Überblick
Widerstand gegen Bauboom: Wo das Bauen am Hallwilersee Sorgen bereitet

In Boniswil, Birrwil und Beinwil am See gibt es immer wieder Einsprachen. In Seengen geht es im Fall der Blutbuche langsam vorwärts.

Urs Helbling
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In Beinwil am See wird mit Plakaten gegen die «Seehalde»-Überbauung protestiert.

In Beinwil am See wird mit Plakaten gegen die «Seehalde»-Überbauung protestiert.

mik

Die Gemeinden rund um den Hallwilersee wachsen überdurchschnittlich. Entsprechend gross ist der Bauboom. Doch während es an der Goldküste, in Meisterschwanden und Seengen, dagegen kaum Opposition gibt, sieht es gegenüber, in Boniswil, Birrwil und Beinwil am See, ganz anders aus. Das hängt auch damit zusammen, dass dort die Bau- und Nutzungsordnungen (BNO) entweder noch sehr neu (Boniswil) oder erst in Ausarbeitung (Birrwil, Beinwil) sind. Es wird allseitig ausgelotet, was möglich ist.

Das gilt ganz speziell für das Projekt, das im Volksmund den Übernamen «Staumauer» erhalten hat. Ein Zuger Investor will in Boniswiler Dorfteil Alliswil ein 96 Meter langes Gebäude mit 29 Wohnungen bauen. Dagegen haben der Landschaftsschutzverband Hallwilersee (LSVH) und die Pro Natura je eine Einwendung gemacht. Und 484 Personen unterstützten eine Petition auf petitio.ch.

«Aussergewöhnliches Bauvorhaben»

«In Alliswil (Boniswil) droht eine der grössten Bausünden im Seetal», heisst es in der Petition mit dem Titel «Nein zur Staumauer». Unterstützt wird das Begehren von 484 Personen.

Der Gemeinderat hat jetzt offiziell zur Petition Stellung genommen. In seinem Schreiben ist unter anderem die Rede von einem «aussergewöhnlichen Bauvorhaben». Es müsse abgeklärt werden, ob sich dieses ins Orts- und Landschaftsbild einfüge. Und: «Der Gemeinderat hat Verständnis dafür, dass ein Überbauungsprojekt in dieser Grösse im bisher locker überbauten Quartier Diskussionen auslöst.»

Aber: Die Bauherrschaft habe einen Anspruch darauf, dass das Baugesuchsverfahren ergebnisoffen durchgeführt werde. Als Nächstes kann sie zu den Einwendungen Stellung nehmen. (uhg)

Die gleichen beiden Organisation wehrten sich vor einem Jahr gegen den Bau einer unterirdischen Doppelgarage am Seeweg (ebenfalls Alliswil), die eine Vorbereitungshandlung für eine Terrassensiedlung ist. Der Gemeinderat hat zwischenzeitlich die Baubewilligung erteilt, der LSVH zog das Verfahren zusammen mit einem Anwohner mittels Beschwerde an den Kanton weiter.

Nicht mehr weiter Widerstand machen die Landschaftsschützer gegen die Überbauung Seeblick (Baubeginn erfolgt) und ein weiteres Terrassenhaus östlich der Kantonsstrasse. Nach gewissen Anpassungen an der Fassade hat man sich auch mit den Initianten des Wohnbauprojektes Hühnerfarm (ob der Kantonsstrasse) geeinigt.

Am Veto des Kantons gescheitert ist das «Siedlungs»- Projekt einer Birrwiler Bauernfamilie. Für 2,5 Millionen Franken hätten ein Stall mit zwei Silos und einem Wohngebäude entstehen sollen – innerhalb der Zone des Hallwilerseeschutzdekretes.

Heikle BNO-Verfahren in Beinwil und Birrwil

In Birrwil musste für die BNO- Gesamtrevision ein zweites Mitwirkungsverfahren durchgeführt werden – was sehr aussergewöhnlich ist. Aktuell liegt das Geschäft beim Kanton bei der zweiten Vorprüfung.

Ebenfalls im Stadion der Vorprüfung befinden sich diejeni- gen Teile der BNO-Revision von Beinwil am See, die auf Geheiss der Gemeindeversammlung 2019 geändert werden mussten (Auszonung Wohnzone W2b, Rückzonung «Tschuepli»). Im Fall des Gestaltungsplanes Seehalde wird in den nächsten Monaten ein wichtiger Entscheid erwartet – vom Verwaltungsgericht.

In der Anfangsphase steckt das Einigungsverfahren im Fall der geschützten Blutbuche von Seengen, die vier Einfamilienhäusern weichen sollen. Der Kanton wollte sich noch äussern. Die Einspracheverhandlungen stehen an.