Stopp der Zersiedelung

Widerstand gegen Pläne des Kantons: Hallwil kämpft um seine Bauzonen

Die Seetalbahn-Sanierung hat in den vergangenen 30 Jahren das Wachstum von Hallwil behindert.

Die Seetalbahn-Sanierung hat in den vergangenen 30 Jahren das Wachstum von Hallwil behindert.

Sechs Gemeinden im Kanton müssen Bauland wieder auszonen. Während die meisten die Folgen des Raumplanungsgesetzes mit Murren schlucken, gibt es grossen Widerstand in Hallwil: «Die Pläne des Kantons treffen uns wie ein Schlag», sagt der Vizeammann.

Das Seetaler Dorf Hallwil gehört zu jenen sechs Gemeinden im Aargau, die einen Teil ihres Baulandes wieder auszonen müssen. Dies ist die Folge des Raumplanungsgesetzes, welches das Schweizervolk 2013 angenommen hat. Im Aargau sollen die Bauzonen deshalb bis ins Jahr 2040 nur um ein Prozent wachsen.

In den meisten Gemeinden will der Kanton dafür die Bauzonen einfrieren, nur 23 Gemeinden dürfen sie erweitern. Zu grosse, noch unbebaute Bauzonen gibt es laut Kanton aber in Hallwil und weiteren fünf Gemeinden in der Region Lenzburg-Seetal sowie im Wynental. Dort müssen insgesamt 16,7 Hektaren zurückgezont werden. Betroffen sind nebst Hallwil Rupperswil (siehe separater Artikel), Gontenschwil, Reinach, Menziken und Burg.

Mit Widerstand der betroffenen Gemeinden rechnet Baudirektor Stefan Attiger nicht, wie er bei der Präsentation der Pläne sagte (die az berichtete). Der Wettinger CVP-Grossrat Markus Dieth, Präsident aller Regionalplanungsverbände im Kanton, hielt zudem fest: «Die Gemeinden konnten von Anfang an mitreden. Deshalb gibt es wenig Widerstand.»

«Hallwil ist ein Spezialfall»

Das stimmt nur bedingt. Im Wynental regt sich durchaus Widerstand (die az berichtete), vor allem was Detailfragen betrifft. Massiv ist dieser Widerstand in Hallwil: Die Seetaler Gemeinde soll laut den Plänen des Kantons drei Flächen von insgesamt 3,2 Hektaren Bauland zurückzonen.

«Damit sind wir in keiner Art und Weise einverstanden», sagt Vizeammann Daniel Lüscher, zuständig für das Bauwesen. Hallwil sei ein Spezialfall, was man beim Kanton nicht berücksichtigt habe. «Wegen der Sanierung der Seetalbahn konnte sich unser Dorf in den vergangenen 30 Jahren nicht richtig entwickeln.» Diverse Gebiete seien wegen der Seetalbahn mit einer Sperrzone belegt gewesen und hätten deshalb nicht erschlossen werden können. Dies habe das Bevölkerungswachstum massiv gebremst. Lüscher sagt: «Und jetzt, wo wir Nachholbedarf haben und an vielen Orten Bauinteressen vorhanden sind, will man uns wegen des Raumplanungsgesetzes zu viele Bauzonen wegnehmen.»

Drei statt höchstens zwei Gebiete

Als irritierend empfindet es Daniel Lüscher, dass sich der Kanton bei diesen Plänen auf die Baustatistik der vergangenen Jahre stützt. «Weil wir wegen der Sperrzonen der Seetalbahn-Sanierung wenig bauen konnten, kamen die Experten beim Kanton zum Schluss, dass wir auch in Zukunft wenig bauen würden.» Das sei eine falsche Schlussfolgerung. «Die Pläne des Kanton sind für uns deshalb ein schwerer Schlag und waren nach der Vernehmlassung in der Regionalplanungsgruppe so nicht vorgesehen.» In diesen Vorarbeiten habe der Gemeinderat klargemacht, dass höchstens zwei Flächen zur allfälligen Diskussion stehen würden. Nun wolle der Kanton alle drei Gebiete auszonen – zusätzlich jenes im «Tal», das der Hallwiler Gemeinderat für eine bessere Erschliessung von Wohnquartieren nutzen möchte.

Das alles sorgt in Hallwil für Verärgerung. Da gleichzeitig die neue Bau- und Nutzungsordnung in der Vorprüfung steht und sich diese dadurch verzögern könnte, sucht der Gemeinderat mit dem Kanton nochmals das Gespräch. «Wir respektieren den Volksentscheid, die Zersiedelung zu stoppen», hält Lüscher fest, «bei uns wird das Raumplanungsgesetz aber rigoros und ohne Rücksicht auf die Vorgeschichte der Seetalbahn-Sanierung sowie Vernehmlassung in der Regionalplanungsgruppe angewandt.» Hallwil sei in den nächsten Jahren auf Neuzuzüger angewiesen. «Wir sind eine der Gemeinden im boomenden Seetal, die Geld aus dem Finanzausgleich bezieht», gibt Lüscher zu bedenken.

In Stein gemeisselt sind die Pläne des Kantons noch nicht. Bis 20. September läuft die Vernehmlassung zum Raumplanungsgesetz. Parteien, Verbände und Privatpersonen können bis dann Stellung beziehen. Anfang 2015 geht das Geschäft an den Grossen Rat. Am Schluss muss die Siedlungsplanung von Bundesrat genehmigt werden. Noch offen ist, wie Grundeigentümer entschädigt werden sollen (siehe Text oben).

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