Holderbank
Wie ein Skiliftbetreiber mit viel Idealismus zu mehr Skifahrern kommen will

Damit der Skilift Engi läuft, braucht es etwas mehr Schnee als am Montag gefallen ist. Diesen Winter war der Lift erst wenige Tage in Betrieb. Trotzdem geben die Betreiber nicht so schnell auf.

Barbara Vogt
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Winter 2010: Damals hatte es noch genügend Schnee für die Skifahrer.Emanuel Freudiger

Winter 2010: Damals hatte es noch genügend Schnee für die Skifahrer.Emanuel Freudiger

Als Knirps lernte Dieter Bösch auf dem Hang oberhalb des Effingerhorts Skifahren. Damals gabs noch keinen Skilift, und er musste den Hang erst mühsam hinaufbretteln, bevor er talwärts fahren konnte.

Seit 1970 gehts mit Bananenbügeln schwungvoll den Hang hoch. Unter den Pionieren, die den Skilift in Betrieb nahmen, befand sich auch Böschs Vater. Damals hatte es noch eine 25 Zentimeter dicke Schneedecke. Eine solche gibts selten mehr, und wer gestern hoffte, er finde auf der 220 Meter langen Piste genügend Schnee für eine Abfahrt, wurde enttäuscht. «Skilift ausser Betrieb» stand auf dem Schild an der Kantonsstrasse. So sehr es am Morgen oberhalb des Effingerhorts auch geschneit hatte, so schnell schmolz der Schnee nachmittags wieder dahin.

In diesem Winter war der Skilift erst wenige Tage in Betrieb. Hauptbetreiber Dieter Bösch – er übernahm das Werk seines Vaters im letzten November – lässt sich dadurch nicht ins Bockshorn jagen. «Es geht nicht darum, viel Geld mit dem Lift zu verdienen. Vielmehr wollen wir einen kulturellen Beitrag im Dorf leisten. Hauptsache wir decken mit den Einnahmen die Unkosten.» Eine Tageskarte für Kinder kostet sechs Franken und Erwachsene bezahlen zehn Franken.

Hinter dem Skilift Engi steht viel Idealismus, so Bösch. Die Helfer arbeiten für Gotteslohn und die Wienerli mit heissem Tee gehen für den Selbstkostenpreis weg. Alkohol gibts aus gutem Grund keinen: Der Effingerhort ist ein Rehahaus für alkohol- und medikamentabhängige Menschen. Vor einigen Jahren organisierten die Betreiber im Hochsommer ein Grasski-Event.

Eine kleine verschworene Gesellschaft trifft sich bei genügend Schnee regelmässig beim Skilift Engi. Doch Dieter Bösch würde den Kundenkreis gerne erweitern. Deshalb versenden die Skiliftbetreiber neu SMS oder Mails, wenn die Skiverhältnisse gut sind. «Dadurch erhoffen wir uns, mehr Skifahrer zu erreichen.» Bösch erhält auch lustige Post. So hielt er vor kurzem einen Brief für Lawinenschutz in den Händen. Lawinen werde es kaum jemals geben am Skilift Engi, sagt er augenzwinkernd.

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