Schloss Hallwyl

Wenn Edelfrauen über den Laufsteg stolzieren – der Textil-Monat lässt frühere Kleiderstile aufleben

Sigonia von Rotenstein

Sigonia von Rotenstein

Im Oktober dreht sich auf Schloss Hallwyl alles um die frühere Textilindustrie im Aargau. Wer möchte, darf dabei auch seine handwerklichen Fertigkeiten eigenhändig unter Beweis stellen.

Welche Garderobe trug Margaretha von Savoyen um 1200? Wie war Sigonia von Rotenstein gewandet, die ihrem Gatten, Dietrich von Hallwyl, sieben Kinder gebar? Wie hat sich die Mode zwischen Franziska Romana von Hallwyl und Julie von Effinger in ihren Jugendjahren im 19. Jahrhundert verändert?

Kleider widerspiegeln den Zeitgeist. Das ist heute so und war früher nicht anders. «Kleider erzählen Geschichten der jeweiligen Epoche», sagt Gabriela Gehrig. Zusammen mit Vera Tramer und Sarah Smolka ist sie bei Museum Aargau für die kommende Sonderausstellung «Baumwolle im Berner Aargau» verantwortlich. Auf Schloss Hallwyl geht es vom 1. Oktober bis zum 1. November ums Spinnen, Weben und ums Drucken. Die historische Modeschau am 1. Oktober ist der Startschuss dazu. «Auf dem Laufsteg erzählen wir zehn Kostüm-Geschichten vom 1. bis ins 20. Jahrhundert», erzählt Gehrig: Römische Legionäre schreiten in klirrenden Rüstungen über die Bühne, edle Gräfinnen aus dem Hochmittelalter zeigen ihre Roben, vornehme Junker aus der Renaissance geben sich die Ehre.

Der Aargau spielte auf dem Weltmarkt mit

«Mit der historischen Modeschau starten wir den Textil-Monat mit dem fertigen Produkt. In der Ausstellung kann man erfahren, wie die Stoffe entstanden sind», erklärt Gehrig. Mit originalen Geräten macht die Schau die erste Aargauer Industrie zum Thema. «Feine Fäden, Spulen und Tausende fleissige Hände bildeten vor 300 Jahren den Auftakt zur Industrialisierung im Aargau», hält die Ausstellungsorganisatorin dazu fest. Die Sonderausstellung zeigt, wie die Baumwolle in den Aargau kam, welche Arbeitsbedingungen in den Aargauer Fabriken und in der verbreiteten Heimarbeit herrschten, und wie eng die lokale Geschichte tatsächlich mit der Weltgeschichte verknüpft war. So ist zu erfahren, wie bitternötig viele Tagelöhnerfamilien das mit dem Spinnen, Spulen und Weben von Baumwolle verdiente Zubrot tatsächlich hatten. Es werden öffentliche Führungen durch die Ausstellung angeboten.

Wer will, kann seine handwerklichen Fertigkeiten eigenhändig unter Beweis stellen. An sechs Nachmittagen können ­Besucherinnen und Besucher in der Druck-Werkstatt mit historischen Druckstöcken der Textildruckerein Suhr selber Baumwollbeutel oder eine Tasche bedrucken.

«Ladys First» exklusiv für Damen

Den Abschluss des Textil-Monats macht ein Interview mit der Künstlerin Vera Staub. In ihrem Kunsthaus in Göschenen im Kanton Uri arbeitet sie mit Stein, Malerei auf Papier und Textil. Im Rahmen der Gesprächsreihe «Ladys First» ist Vera Staub am 30. Oktober zu Gast bei Angela Dettling, stellvertretende Direktorin von Museum Aargau. Der Abend ist exklusiv für Frauen reserviert. Hingegen ist die Installation «Zwiespielt» der Künstlerin während der gesamten Ausstellungsdauer im Schlosshof allen zugänglich.

Der Textilmonat Oktober auf Schloss Hallwyl ist Teil der Wanderausstellung «Spurensuche zu den Anfängen der Baumwolltuchindustrie im Berner Aargau». Entstanden ist sie im Rahmen des kantonalen Themenjahres «Zeitsprung Industrie». Für das Projekt spannten Museum Aargau mit dem Schloss Hallwyl zusammen mit der Historischen Vereinigung Seetal und Umgebung und dem Verein Hansjakob-Suter-Sammlung.

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