Lenzburg / Wynental
Wenn Dichter mit knappen Worten Bilder malen

Zwei Autoren aus dem Wynental lasen im Aargauer Literaturhaus aus ihren lyrischen Werken vor und liessen einen Blick in ihre Dichterwerkstatt zu.

Peter Weingartner
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Brigitte Fuchs und Markus Kirchhofer im Literaturhaus Aargau.

Brigitte Fuchs und Markus Kirchhofer im Literaturhaus Aargau.

wpo

«Tanz auf dem Wasser» – unter dieser Affiche stand die Veranstaltung des Aargauer Literaturhauses in Lenzburg am Dienstagabend. Brigitte Fuchs aus Teufenthal und Markus Kirchhofer aus Oberkulm stellten Kostproben aus ihrem lyrischen Schaffen vor. Literaturkritiker und Publizist Martin Zingg moderierte die Veranstaltung.

«Gibt es etwas, das kein Bild, nur das Gedicht kann?», fragte Martin Zingg die beiden Schreibenden. Brigitte Fuchs ist gestalterisch tätig, Markus Fuchs fotografiert, was ihre Affinität zur bildenden Kunst zeigt. «Das Gedicht bietet mehr gedanklichen Spielraum», sagt Fuchs. Je nach Gestimmtheit und Lebenssituation der Leser habe ein Text einen anderen Klang und mache verschiedene Interpretationen möglich. Worte lassen Bilder entstehen.

Dem pflichtet Markus Kirchhofer bei: «Ich komme vom Haiku her; da wird nicht reflektiert, sondern mit Bildern gearbeitet.» Kurze, offene Bilder, mit Leerstellen. Und die wollen vom Leser gefüllt werden. Im Gedicht «eisfischen» beschreibt er seine Spracharbeit: ködern/ im unsichtbaren/ horchen/ in die tiefe/ hoffen/ auf die gnade/ auf das glück/ ab und zu zweifeln/ trägt das eis?/ der fang!/ wegschneiden, abschuppen/ ausnehmen, filetieren/ am gletschertisch/ abschmecken/ anrichten.

Gedicht oder Prosa?

«Wie entscheidet sich, ob aus einem Schreibimpuls ein Gedicht oder ein Prosatext wird?» Martin Zingg liess das Publikum in die Dichterwerkstatt blicken. Brigitte Fuchs setzt eine erste Wendung und schaut, was sich daraus entwickelt. Gedicht oder Geschichte. «Sie mögen keine geschwätzigen Gedichte», sagte Zingg und Fuchs bestätigte. Das Gedicht «Licht» lässt erahnen, woraus sie schöpft: Licht ist nicht erst Licht, wenn es blendet/ sagt der Dichter der sich seit jeher/ gern an seinen Schatten lehnt/ und in beharrlichen Entwürfen aufschreibt/ was ihm das Gedankendunkel hin und/ wieder wundersam erhellt.

Knappheit ist Programm in den Haikus, die Fuchs und Kirchhofer schreiben: 17 Silben. Die strenge Form gebe Halt, sagt Kirchhofer, nun werde er freier, Fünfzeiler, längere Gedichte. Dennoch: «Mich fasziniert, was auf 17 Silben zu sagen ist», im Wissen darum, dass allein in Japan jährlich mehr als eine Million Haikus geschrieben würden.

«Für mich wars fast zu viel auf einmal», meinte eine Zuhörerin beim Apéro. 45 dichte Texte, unzählige Bilder. Markus Kirchhofer weiss um die Problematik. Darum hat er seine kurzen Texte zweimal gelesen. Wer die Gedichte in Ruhe wirken lassen will, konnte sich am Büchertisch die Bücher erstehen.