»

Strasse ist zu gefährlich

Zu den Einsprechern gehört der Stallmeister auf dem Gutsbetrieb der Justizvollzugsanstalt (JVA). Seine Zufahrtsroute führe in den meisten Fällen durch den Wald. Auch das JVA-Personal wehrte sich gegen das Fahrverbot.

Viele Mitarbeiter benützen die kurvige Wilstrasse als Arbeitsweg. Mit einem Fahrverbot müssten sie den Umweg über die Kreuzung Seonerstrasse/Bleicherain in Kauf nehmen. Je nach Tageszeit ist dieser mit viel mehr Zeitaufwand verbunden.

Der Personalausschuss der JVA beantragte, die Verbindung für Zubringer offen zu halten. Darauf ist die Stadt nicht eingegangen. «Der Stadtrat kann auf dieser Strasse keine Ausnahmen machen», sagt Hofstetter. Der Grund dafür sei immer noch der gleiche, wie vor zweieinhalb Jahren: «Im jetzigen Zustand ist die Wilstrasse zu gefährlich für den motorisierten Verkehr», sagte Stadtrat Martin Steinmann damals.

Die Aufregung um die Wilstrasse begann nicht erst 2014. Drei Jahre zuvor war die Strasse schon in einem bröckeligen Zustand, weshalb der Stadtrat sie sanieren wollte. Es kam ein Referendum zustande, das Volk sagte Nein zur Sanierung. Bessere Strassenverhältnisse würden noch mehr Verkehr ins Erholungsgebiet bringen, wurde befürchtet.

Ein neues Sanierungsprojekt wurde vom Kanton abgelehnt. Dieser hätte Land abtauschen sollen, damit die Strasse saniert und verbreitert worden wäre. Doch mit dem Zentralgefängnis in nächster Nähe zog es der Kanton vor, aus der Wilstrasse keine zu komfortable Strasse zu machen.

Für den Stadtrat dagegen kommt eine Sanierung nur mit einer Verbreiterung infrage. So schreiben es die heutige Bestimmungen vor. Die Strasse so stehen und befahren lassen, wie sie sich heute durchs Täli windet, kommt ebenfalls nicht infrage.

Die Unterhaltskosten sind zu hoch. Ein Fahrverbot ist die kostengünstigste Lösung. Zudem kann so der Räumlichen Entwicklungsstrategie und dem Masterplan Aabach der Erholungsnutzung Rechnung getragen werden: Vorfahrt für die Natur.