«Hier drinnen ist es dunkel wie in einer Kuh», sagt Primarlehrer Georg Fluor in seinem Bündnerdeutsch und tritt ins Zirkuszelt, das seit Samstag auf der Wiese neben der alten Angelrain-Turnhalle steht. Im Zelt ist es nicht nur dunkel, sondern auch laut: 450 Kinder schwatzen aufgeregt. Eine Gruppe Mädchen und Knaben trägt tönerne Amulette um den Hals und keine Schuhe. «Wir sind Fakire und legen uns auf ein Nagelbrett», erklären zwei Buben ihre Aufmachung.

Für die Projektwoche hat sich die Schulleitung dieses Jahr etwas Spezielles ausgedacht. «Es ist die erste Projektwoche seit dem Zusammenschluss der Schulen», sagt Angelrain-Schulleiter Reto Kunz. Vor dem Schuljahr 2016/2017 war die Primarschule auf die Schulhäuser Lenzhard und Angelrain aufgeteilt. Nun gehen im Angelrain 463 Kinder zur Schule. «Nächstes Jahr werden es 500 sein», sagt Kunz. «Das ist dann keine Dorfschule mehr.» Das meint er im Bezug auf das Zusammengehörigkeitsgefühl, das mit so vielen Schülern und über 60 Lehr- und Betreuungspersonen schwieriger herzustellen sei. «Deshalb haben wir uns für diese Zirkuswoche entschieden.» Die Schulleitung hat den «Circus Luna» engagiert, eine Truppe von Zirkuspädagogen, die vom Jonglierball bis zum Glitzergilet alles mitbringt. Das blau-gelbe Zirkuszelt hat die Schule bei der Firma Zeltraum in Suhr gemietet.

Durch alle Klassen gemischt konnten sich die Schülerinnen und Schüler vorgängig in eine der über 20 Gruppen eintragen. Wer nicht vor den Augen aller Eltern, Grosspapis und Grosis in der Manege auftreten will, kann in einem «Hdk»-Ressort mitwirken. «Hdk»? «Wir haben uns schon den Zirkus-Slang angeeignet», sagt Kunz und lacht. «Hdk» heisst «Hinter den Kulissen». Vor den Kulissen geschieht alles, was man von einem Zirkus erwartet. Es wird Nummern mit Akrobaten geben, wendige Kinder auf Trapezen und Leitern. Tiere fehlen auch nicht; Raubtiere, Elefanten und Pferde werden für die Lenzburger Manege trainiert. Die Tiere werden jedoch alle auf zwei Beinen unterwegs sein.

Zirkuswoche soll nachhallen

Die Pferdegruppe bereitet sich in einem Klassenzimmer vor. Jedes Kind hat eine Schachtel angemalt – braun, weiss oder schwarz – und mit einem Schweif aus Paketschnur versehen. Die Schachtel wird umgehängt, auf den Kopf kommt eine Kappe mit Ohren und Mähne; fertig ist das Pferd. In einem anderen Zimmer probt das Zirkusorchester, Flöten, eine Gitarre und ein Saxofon sind zu hören. Die Perkussionsinstrumente sind noch in Produktion. Silas, Silvio und Jan sind mit Kameras unterwegs durch alle Gruppenräume. Sie gehören zu Georg Fluors Redaktionsteam. Die Zeit drängt, bis ungefähr 16 Uhr muss jeden Tag ein neuer Beitrag auf der Schulhomepage www.regionalschule.ch aufgeschaltet werden.

Auch die Lehrer mussten sich für ein Ressort entscheiden. «Alle haben etwas Passendes gefunden», sagt Kunz. Zudem sind auch ungefähr 80 Eltern freiwillig im Einsatz. «Wir wollen mit der Zirkuswoche etwas mit Nachhall gestalten», sagt Reto Kunz. «Sodass sich in Zukunft ein Sechstklässler und eine Erstklässlerin auf dem Pausenplatz Hoi sagen.» Vielleicht, weil sie mal auf einem Trapez zusammen durchs Zirkuszelt geschwungen sind.

Vorstellungen Freitag, 19. 5.: 17 Uhr und 20 Uhr. Samstag, 20. 5.: 10.30 Uhr und 13.30 Uhr. Wiese neben der alten Turnhalle Angelrain. Ticketvorverkauf bei der Bäckerei Büchli oder auf gut Glück an der Abendkasse.