Brunegg
Weil die Gemeinde sparen muss, nimmt sie wieder Asylbewerber auf

Das Asylwesen und der Busfahrplan gaben am Polit-Apéro viel zu reden: Der Kanton erfüllt den Wunsch der Gemeinde für bessere Busverbindungen nach Lenzburg nicht. Dafür werden erstmals seit 2005 wieder Flüchtlinge in Brunegg untergebracht.

Markus Christen
Drucken
Teilen
In Brunegg will man jetzt Wohnraum für Asylsuchende bereitstellen. (Themenbild Keystone)

In Brunegg will man jetzt Wohnraum für Asylsuchende bereitstellen. (Themenbild Keystone)

KEYSTONE

Am Ende des Polit-Apéros vom Donnerstagabend waren die Brunegger etwas konsterniert. Der Kanton erfüllt den Wunsch der Gemeinde für bessere Busverbindungen nach Lenzburg nicht.

Schon seit längerem setzt sich der Brunegger Gemeinderat dafür ein. Der Bus-Fahrplan nach Lenzburg ignoriert nämlich derzeit die direkten Zuganschlüsse nach Zürich und Aarau. Der Kanton argumentiert strikt auf Grundlage der Fahrzeiten.

Ein schwacher Trost für die Brunegger Bevölkerung, wenn man den guten Anschlussverbindungen nur noch nachtrauern kann.

Kein Bus ins Nachbardorf

In Brunegg gibt es zudem keine Busverbindung ins Nachbardorf Birr. Die Reise per Bus und dann per Zug verlangt zweimaliges Umsteigen. Hier wäre – zwar mit viel Geld – etwas zu machen. «300 000 Franken jährlich kostet eine Busverbindung nach Birr», sagte Vize-Gemeindepräsident Remo Müller am Polit-Apéro. Doch dieses Geld hat die Gemeinde im Moment nicht. Das ist für die Brunegger keine Neuigkeit: Sie wissen, dass derzeit an allen Ecken und Enden gespart werden muss.

Wohnung für Asylsuchende

Um Geld ging es auch bei einem weiteren Geschäft: Brunegg beherbergt derzeit keine Asylsuchenden und erfüllt damit die Vorgaben des Kantons nicht. Die Gemeinde zahlt stattdessen eine Ersatzabgabe von 10 Franken pro Asylbewerber und Tag. Diese Ersatzabgabe wird jedoch im kommenden Jahr gestrichen und durch eine massiv höhere Vollkosten-Abgabe zu Handen des Kantons ersetzt. «Das können wir uns nicht leisten», sagte Gemeindepräsidentin Ruth Imholz Strinati am Donnerstagabend. Die künftig zugeteilten Flüchtlinge würden deshalb in einer Wohnung untergebracht, die bis 2005 bereits von Flüchtlingen bewohnt wurde.

Ruth Imholz Strinati, Gemeindepräsidentin: «Es heisst nun, solidarisch zu handeln. Anders ist diese Herausforderung gar nicht zu bewältigen.»

Ruth Imholz Strinati, Gemeindepräsidentin: «Es heisst nun, solidarisch zu handeln. Anders ist diese Herausforderung gar nicht zu bewältigen.»

AZ

Die Gemeindepräsidentin sagt weiter, sie spüre die Bedenken der Bevölkerung – und doch herrschte am Donnerstagabend in der Turnhalle weitgehend Einigkeit. «Es heisst nun, solidarisch zu handeln. Anders ist diese Herausforderung gar nicht zu bewältigen», so Imholz Strinati. Ausgehend vom Gemeindeverband «Lebensraum Lenzburg Seetal» sei deshalb zusammen mit weiteren Gemeinden in der Region bereits eine Arbeitsgruppe Asylpolitik ins Leben gerufen worden.

Erhöhung der Wassergebühren

Ebenfalls keine Einwände meldete die Brunegger Bevölkerung vorgestern Abend gegenüber dem Ansinnen an, eine Landschaftskommission zu gründen. Der Gemeinderat sieht darin «einen wichtigen Schritt für die Entwicklung der Standortattraktivität von Brunegg». Am Polit-Apéro wurden auch die Änderungen im überarbeiteten Erschliessungsreglement vorgestellt.

In diesem Zusammenhang bereitete der Gemeinderat die Bevölkerung auf eine Erhöhung der Wassergebühren vor. Die Sanierung der Kantonsstrasse macht dies notwendig. «Im Vergleich mit anderen Gemeinden liegen wir immer noch unter dem Durchschnitt», erklärt dazu Gemeinderätin Beatrice Zandonella Klingele.

Informiert wurde am Polit-Apéro zudem über eine Kiesabbauverlängerung in den Gebieten Lyri/Unterbändli und Hau sowie die Resultate aus den Workshops zur Gestaltung des Dorfplatzes.

Aktuelle Nachrichten