Meitlitage
«Wenn die Trommeln einsetzen, ist es passiert»

Susanne Remund wurde als langjährige Präsidentin in der Meitlisonntagsvereinigung verabschiedet.

Margrit Rüetschi
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Der Meitlisonntag ist zu Ende, es lebe derjenige vom 2012. Dann wird es ein Umzugsjahr sein. Nach langen Jahren wird der Anlass in Meisterschwanden nicht mehr unter der Ägide von Susanne Remund stehen.

Susanne Remund, ehemalige Präsidentin der Meisterschwander Meitli

Susanne Remund, ehemalige Präsidentin der Meisterschwander Meitli

Mit Würde und Pomp wurde das langjährige Vorstandsmitglied am Dreikönigstag von der Generalversammlung verabschiedet. Ein liebevoll kreiertes Ehrenstühlchen stand für sie parat, das indirekt wohl symbolisieren sollte, dass sie sich mit der Zepterabgabe auch ein bisschen zurücklehnen dürfe.

Noch war es aber nicht so weit. Motiviert wie immer nahm Susanne Remund am Donnerstag am fröhlichen Männerfang teil. Mit dem Zirkulieren in den Restaurants präsentierte sie am Sonntagabend in festtäglicher Tracht, mit Vorstand und Tambourinnen, den goldgelb leuchtenden, Fruchtbarkeit verheissenden Meitlisonntags-Eierzopf, der anderntags an die Tanzenden verteilt werden sollte.

Selbstverständlich war die abtretende Präsidentin gestern Montag-Abend mit dem Persiflieren der Dorfgeschehnisse in den Meisterschwander Beizen ebenfalls dabei.

Schon als 16-Jährige mitgemacht

«Es waren wunderschöne Jahre», blickt die 1968 geborene Susanne
Remund zurück. Am 12. Januar 1989 wurde sie als blutjunge Frau in den Vorstand gewählt, ab 1999 stand sie der Vereinigung als Präsidentin vor.

Die abtretende Präsidentin ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass die Meisterschwanderinnen den unheilbaren Meitlisonntags-Virus bereits
in ihrer Jugendzeit einfangen. «Als Sechzehnjährige durfte ich in einer Hennengruppe, zusammen mit meiner Mutter, bereits als Küken mitmachen», erinnert sie sich.

«Wenn die Trommelwirbel am Meitlidonnerstag einsetzen, ist es für mich passiert», umschreibt sie die Emotionen, von denen bekennende Meitlisonntagsfrauen am Meitlidonnerstag unweigerlich umspült werden. Den Grasbogen schultern und in den Wirtschaften auf Männerfang gehen, verheissen die elektrisierenden Trommelschläge nach der Generalversammlung.

Mitverantwortlich für die Umzüge

Ein Dutzend Jahre lang war Susanne Remund mit dem Vorstand und den Verantwortlichen aus Fahrwangen dafür besorgt, dass der Karren auch in den Umzugsjahren lief. Sujets aushecken, mit den Quartierfrauen in Kontakt stehen, Wagen begutachten, war da angesagt.

«Ich habe immer wieder gestaunt, was die Frauen mit minimalem Budget auf die Beine gestellt haben», lobt sie. Den Vorarbeiten zum Umzug kann sie viel abgewinnen. «Mit den regelmässigen Treffen kommt auch der soziale Aspekt nicht zu kurz», weiss sie. Auch die Herren der Schöpfung zieht sie in ihr Lob ein. «Ganz ohne die Hilfe der Männer geht die Chose auch bei den Meitlisonntagsfrauen nicht», präzisiert sie.

Im Aargau sind zwöi Liebi

In guter Erinnerung bleiben Susanne Remund, neben der «normalen» Abfolge der Meitlitage, die Teilnahme an Brauchstumsumzügen in Deutschland und in der Schweiz. Neben dem Unspunnenfest in Interlaken bleibt ihr etwa die Teilnahme am Eidgenössischen Schützenfest in Aarau im letzten Jahr in guter Erinnerung.

Als einen der Glanzpunkte in ihrer Karriere wertet sie die Teilnahme der Meitlisonntagsvereinigung an der
Expo.02. «Mit der Einbettung in die legendäre Liebesgeschichte zwischen zwei Baggern (‹Im Aargau sind zwöi Liebi›) konnten wir unseren Brauch in der ganzen Schweiz und auch im Ausland ins allerbeste Licht rücken», ist sie glücklich.

Wieder ein gewöhnliches «Meitli»

Mit der Verabschiedung aus Vorstands- und Präsidentinnenwürde ist es mit der Meitlizeit für Susanne Remund noch lange nicht vorbei. «Auch in Zukunft werde ich, allerdings als ganz gewöhnliches ‹Meitli›, am alten Seetaler Brauch teilnehmen», versichert sie.

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