Rupperswil

«Wenn ich aufs Dach steige, setze ich den Zylinder auf»

Kaminfegermeister Kurt Fischer hat die neue Ausstellung kuratiert. BST

Kaminfegermeister Kurt Fischer hat die neue Ausstellung kuratiert. BST

Das Dorfmuseum Rupperswil widmet seine neue Ausstellung dem Thema «Von Glück und Russ». Kaminfegermeister Kurt Fischer präsentiert die Arbeit des Kaminfegers früher und heute. Die Vernissage ist am kommenden Sonntag.

«Es steckt immer noch viel Handwerk und Tradition in meinem Beruf drin», sagt Ausstellungskurator Kurt Fischer. Obwohl die Arbeiten und Aufgaben des Kaminfegers in den letzten Jahren vielfältiger geworden sind und sich hin zu einem Beratungs- und Dienstleitungs-Unternehmen in der Heizungsbranche bewegt haben.

Das Erscheinungsbild und viele Geräte des «schwarzen Mannes» und zunehmend der «schwarzen Frau» haben sich denn auch während Jahrzehnten nicht verändert. Die Arbeitskleidung ist zwar vom Einreiher mit goldenen Knöpfen durch nach wie vor schwarze, funktionelle Gewandung ersetzt. Zum Russen der Kamine aber dienen immer noch Bockleiter, Stahlrute, Kaminstern (Besen mit Rute) und Kratzeisen. Und Kurt Fischer ist auch der traditionellen Kopfbedeckung treu geblieben: «Immer wenn ich aufs Dach hinaus steige, setze ich den Zylinder auf, das gehört einfach dazu», betont der stolze Meister.

Hiesige Fachleute gestalten mit

Die Reinigungspflicht der Feuerstellen und Kamine wurde von den Brandversicherungen (heute Gebäudeversicherung) anno 1850 eingeführt und der regulierte Markt mit Kreiseinteilung «hat sich bis dato sehr bewährt.» Der von Fischer betreute Kaminfeger-Kreis umfasst 13 Gemeinden. Bis 1993 wurde der Schornsteinfeger vom Aargauischen Versicherungsamt gewählt, seither von den Gemeinderäten auf die Dauer von jeweils vier Jahren. Die dreijährige Berufslehre schliesst mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis. Die Auszeichnung zum eidgenössisch diplomierten Kaminfegermeister sei «eine der schwierigsten Fachprüfungen», beteuert der Titelträger, zum Meister wird man(n) via Modelllehrgänge ausgebildet. Der Nachwuchs rekrutiere sich, vor allem im ländlichen Gebiet, durch «Anschauungsunterricht» in der Praxis. Fischer jedenfalls ging es so: Schon als Drittklässler war das sein Berufsziel, sein Vorbild der Othmarsinger Kaminfeger, «weil er immer so zufrieden wirkte, Sprüche machte und mir jeweils eine schwarze Nase verpasste.» Fischer beschäftigt acht Mitarbeitende, davon die Hälfte Frauen.

Die neue Ausstellung in «Geisse-Emmis Bauernhaus», so Kommissionspräsident Bernhard Stüdli, setzt die Serie von handwerklichen Berufen fort; sie wird jeweils von ortsansässigen Fachleuten mit Original-Objekten gestaltet. Aus Fischers Fundus sind restaurierte historische Ofenaufsätze wie «Tambouren» und «Vulkane», Kanonenöfeli, Gussöfeli, «tragbare» Kachelöfen, Werkzeuge und Bekleidung sowie Meisterbriefe, ergänzt mit Illustrationen und Figuren zu sehen, aber auch neuzeitliche Geräte, wie sie der Kaminfeger heute zur Kontrolle für Heizungen mit Öl, Gas, Holz, Kohlen und Schnitzeln verwendet. Er ist zuständig als Berater von ökologischen und energetischen Verwendung aktueller Brennstoffe und nimmt Neuanlagen ab.

Der Glücksbringer

Und ins «Pflichtenheft» von Kurt Fischer gehört schliesslich auch das herkömmliche Symbol des Kaminfegers als Glücksbringer. Dieser Ruf sei dem «schwarzen Mann» wohl dereinst zugefallen, weil er die feuergefährlichen Strohdachhäuser und ihre Bewohner vor Feuer und Schaden bewahrte. Heute besucht Fischer in dieser Eigenschaft Hochzeiten, diverse Events und an Silvester macht er regelmässig eine Rundfahrt mit Velo, Wägeli und Glühwein-Öfeli durch «seine» Gemeinden: «Zu unseren Traditionen müssen wir extrem Sorge tragen».

«Von Glück und Russ» im Dorfmuseum Rupperswil. Vernissage am 12. April, 11 Uhr. Die Ausstellung ist geöffnet jeweils Sonntag von 10–12 Uhr am 3. Mai, 17. Mai, 7. Juni, 5. Juli, 2. August, 9. August, 6. September, 4. Oktober (Saisonschluss).

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