Lenzburg

Weil für den Autobahn-Zubringer Kulturland verloren geht, wird der Bach befreit

Bei der ehemaligen Forellenzucht (hinten) fliesst der Föifweiherbach in den offenen Stadtbach.

Bei der ehemaligen Forellenzucht (hinten) fliesst der Föifweiherbach in den offenen Stadtbach.

Der Föifweiherbach wird – auch als ökologischer Ausgleich zum Knotenausbau Neuhof – für 240'000 Franken offengelegt. Man hätte auch in ein Amphibien oder Bäumen investieren können.

Im Wald beim Föifweiher ist es still. Anders beim Autobahnzubringer Neuhof, wo ein Auto nach dem andern über die Strassen braust. Frühestens 2017 soll die Kreuzung ausgebaut werden, dabei geht wertvolles Kulturland verloren. Zum Ausgleich dieses Verlustes müssen ökologische Ausgleichsmassnahmen geschaffen werden: So soll der Föifweiherbach im Gebiet des ehemaligen Forellenhofs zwischen Lenzburg und Ammerswil von seinem engen unterirdischen Dolenkorsett befreit werden. Reichen die finanziellen Mittel, will man Rebbergmauern am Lenzburger Goffersberg sanieren. Für die Ausgleichsmassnahmen stehen im Rahmen des Bauprojekts 240 000 Franken zur Verfügung.

Keine Amphibien

Man hätte das Geld auch in ein Amphibienprojekt oder in das Hochstammförderprogramm investieren können, sagt Christian Brenner, Leiter der Abteilung Tiefbau des Stadtbauamts Lenzburg. Doch könne man nicht alles mit Hochstammbäumen bepflanzen. «Die Offenlegung des Föifweiherbachs wertet die Landschaft auf und fördert die Fortpflanzung von Fischarten und Steinkrebsen.» Diese seltenen Krebse leben bereits heute im Stadtbach, der bei den Stockhöfen in Egliswil entspringt und schliesslich in den Aabach fliesst.

Die Stadt müsste den Föifweiherbach sowieso freilegen. Laut Brenner fordert dies das Gewässerschutzgesetz. Für die Freilegung des Bachs braucht es eine Baubewilligung des Kantons und der Stadt, das Auflageverfahren lief bis am Montag, 16. November. Laut Stadtbauamt ging eine Einwendung ein. 2017 soll das Projekt realisiert werden, zum gleichen Zeitpunkt, wie man den Knotenausbau Neuhof in Angriff nehmen will.

Freilegung auf zwei Abschnitten

So frei wie der Stadtbach heute durch das Tal zwischen Ammerswil und Lenzburg fliesst, soll es der Föifweiherbach auch mal tun: Bei der Munimatt und dem ehemaligen Forellenhof Kieser wird das Gewässer über 200 Meter freigelegt. Heute ist der Bach bis zu einem Meter tief eingedolt und läuft mitten durch Wiesland. Weil man dieses Kulturland bei der Offenlegung nicht zerstören möchte, wird der Bach in zwei Abschnitten um diese Wiese herum geführt: zuerst am Waldrand und später dem Wiesenrand entlang, bis zur alten Forellenzucht. Da fliesst der Föifweiherbach in den bestehenden offenen Stadtbach.

Zweimal, nämlich bei Feldwegkreuzungen, wird das Wasser wieder unterirdisch durch Rohre abgeleitet. Diese lege man mit einer Kiessohle aus, damit sich die Wassertiere auch weiterbewegen können, sagt Christian Brenner. Das Ufer des schmalen Bachs wird steil gestaltet, weil dies der Lebensart der Steinkrebse entspricht. Da, wo das Wasser dem Waldrand entlangfliesst, soll der Waldrand gestuft werden. Ansonsten werden Büsche und Bäume gepflanzt. «Wir wollen den Bach möglichst natürlich fliessen lassen», sagt Brenner.

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