Fasten

Weniger isst mehr: Wie man auf feste Nahrung verzichtet

Während des Fastens trinkt Heidi Aeby viel Tee mit selber gesammelten Kräutern.

Während des Fastens trinkt Heidi Aeby viel Tee mit selber gesammelten Kräutern.

Heidi Aeby aus Seon erklärt, wie sie während zwei Fastenwochen ohne feste Nahrung auskommt. Und welche Veränderungen das auf ihren Alltag hat.

Sie fastet seit zwei Wochen. Nimmt keine feste Nahrung zu sich. Und doch schlägt Heidi Aeby vor, sich in einem Café zu treffen. Wo frische Gipfeli auf den Tischen stehen und Versuchungen aus Schokolade und Zuckerguss locken. «Das macht mir überhaupt nichts aus», sagt sie. «Ich kann auch mit Leuten, die essen, an einem Tisch sitzen, ohne selber essen zu wollen.» Als ihre Kinder noch zu Hause wohnten, habe sie jeweils über den Mittag für die Familie gekocht. «Das ist reine Kopfsache», sagt Heidi Aeby.

Heidi Aeby arbeitet als pädagogische Assistentin bei der Rudolf-Steiner-Sonderschule in Lenzburg und praktiziert seit 33 Jahren regelmässig das Vollfasten. «Früher habe ich jeweils eine Woche gefastet. Aber dann habe ich gemerkt, dass es zu wenig war.» Zu wenig Zeit für ihren Körper, um umzustellen. «Nach einer Woche geht es mir richtig gut», sagt sie. Die ersten paar Tage sei sie jeweils ein bisschen schlapp und müde. Dann tritt der positive Effekt des Fastens ein: «Alles fühlt sich leichter an, nicht nur der Körper.»

Es braucht Vorbereitung

Die Vorbereitungen beginnen schon vor der Fastenperiode. Genauso, wie ein Steak nach der Fastenzeit üble Magenschmerzen verursachen kann, soll man nicht abrupt mit dem Essen aufhören. «Drei Tage vorher esse ich weniger, verzichte auf Fleisch.» Am ersten Fastentag wird der Körper entleert. Mit Abführtee und einem pflanzlichen Mittel aus Tibet. «Jeder hat da so seine eigenen Mittelchen.» Früher habe sie Glaubersalz verwendet, aber das sei ihr einfach «zu grusig» gewesen. Auch Gemüsesäfte mag sie nicht. Anfangs hat sie diese noch getrunken, doch jetzt hat sie auf Fruchtsäfte umgestellt. Zum Mittagessen trinkt sie einen frisch gepressten Orangensaft. Verdünnt und abgeseiht. Dazu gibt es eine Gemüsebrühe mit fettfreier Bouillon. «Das Gemüse isst mein Mann.»

Heidi Aeby macht bei der ökumenischen Fastenwoche in Seon mit. Eine Woche lang wird gemeinsam auf feste Nahrung verzichtet. Jeden Abend treffen sich die Fastenden zum Tee und Erfahrungsaustausch. «Und wir tun uns etwas Gutes.» Zum Beispiel eine Art Aromatherapie mit feinen Düften. Denn während des Fastens seien die Sinne besonders geschärft. «Man nimmt alles viel intensiver wahr.»

Bewusster leben

Der Glaube spielt für Heidi Aeby neben dem guten Körpergefühl eine grosse Rolle beim Fasten. «Ich will mich auf das Wichtige besinnen und bewusster leben.» Sie denkt beim Fasten an Menschen, die hungern müssen. «Die Fastenzeit ist für mich ein Schnitt im Alltag, in dem alles im Überfluss zur Verfügung steht.»

Sie habe nur minime Gelüste. Auch Essensgerüche können ihr nichts anhaben, im Gegenteil. Wenn ihr am Bahnhof eine Duftwolke aus dem Kebabstand entgegenschlägt, findet sie den Geruch vom Fett und schweren Essen widerlich. Auch Hungergefühle hat sie keine. Dieses Mal. «Jedes Mal ist fasten anders», sagt sie. Manchmal träume sie von Essen. Wie das Leben im Wachzustand seien auch die Träume intensiver.

Kann der Körper so lange ohne feste Nahrung durchhalten? «Ich könnte problemlos noch länger fasten.» Manchmal werde ihr ein wenig trümmlig. Dann nimmt sie einen Traubenzucker oder gibt etwas Honig in den Tee. Trotz des Wohlgefühls freut sie sich auf das Fastenbrechen. Vorsichtig wird der Körper wieder an feste Nahrung gewöhnt. «Wir kochen zusammen eine Kürbissuppe.» Dazu gibt es ein Brötchen. Zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder etwas zu beissen.

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