Lenzburg
Wer sucht eine Wohnung? Auf dem Schloss wird eine frei!

Das Schloss sucht einen neue Herrn oder eine neue Herrin. Einmalige Residenz inklusive. Allerdings muss man als Bewerber oder Bewerberin auch ganz schön viel mitbringen.

Janine Gloor
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Renate und Peter Jud haben über zwanzig Jahre auf dem Schloss gewohnt und gearbeitet. Nun verlassen sie die Lenzburg.

Renate und Peter Jud haben über zwanzig Jahre auf dem Schloss gewohnt und gearbeitet. Nun verlassen sie die Lenzburg.

Chris Iseli

In Lenzburg wird die am höchsten gelegene Wohnung frei. Und ein Job gleich dazu. Nach über zwanzig Jahren wird der Schlossherr der Lenzburg pensioniert. Peter Jud und Renate Jud haben sich dieses Amt geteilt. Offiziell lautet die Bezeichnung «Geschäftsführer der Stiftung Schloss Lenzburg». Per 1. Februar 2019 ist die Stelle neu ausgeschrieben.

«Es ist nicht einfach ein Beruf, sondern viel mehr», sagt Christoph Hofstetter, Aktuar der Stiftung Schloss Lenzburg. «Die Stelle ist wahnsinnig vielseitig.»

Dementsprechend lang ist auch das Stelleninserat. Der Geschäftsführer oder die Geschäftsführerin hat die Gesamtverantwortung für das Schloss Lenzburg – ohne die Ausstellung von Museum Aargau. Er oder sie muss das Schloss führen und gegen aussen vertreten. Der Betrieb mit den Anlässen im Ritterhaus muss betreut, organisiert und vermarktet werden, der Gebäudeunterhalt geplant werden.

Renate Jud ist bisweilen an der Kasse oder im Garten anzutreffen. «Wir suchen einen CEO», sagt Hofstetter. «Die Person muss unternehmerisch denken und selbstständig entscheiden können sowie über eine hohe Sozialkompetenz verfügen.»

Als spezielles Zückerli kann die Stiftung Schloss eine einmalige Wohnlage anbieten: Peter und Renate Jud residieren in einer Wohnung auf dem Schloss Lenzburg. Sie sind dort die einzigen ständigen Bewohner – zumindest was die menschlichen Bewohner angeht.

Neben den Juds sind nur der Drache Fauchi und die Geister permanent auf dem Schloss zu Hause. Peter und Renate Jud werden ihre Wohnung zusammen mit der Stelle verlassen. Die Wohnung ist jedoch im Stelleninserat nicht erwähnt.

«Das ist Absicht», sagt Hofstetter. Für den neuen Schlossherrn oder die neue Schlossherrin bestehe nämlich keine Wohnsitzpflicht auf der Burg. «Wir werden die beste Person für die Aufgabe auswählen.»

Wenn diese nicht auf dem Schloss wohnen möchte, liessen sich mit den heutigen Mitteln Möglichkeiten finden, wie die Aufgaben trotzdem für alle zufriedenstellend organisiert werden können.

Was passiert mit der Wohnung, wenn sie nicht vermietet wird? Ein Wohnsitz auf dem Schloss dürfte jedoch bei der speziellen saisonalen Verteilung dieses Jobs von Vorteil sein.

«Während der Saison, die von April bis Oktober dauert, muss mit mehr als den normalen 8,5 Stunden Arbeitszeit gerechnet werden», sagt Hofstetter. Und dies an sechs Tagen in der Woche. Im Winter geht es dafür ruhiger zu und her.

Momentan arbeiten Peter und Renate Jud zusammen in einem Arbeitspensum von 180 Prozent. Die Stelle ist für 80 bis 100 Prozent ausgeschrieben.

«Im Moment sind noch verschiedene organisatorische Fragen offen und im Rahmen der Nachfolgeplanung zu klären», sagt Hofstetter. Es sei durchaus vorstellbar, dass die Stelle mit einer Person oder wiederum mit einem Paar oder einer Co-Führung besetzt werde. «So wird die Stelle quasi zum KMU.»