Schafisheim

«Wenn sie gierig sind, sind sie einfältig»

Die Laienschauspieler vermögen in ihren Rollen zu überzeugen, Hedi Schmuki glänzt in der Rolle als «irre» Aurélie (rechtes Foto). Fotos: Markus Christen

Die Laienschauspieler vermögen in ihren Rollen zu überzeugen, Hedi Schmuki glänzt in der Rolle als «irre» Aurélie (rechtes Foto). Fotos: Markus Christen

Mit «Die Irre von Chaillot» zeigt das Laienspiel Freie Bühne ein hochaktuelles sozialkritisches Theaterstück.

Wer am kommenden Wochenende nach Schafisheim ins Theater geht, wird mutmasslich vor allem eines sein: verblüfft. Verblüfft ob der Aktualität, die das Stück «Die Irre von Chaillot» noch heute besitzt. Verblüfft darüber, wie wohlvertraut die Sozialkritik, die das zweiaktige Drama aus dem Jahr 1943 übt, für heutige Ohren klingt.

Das Theater zeigt: Am sprachlichen Widerstand, der gegen den Kapitalismus und seine von ihm produzierten gesellschaftlichen Asymmetrien geleistet wird, hat sich in den letzten 74 Jahren kaum etwas geändert.

Und allein dieser historischen Einsicht wegen lohnt sich ein Besuch der neusten Produktion des Laientheaters Freie Bühne Schafisheim, die am vergangenen Samstag Premiere feierte, allemal.

Doch der Reihe nach: «Die Irre von Chaillot» von Jean Giraudoux spielt unter anderem in einem Strassencafé des Pariser Viertels Chaillot. Hier hat sich ein klandestiner Kreis zwielichtiger Spekulanten eingefunden.

Dieser wittert riesige Erdölvorkommen unterhalb von Paris, die nur darauf warten, ausgebeutet zu werden. Dass dafür Teile der Stadt in die Luft gesprengt werden müssen, ist den Spekulanten kein Achselzucken wert.

Widerstand gegen diese düsteren Machenschaften erwachsen aus der bunten, verrückten, aber unter der allgegenwärtigen Herrschaft des Geldes weitestgehend marginalisierten Pariser Bevölkerung.

Durch Aurélie, der Irren von Chaillot, und ihrem Gefolge aus Blumenmädchen, Lumpensammler, Quartierpolizist und Strassensänger werden die profitgierigen Verbrecher ihrer gerechten Strafe zugeführt. «Wenn sie gierig sind», sagt Aurélie und besiegelt damit das Schicksal der Profitjäger, «sind sie einfältig.»

Mutiges Handeln

Natürlich schildert das Theaterstück eine Utopie. Der an eine Märchenerzählung erinnernde Handlungsverlauf und das dualistische Weltbild aus Gut und Böse machen dies transparent.

Doch das Drama ist neben einer moralischen Anklage auch eine Aufforderung zum mutigen Handeln, eine Aufforderung, sich nicht einfach mit beklagenswerten Zuständen abzufinden. Hedi Schmuki, die seit der Gründung bei der Freien Bühne Schafisheim mitwirkt und die in der Rolle der «irren» Aurélie glänzt und bezaubert, hat diese Facette des Stückes insbesondere zugesagt: «Wenn jemand den Mut dazu aufbringen kann, etwas zu ändern, dann kann auch etwas geändert werden. Das wird im Theaterstück gezeigt.»

Die Inszenierung der Freien Bühne Schafisheim weiss auf vielen Ebenen zu überzeugen. Die Darsteller vertiefen sich in ihre Rollen, leben deren Verrücktheiten aus und stellen deren Raffgier zähnefletschend zur Schau. Die schlichten Kulissen fangen das nötige Pariser Flair ein.

Es ist seit jeher der Anspruch der Freien Bühne, mit ihren Inszenierungen das Publikum zum Nachdenken anzuregen. «Wir sind stets auf der Suche nach gehaltvollen Stücken mit Tiefgang», sagt Regisseur Cornelis Rutgers. «Natürlich würden wir mit unseren Stücken gerne etwas bewirken und die Besucher aufrütteln.» Nach dem Theaterbesuch ist eines sicher: Mit der «Irren von Chaillot» ist die Freie Bühne Schafisheim ihrem Anspruch gerecht geworden.

Aufführungen "Die Irre von Chaillot" am Freitag, 10. März, und am Samstag, 11. März, um 19.30 Uhr sowie am Sonntag, 12. März, um 17 Uhr im Saal der Rudolf-Steiner-Schule. 

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