Lenzburg

Wie auf einer Carrera-Bahn: Der Tunnel der A1-Zubringerbaustelle wächst nach Plan

Zwischen «Welle» und «Konserve»: In diese Grube wird der Tunnel gebaut. Die Kurve stellt die Tunnelbauer vor Herausforderungen; die Fahrbahn hat ein Gefälle.

Zwischen «Welle» und «Konserve»: In diese Grube wird der Tunnel gebaut. Die Kurve stellt die Tunnelbauer vor Herausforderungen; die Fahrbahn hat ein Gefälle.

Täglich fahren bis zu 25'000 Autofahrerinnen und Autofahrer über die Neuhof-Kreuzung. Vielleicht ärgern sie sich über die Umleitungen und die provisorischen Ampeln. Vermutlich denken sie nicht an das zehn Meter tiefe Loch, dass sie soeben umfahren haben. Bei der Kreuzung Neuhof wird auf engstem Raum ein 362 Meter langer Tunnel gebaut.

Die Fotos aus der Höhe zeigen das Ausmass der Baugrube für diesen Tunnel. Eine massive Schneise zieht sich vom Bünztal herkommend durch den Boden, biegt beim Hero-Gebäude um die Ecke und verläuft weiter Richtung Autobahn. «Der Tunnel wird 362 Meter lang», sagt Projektleiter Armin Rauchenstein. Dazu kommen 185 Meter Rampe beim Tunnelportal Horner und 94 Meter bei der Hero. Diese Rampe ist kürzer und steiler – damit sie die Strasse über die Eisenbahnbrücke führen kann.

Weil die Platzverhältnisse so eng sind, zählt jeder Zentimeter. Von oben sieht man, wie das Treppenhaus des Berufsschule-Parkhauses beinahe in die Grube zu ragen scheint. Die zweite Herausforderung ist die Kurve. «Einen geraden Tunnel zu bauen, wäre einfacher», sagt Rauchenstein. Die Kurve verlangt den Tunnelbauern einiges ab, zum nicht gleichbleibenden Tunnelquerschnitt kommt ein Gefälle dazu. Für eine bessere Fahrdynamik gibt es ein Gefälle nach innen. «Wie auf einer Carrera-Bahn», sagt Rauchenstein. «Nur nicht so steil.» Das Gefälle dient gleichzeitig auch der Entwässerung.

Steht man auf der provisorischen Brücke zwischen Hero-Konserve und Neuhof-Kreuzung, kann man in die tiefste Stelle der Grube runterschauen. Rund zehn Meter wurde hier in den Boden gegraben. Noch tiefer wird es einzig unter der Betriebszentrale, deren Ausbuchtung man heute schon vis-à-vis dem Parkhaus sehen kann. Dort befindet sich das Stapelbecken. Im 3. UG wird das abfliessende Wasser gesammelt und anschliessend in ein Versickerbecken gepumpt. «Im Falle einer Havarie kann in diesem Becken auch Öl gesammelt werden», sagt Rauchenstein.

Etappe für Etappe wird betoniert. Das Tunnelportal Horner ist schon fertig.

Etappe für Etappe wird betoniert. Das Tunnelportal Horner ist schon fertig.

2021 wird der Tunnel eröffnet

Im Gegensatz zur Tunnelgrube haben die Bauarbeiter auf dem Installationsplatz genug Raum. Ordentlich stehen hier Baracken neben Baufahrzeugen, ab und zu ein Findling. Und ein riesiger Kiesberg. «Ungefähr 40 bis 50 000 Kubikmeter Kies sind auf dem Installationsplatz zwischengelagert», sagt Rauchenstein. Dank des nahe gelegenen Installationsplatzes muss der Kies nicht in der Weltgeschichte herumgekarrt werden. Steigt man von der Brücke runter und in das zehn Meter tiefe Loch, bietet sich ein eindrücklicher Anblick. Die Grube scheint riesig und ein wenig bedrohlich. Ungefähr 240 Bohrpfähle wurden in die Erde versenkt und säumen nun die noch unbetonierten Wände des Tunnels.

Am Ende Hero sind zwei Arbeiter damit beschäftigt, die Lücken mit Spritzbeton aufzufüllen. Am anderen Ende sind die Wand- und Deckenbetonarbeiten bereits in vollem Gang. Auf feuchtem Kies knirschen Armin Rauchensteins Gummistiefel über den Grubenboden. Leichtfüssig springt er die Stufen eines Baugerüsts hoch und über herausragende Armierungseisen auf die Decke über dem Tunneleingang Horner.

Die Arbeiten laufen nach Plan. Bis jetzt hat das Wetter mitgespielt, nach einem sehr trockenen 2018 wurde es erst Ende Jahr etwas feucht. Auch im neuen Jahr hat das Wetter bis jetzt mitgespielt. Schwierig wird es erst, wenn die Temperatur für längere Zeit unter den Gefrierpunkt fällt. «Dann müssten wir die Baustelle stilllegen», sagt Rauchenstein. Bis Ende 2021 soll die Mega-Baustelle fertig sein. Der Tunnel wird jedoch bereits Anfang 2021 in Betrieb genommen. Momentan werden neben den Betonierarbeiten im Tunnel auch Arbeiten an der Hendschikerstrasse bis zur Einmündung Neuhofstrasse durchgeführt. Neben Leitungsarbeiten wird die Strasse im Bereich der Neuhof-Kreuzung verbreitert.

Der Tunnel entsteht mit einer Linienbaustelle in Etappen. Vorauslaufend werden die Fundamente, dann die Wände und zum Schluss die Decke geschalt, armiert und betoniert. So geht es im Wochentakt ungefähr 12 bis 15 Meter vorwärts. «Pro Wand- und Deckenetappe werden über 100 Tonnen Beton verbaut», sagt Rauchenstein und streicht mit der Hand über den Sichtbeton der fertigen Tunnelwand. «Das ist schöner Sichtbeton», sagt er zufrieden mit Blick auf die glatte graue Fläche und erwähnt die Schweizer Standards, die solch schöne Wände hervorbringen. «Den Autofahrern wird das kaum auffallen.» Doch den Projektleiter freuts.

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