«Ein bisschen Spass muss sein, dann ist die Welt voll Sonnenschein», singt Roberto Blanco in seinem Hit aus den vergangenen Tagen aus voller Kehle. Für die zwei Schlagerfreunde, die sich vor dem Bezirksgericht Lenzburg trafen, haben sich vor bald zwei Jahren jedoch düstere Wolken vor die strahlende Sonne geschoben.

Im September 2013 nämlich schloss Charly*, Präsident eines Vereins für Freunde der Volks- und Schlagermusik und Künstlerfanklubs, sein Vorstandsmitglied Jogi* aus dem Verein aus und teilte dies den 1200 Vereinsmitgliedern in einem Brief mit. Ungetreue Geschäftsführung, so lautete der Grund des Rausschmisses.

Das liess Jogi nicht auf sich sitzen. Jogi ist ein stämmiger Mann mit halblangen gelockten Haaren. Breitbeinig sitzt er vor Gerichtspräsidentin Eva Lüscher und erklärt, weshalb er seine ehemaligen Kollegen wegen Verleumdung verklagt hatte. «Man hat gefunden, ich sei im Weg. Anstatt klärender Worte hat man mich auf diesem Weg einfach entsorgt», klagt er. Nach dem Schreiben des Präsidenten an die Mitglieder habe die Gerüchteküche gebrodelt, Leute hätte ihn angerufen, weil sie annahmen, er hätte Geld entwendet. Dabei habe er als Beisitzer im Vorstand zu keiner Zeit etwas mit Geld zu tun gehabt. «Mir blieb nichts anderes übrig, als zur Polizei zu gehen», verteidigt Jogi sich.

Klage statt klärendes Gespräch

Mehr noch: Jogi war dannzumal dermassen erbost, dass er 2013, schon kurz nach dem Hinauswurf, innerhalb weniger Wochen einen konkurrenzierenden Verein aus dem Boden stampfte und seinem ehemaligen Klub Mitglieder abspenstig machte.

Bald zwei Jahre später scheint bereits wieder etwas Gras über die Sache gewachsen zu sein. Ohne entsprechende Fragen seitens des Gerichts äussert sich der Kläger nun eher differenziert zum Sachverhalt. So mutmasst Jogi, dass «der Vorwurf der ungetreuen Geschäftsführung möglicherweise gar nicht auf dem Mist des Präsidenten gewachsen ist». Gerichtspräsidentin Lüscher lässt ihn reden, wirft dann und wann eine klärende Frage ein. Weshalb er nach einem zwei Monate später folgenden zweiten und klärenden Brief, in welchem der Vorwurf zurückgenommen wurde, trotzdem an der Anzeige festgehalten habe, will sie wissen. Eine halbherzige Sache sei dieses Schreiben gewesen, rechtfertigt sich Jogi, die bei ihm einen schalen Beigeschmack zurückgelassen habe. Im Übrigen habe er die Strafanzeige gegen den Verein gemacht. Wahrscheinlich müsse dies nun halt Charly als Präsident ausbaden.

Versöhnliche Worte

Derweil sitzt der Beschuldigte Charly nur wenige Meter von Jogi entfernt mit seinem Anwalt an einem zweiten Tisch. Ein schlanker Mann mit grau melierten Haaren, gekleidet in eine dunkle Hose und ein helles kariertes Hemd. Aufrecht sitzt er auf dem Stuhl, hält den Kopf immer auf die Gerichtspräsidentin gerichtet, würdigt seinen ehemaligen Weggefährten keines Blickes. Den anfänglichen Beschuldigungen folgen mit der Zeit immer versöhnlichere Töne vonseiten des Klägers. Er hege keine Rachegefühle, deshalb wolle er auch keine Forderungen geltend machen. «Musik und Krieg passen nicht zusammen», sagt Jogi und unterstreicht seine Aussage mit einem heftigen Kopfnicken.

Weshalb genau sich die Gemüter im Verein gegen Jogi richteten, und er, anstelle von gemeinsamem Schunkeln an Schlagerkonzerten, gar zur Persona non grata erklärt wurde, kommt im Verlaufe der Verhandlung gar nicht mehr zur Sprache.

Spende an Hilfswerk

Weil sich Charly bereit erklärt, der von Jogi vorgeschlagenen Institution Nische in Zofingen einen Betrag von 3000 Franken zu überweisen, zieht Jogi die Strafanzeige wegen Verleumdung zurück. Mehr noch: Jogi möchte gar einen Schritt weitergehen und mit Charly die Sache endlich persönlich, am liebsten bei einer Tasse Kaffee, klären. Diese Aussage von Jogi entlockt Gerichtspräsidentin Lüscher ein Schmunzeln. Und sie sagt, dies zu regeln, sei nicht mehr Sache des Gerichts und schliesst bereits nach einer halben Stunde ihren Aktenordner wieder.

Peter Alexander singt: «Sag beim Abschied leise Servus». Und so kommt es, dass sich die zwei Schlagerfreunde beim Verlassen des Gerichts wieder versöhnlich begegnen und die Hand reichen, mit dem Versprechen, den Kaffee nicht kalt werden zu lassen. Die Kosten des Verfahrens werden abgeschrieben. Einen Betrag hat das Gericht nicht festgelegt. Die beiden Hitzköpfe hingegen müssen die Honorare ihrer Anwälte aus der eigenen Tasche berappen.

*Name geändert