Fahrwangen
«Wenn du es willst, ich kack duss»: Läsi-Huus feiert mit Zufalls-Poesie

Zum Jubiläum des Läsi-Huus übten sich Gemeindeammann und drei weitere Kandidaten als Poeten und schrieben über Wikinger-Autos und Ameisen ohne Bär.

Marina Bertoldi
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Schenkt seiner Angebeteten einen Kaktus statt Blumen: Gemeindeammann Patrick Fischer beweist sich als Icon Poet.

Schenkt seiner Angebeteten einen Kaktus statt Blumen: Gemeindeammann Patrick Fischer beweist sich als Icon Poet.

Marina Bertoldi

«Weil ich mit meinem Wikinger-Auto eine Ente überfahren habe, konnte ich das Buch leider nicht rechtzeitig zurückbringen», sagt Patrick Fischer. Der Ammann steht im Läsi-Huus in Fahrwangen. In seiner Hand hält er aber kein Buch, sondern einen Schreibblock. Darauf hat er innerhalb von drei Minuten eine Geschichte gekritzelt. Ebendiese trägt er nun den rund 50 Gästen vor. Sie alle sind gekommen, um das Bibliothek-Jubiläum zu feiern.

«Wir haben gleich mehrere Gründe zum Anstossen», sagt Bibliothekarin Monique Cecuta strahlend. Vor genau 30 Jahren konnte man im Läsi-Huus das erste Buch ausleihen. Erst vor kurzem hat die Bibliothek ausserdem den Anerkennungspreis des kantonalen Bibliothekspreis gewonnen. Deshalb hat sich das Team etwas Besonderes einfallen lassen: ein Duell der Poeten, genannt «Icon Poet».

Vier Kandidaten haben sich bereit erklärt, ihr Schreibtalent unter Beweis zu stellen: der ehemalige Lehrer Heinz Deubelbeiss, Kindergärtnerin Claudia Baumann, Diakon Andreas Müller und Gemeindeammann Patrick Fischer.

In drei Minuten mussten sie zu einer vorgegebenen Szene eine Geschichte schreiben. Die Krux dabei: Fünf zufällig gewählte Symbole müssen darin vorkommen. «Wie kann man zu so etwas nur ja sagen», sagt Patrick Fischer zu seinen Mitstreitern.

Doch dann beginnt auch schon die erste Runde. Spieleentwickler Lukas Frei gibt die Szene vor: «Ihr gebt im Läsi-Huus ein Buch viel zu spät zurück. Was ist eure Ausrede?» Dann würfelt er: ein Kraftprotz, ein Haarföhn, ein Schloss, eine Ente und ein Wikinger. Sofort kehrt Ruhe ein. Alle beginnen zu schreiben. Auch die Zuschauer, denn sie können im Notfall als Joker eingesetzt werden.

«Drei, zwei, eins. Die Zeit ist um», sagt Lukas Frei. Die Gruppe beginnt zu lachen. «Drei Minuten sind unglaublich kurz», sagt Claudia Baumann. Doch die Gruppe schlägt sich tapfer: Kein einziger Joker wird eingesetzt, die Geschichten sind pointiert, poetisch und witzig. Dementsprechend unentschieden zeigt sich das Publikum, welche Geschichte nun die beste sei. «Es sind einfach alle super», sagt eine Frau.

Die letzte Runde entscheidet es dann doch: Die vier müssen einen Heiratsantrag schreiben. «Ohne dich bin ich wie eine Ameise ohne Bär und ein Venti ohne Lator. Für dich sitze ich ab beim Bisle. Und wenn du es willst: Ich kack duss», beendet Gewinner Andreas Müller sein Gedicht und baut damit auch das letzte Icon (Kaktus) in die Geschichte ein.

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