Hallwilersee
«Wer gewartet hat, muss nun büssen»: Die AZ war beim Auswassern der Boote dabei

Bis Ende Monat müssen die Boote aus den Bootsstegen weichen – erst im März beginnt ihre neue Saison.

Peter Weingartner
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Ueli Buri mit seinem Kran. fotos: peter Weingartner

Ueli Buri mit seinem Kran. fotos: peter Weingartner

Peter Weingartner
Auswassern Meisterschwanden

Auswassern Meisterschwanden

Peter Weingartner

Es herrscht Betrieb beim Zopf unterhalb des Seehotels Delphin in Meisterschwanden. Und das an einem trüben Samstagmorgen ohne Nebel; ein paar Schwaden entweichen dem Wald ob Birrwil, und der Regen kommt später. Christian Siegrist hat den Anhänger in den See gestellt. Ueli Siegrist kommt mit dem Boot angefahren, und gemeinsam binden sie den «Chräbu» auf dem Anhänger fest. Und auf gehts mit dem Boot ins Winterquartier. Daneben frönt ein junger Fischer seinem meditativen Hobby. Die Schwäne lassen sich von Traktoren nicht stören.

In den Monaten Dezember, Januar und Februar müssen die Boote auf dem Hallwilersee die Schiffsstege verlassen. Der Grund, so Ueli Haller, Präsident der Bootssteg-Kommission und Gemeindepräsident von Meisterschwanden: Stürme, die Schäden anrichten könnten, und die mögliche Eisbildung.

«Mozzabella» muss an Land

«Wer bis jetzt gewartet hat, muss nun büssen», lacht Ueli Buri: Im Oktober war das Wetter besser. Bootsbauer Buri, 66, hat sein Unternehmen in Fahrwangen den Kindern Patricia und Dani übergeben. Sein Job seit 20 Jahren: Boote im Herbst auswassern und im Frühling wieder einwassern. Er tut dies mit seinem Kran, Marke Eigenbau.

«Mozzabella» heisst das Schiff, mit dem Markus Bruder und Matthias Urech das Trockene suchen. Der Name habe weniger mit Käse, als vielmehr mit Frauen zu tun, sagt Matthias Urech grinsend. Eines der schnellsten Boote auf dem See, meint der bärtige Seebär Ueli Buri. Das Auswassern braucht seine Zeit, eine halbe Stunde, denn der hohe Mast muss sorgfältig hingelegt werden. Der aufkommende Wind machts nicht einfacher. Buri hilft beim Lösen von Vorstag und Wanten, die den Mast stabilisieren. Präzisionsarbeit, auch das Deponieren des Schiffs auf dem Anhänger.

Um 10.30 Uhr kommt Helmut Rüetschi aus Seengen mit seinem Boot vom Typ «Schwalbe» angefahren. Er lässt sein Boot in der Scheune von Christian Siegrists Grossmutter überwintern. Standplätze, etwa 60 an der Zahl, bieten auch Buris an. Der Platz in Meisterschwanden ist nicht der einzige, wo Boote aus- und eingewassert werden. Ein fixer Kran steht in Beinwil. Buri hat seinen Plan; am Nachmittag sind noch drei Auswasserungen auf dem Programm. Sein Plus: kein Anstehen.

Auswasserungen sind immer auch Gelegenheit zum Fachsimpeln und Räsonieren. Beispielsweise darüber, warum das Vorführen eines Ruderboots teurer sei als dasjenige eines Ferraris. Neid? Das Lachen hat Ueli Buri darob nicht verloren. «Es war eine gute Saison», schmunzelt er und streicht mit der Hand über seinen Bauch.