Recycling

Wertvoller Müll: So macht das «Recycling-Paradies» aus Abfall gutes Geld

Die Eröffnung vom zweiten «Recycling-Paradies» in Hunzenschwil zeigt: Mit Abfall lässt sich Geld verdienen. Die Kurse an den Rohstoffmärkten schwanken jedoch stark. «Es ist wie ein Casino», sagt Geschäftsführerin Karin Bertschi.

Drei bis vier Millionen Franken. So viel Geld haben Karin Bertschi und ihr Team in das Hunzenschwiler «Recycling-Paradies» investiert. Die private Entsorgungsstelle an der A1 beim Möbelhaus Märki ist am Samstag im Beisein von SVP-Präsident Toni Brunner feierlich eröffnet worden.

Damit exportiert Karin Bertschi ihr Erfolgsmodell vom Reinacher «Recycling-Paradies» in die Region Aarau-Lenzburg. Müll entsorgen soll Spass machen, sauber und einfach sein, so das Konzept, das landesweit Vorbildcharakter hat. Während die Entsorger in die Halle fahren und Altpapier, Dosen, Elektronik und Flaschen in die rund 30 Behälter werfen, kann sich der Nachwuchs in der Kinderecke austoben – und dort spielerisch etwas über Umweltschutz lernen. Für all dies hat Bertschi kürzlich zum zweiten Mal den Aargauer Unternehmenspreis abgeräumt.

Die Investition von mehreren Millionen Franken in Hunzenschwil sind jedoch auch für die erfolgsverwöhnte Karin Bertschi viel Geld. «Die Dimension hat mich zu Beginn etwas erschreckt», sagt sie. «Wir verfolgen in Hunzenschwil aber langfristige Pläne. Die Investitionen sind auf 20 bis 30 Jahre ausgelegt.» Mit 24 Jahren sei sie zudem noch jung und arbeite gerne mit ihren Geschwistern im Familienbetrieb. «Wir möchten noch viele Jahre so weitermachen.»

Recycling-Markt ist auch Casino

Karin Bertschi vertraut bei der Expansion nach Hunzenschwil auf den boomenden Recycling-Markt. Denn mit dem Wohlstand steigt die Abfallmenge. In den vergangenen 20 Jahren ist diese in der Schweiz um rund 12 Prozent auf jährlich 770 Kilo pro Kopf geklettert. Die gute Nachricht dabei: Gleichzeitig fand bei der Entsorgung eine Verlagerung von der Verbrennung zum Recycling statt. Heute wird in der Schweiz rund die Hälfte der Siedlungsabfälle wiederverwertet.

«Wir entsorgen mehr als früher und trennen Abfall immer besser», erklärt Karin Bertschi. So würden auch Korkzapfen vermehrt in den Mulden der Sammelstellen landen statt im Haushaltkehricht. Das gleiche zeige sich bei Tetrapack, das seit Ende 2012 von einigen Sammelstellen – unter anderem dem «Recycling-Paradies» – als Pilotversuch angenommen wird. Bertschi: «Ich glaube deshalb, dass die Recycling-Branche eine grosse Zukunft hat.»

Der grosse Unsicherheitsfaktor ist der Rohstoffmarkt. Zwar tendieren die Kurse generell nach oben. Der Markt ist jedoch starken Schwankungen ausgesetzt. Als 2008 die Wirtschaftskrise immer grössere Kreise zog, schlug sich das in den Büchern vom «Recycling-Paradies» nieder. «Wir bekamen den Crash stark zu spüren», so Karin Bertschi.

Um die Schwankungen abzufedern, lagert das «Recycling-Paradies» die sortierten Rohstoffe in Reinach auf dem Hinterhof. Sind die Kurse an der Börse im Keller, türmen sich dort Berge von Stahl und Alteisen. Steigen die Preise, wird alles auf einen Schlag verkauft. «Es ist wie ein Casino», sagt Bertschi, die dieses nervenzerrende Geschäft gerne ihrem Vater überlässt.

Öl und Kork sind Verlustgeschäft

Für das «Recycling-Paradies» ist jedoch nicht jeder Rohstoff ein Geschäft. Kork und Kaffeekapseln decken knapp die Kosten, bei Getränkekartons und Öl legt die Entsorgungsstelle Geld drauf. «Wir nehmen das in Kauf, weil wir die ganze Palette an Abfall annehmen möchten», so Bertschi. «Es ist eine Mischrechnung, die für uns unter dem Strich aufgeht.»

Eine private Entsorgungsstelle muss zudem grosse Mengen an Abfall generieren, um rentabel zu arbeiten. Weil viele Gemeinden mit ihren Sammelstellen diese Menge nicht erreichen, sind diese froh um private Anbieter wie das «Recycling-Paradies». Hunzenschwil etwa hat Karin Bertschi und ihr Team mit offenen Armen empfangen. «Damit können auch Altmetall, Bauschutt, Karton und Altpapier an sechs Tagen die Woche entsorgt werden», sagt Gemeindeammann Silvana Richner. «Das ist heute nur nach Entsorgungsplan und nicht in dieser Häufigkeit möglich.» Als Folge davon werde derzeit das Entsorgungskonzept der Gemeinde vollständig überarbeitet.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag jeweils 9–12 Uhr und 13–18 Uhr.

Meistgesehen

Artboard 1