Auf den ersten Blick muten die salopp gekleideten Jugendlichen etwas schräg an in der historischen Kulisse des neuen Landschaftstheaters auf dem Staufberg. In ihren modernen Jeans und bedruckten T-Shirts, dem Cap auf dem Kopf und mit Sonnenbrille wirken sie eher wie ein Störfaktor in der Theaterszene. Was sich nämlich vor ihren Augen auf der Bühne abspielt, stammt aus einer andern Zeit, das sieht man schon an den Gewändern der beiden Akteure. Ein Mann und eine Frau spielen eine Szene aus dem Gotthelf-Roman «Uli der Knecht». Doch die fünf jungen Menschen sind weder deplatziert noch zufällig da. Sie gehören zum Ensemble und sind Teil des Theaters. Chiara, Elena, Luisa, David und Marcel spielen eine eigene Geschichte im Theaterstück. Ein sturmfreies Wochenende hat sie in das baufällige Bauernhaus gebracht, wo sie irgendwo in einer alten Kiste auf das folgenschwere Buch stossen.

Die aktuelle Aufführung des Freilichttheaters «Ueli de Chnächt 2016» ist eine eigene Interpretation der Romanvorlage von Jeremias Gotthelf. Das Publikum erwartet zwei Geschichten, die zeitlich 175 Jahre auseinanderliegen. «Viel Überraschung, ohne auf den erwarteten Herzschmerz verzichten zu müssen», verspricht Regisseur Peter Locher.

Derweil ist Knecht Ueli auf der Bühne ganz sturm geworden im Kopf ob Elisis Karisieren. Sturm wird es den Jugendlichen nicht. Nicht einmal, als sie wild auf der Bühne herumrappen. «Es macht mega Spass», sind sie sich einig. «Den Text zum Rap haben wir selber geschrieben», sagen sie stolz. Einzig den Rhythmus dazu hat ihnen der musikalische Leiter, Urs Erdin, vorgegeben. In wenigen Wochen, am 9. Juni, ist Premiere. Bis dahin wird auf dem Originalschauplatz auf dem Staufberg noch intensiv geprobt. Bei den Theaterverantwortlichen ist man guter Dinge. «Wir sind zeitlich gut drin», sagt Regisseur Locher. Auch der Vorverkauf ist über Erwarten gut. Die Bühne wurde um fast 30 Plätze pro Vorstellung erweitert und für den 29. Juni eine Zusatzvorstellung ins Programm aufgenommen. Derniere ist am 2. Juli.

Die Intensivproben sind für die Jungen kein Problem, sagen sie. Auch wenn sie noch in der Ausbildung sind und Prüfungen anstehen. Wenn’s sein muss, sind die Schulbücher bei der Probe halt dabei. Die einen stehen zum ersten Mal auf der Bühne, andere haben schon Erfahrung. Doch längst hat sie alle das Theatervirus gepackt.