Lenzburg
Wenn der Sohn den Hof übernimmt – heute können Häuslers über die nicht nur einfache Zeit lachen

Seit Sohn Lukas Häusler den Hof übernommen hat, können die Häusler auf ihrem Gut hinter dem Gofi über ihre Unterschiede lachen. Bei einem Gespräch im Müllerhaus haben sie von ihrer Gratwanderung der Generationen erzählt.

Isabelle Schwab
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Obwohl sehr unterschiedlich, verlief das Gespräch zwischen Vater und Sohn harmonisch: Arthur Häusler mit Sohn Lukas und Moderatorin Christine Büchli.

Obwohl sehr unterschiedlich, verlief das Gespräch zwischen Vater und Sohn harmonisch: Arthur Häusler mit Sohn Lukas und Moderatorin Christine Büchli.

Isabelle Schwab

Es sind zwei unterschiedliche Lebenswege, die Arthur und Lukas Häusler gegangen sind. Und doch erzählten Vater und Sohn am Sonntag im Müllerhaus Ähnliches: Beide wollten in ihrer Jugend zuerst einmal weg vom Hof, raus aus dem kleinen Lenzburg, und beide wollten gar nicht unbedingt Landwirt werden.

Es war das erste Gespräch aus der Serie «Lenzburg Persönlich» unter der neuen Leitung von Radiojournalistin Christine Büchli. Zu Gast waren die stadtbekannten Bauern vom Hof hinter dem Gofi. Vater Arthur Häusler hätte es sich gut vorstellen können, Landmaschinenmechaniker zu werden. Doch ganz einfach sei das damals nicht gewesen. Er musste sich entscheiden. Entweder er wird Mechaniker und verlässt den Hof, oder er bleibt und wird Landwirt. Er entschied sich für Letzteres. «Die Ruhe, hinten am Gofi hat mir immer gefallen», sagt er. Auch heute noch – er lebt mittlerweile im Stadtzentrum – gehört der Hof zu seinen Lieblingsorten.

Zuerst nach Afrika

Sohn Lukas Häusler weiss die Ruhe hinter dem Gofi ebenfalls zu schätzen. Lange sah es aber nicht aus, als ob er den Hof übernehmen würde: «Ich war ein rebellischer Teenager», sagt er und lacht. Nur die Natur interessierte ihn immer. Zuerst wollte er etwas mit Biologie machen, studierte Umweltwissenschaften und entschied sich dann doch für ein Studium zum Agronomen. Eine Zeit lang arbeitete er in Afrika, um dort Feldversuche durchzuführen: «Wir sollten zum Beispiel herausfinden, welche Maniok-Sorte am meisten Ertrag erzielt.» Das Vorhaben habe jedoch im Kontrast zur Denkweise der Afrikaner gestanden: «Den Leuten dort ist der Geschmack der Wurzel wichtiger als der Ertrag.»

In Finnland, wo nur Frauen melken

Auch Vater Arthur Häusler verbrachte in jüngeren Jahren einige Zeit im Ausland: auf einem Landwirtschaftsbetrieb in Finnland. Der Kulturschock war nicht ganz so gross, sagt er, dennoch gab es Unterschiede: «Es war zum Beispiel Tradition, dass nur Frauen die Kühe melken.»

Die Unterhaltung zwischen Vater und Sohn unter der Führung von Moderatorin Christine Büchli verläuft harmonisch. Und doch merkt man, dass sie sich ihrer Unterschiede bewusst sind. So zieht Vater Arthur Häusler seinen Sohn gerne damit auf, dass er, anders als sein Vater, in seiner Jugend nicht viel mit Maschinen anfangen konnte. «Als er mit 29 Jahren das erste Mal mit einem Motormäher gemäht hatte, fand ich das reichlich spät.»

Als das Gespräch auf das Hobby von Arthur Häusler kommt, schlägt der Sohn zurück: «Ich freue mich immer, wenn mein Vater Theater spielt», sagt er, «es ist erstaunlich, was man mit der Körpersprache alles bewirken kann. Und das mit dem Text... Mein Vater spielt meistens Rollen mit wenig Text, ich glaube das passt ihm ganz gut.» Beide lachen. Heute können Vater und Sohn über die Unterschiede hinweg sehen. Auch, weil der Sohn am Ende den Hof übernommen hat. «Das hat uns dazu gebracht, uns noch einmal miteinander zu beschäftigen», sagt Lukas Häusler.

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