Niederlenz

Wegen Verdacht auf Corona-Virus: Oberstufenschüler haben schulfrei

Das Schulhaus in Niederlenz.

Das Schulhaus in Niederlenz.

Die Schüler der Oberstufe in Niederlenz müssen heute nicht zur Schule gehen. Grund dafür ist ein Verdacht einer Infektion mit dem Corona-Virus bei der Familie einer Schülerin.

Obwohl es im Aargau nun den ersten bestätigten Corona-Fall gibt, hat sich die Gefährdungslage laut Regierungsrat nicht verändert. Sollten aufgrund der Lageentwicklung weitergehende Massnahmen notwendig werden, würden diese Massnahmen in Abstimmung mit dem Bund besprochen, heisst es in der Mitteilung, welche die Staatskanzlei gestern verschickt hat. Gesundheitsdirektor Jean-Pierre Gallati sagte bereits am Mittwoch, es bestehe keine Notwendigkeit, um beispielsweise Schulen oder öffentliche Einrichtungen zu schliessen oder Veranstaltungen abzusagen.

Einer Schule im Aargau hat sich nicht an diese Einschätzung gehalten. Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in Niederlenz hatten gestern schulfrei, wie «20 Minuten» und Tele M1 berichteten. Schulleiterin Jeannette Egli hat am Mittwochmorgen von einem Verdachtsfall in der Familie einer Schülerin erfahren.

Sie habe dann versucht, Kontakt aufzunehmen, sei aber nicht durchgekommen – auch beim Bundesamt für Gesundheit nicht, erzählt sie im Fernsehbeitrag. Als dann am Mittwochabend bekannt geworden war, dass es im Kanton Aargau einen positiven Ersttest gibt, hat die Schulleitung in Rücksprache mit der Schulpflege entschieden, den Unterricht am Donnerstag zu streichen.

Schulleiterin vermisst eine klare Ansage des Kantons

Dass sich der Verdacht in der Familie der Schülerin nicht bestätigt hat, habe die Schulleitung «erst spätabends» erfahren, sagt Egli gegenüber «20 Minuten». Zu spät, um den Entscheid noch einmal umzukehren. «In diesem Moment wären wir auf eine schnelle Kommunikation und auf eine schnelle Weisung des Kantonsärztlichen Dienstes angewiesen», sagt Egli. Sie kritisiert, dass es keine Weisung vom Volksschulamt, vom Kantonsärztlichen Dienst oder vom Bundesamt für Gesundheit gebe, wie Schulen in solchen Fällen vorgehen sollen.

Das zuständige Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) hat «auf Umwegen erfahren, dass der Unterricht an der Oberstufe in Niederlenz eingestellt war», wie Sprecherin Simone Strub schreibt. «Wir hätten uns auf jeden Fall eine Absprache mit dem Departement BKS oder dem Kantonsärztlichen Dienst gewünscht.» Laut Strub gab es am Mittwochvormittag einen telefonischen Kontakt mit der Niederlenzer Schulleiterin. Es sei ihr mitgeteilt worden, «dass Handlungsbedarf über die direkt betroffene Familie hinaus erst besteht, wenn ein positives Testergebnis vorliegt», schreibt Strub. Die Gesundheitsbehörden würden in einem solchen Fall die Kontaktpersonen ermitteln und über weitere Massnahmen an der Schule entscheiden.

Kanton empfiehlt, auf Händeschütteln zu verzichten

Der Kanton hat auf seiner Website bereits am Mittwoch ein Informationsblatt für Schulen und Kindertagesstätten veröffentlicht. Gestern hat das Bildungsdepartement die Schulen auch noch via Mail orientiert, «um sicherzustellen, dass Schulpflegen und Schulleitungen ausreichend orientiert sind», sagt Strub. Im Schreiben heisst es: «Der Schulbetrieb findet statt. Sollte sich die Lage verschärfen, würden allfällige Schulschliessungen oder andere Massnahmen durch die kantonalen Behörden angeordnet. Lokale Massnahmen sind mit den kantonalen Stellen abzusprechen.»

Das heisst: Schulen sollen nicht in Eigenregie darüber entscheiden, ob der Unterricht stattfindet oder nicht. Stattdessen sollen in den Schulhäusern die Präventionsmassnahmen befolgt werden. Dazu gehört zum Beispiel, das regelmässige Lüften des Klassenzimmers oder auf Händeschütteln möglichst zu verzichten.

Der Fall Niederlenz zeigt auch, dass Schulschliessungen schnell für Verunsicherung sorgen können. Das Telefon der Schulleiterin hat gestern laut Tele M1 ununterbrochen geklingelt, weil sich Eltern Sorgen machten. Im Fernsehbeitrag erzählt eine Frau, sie sei von einem Verwandten angerufen und gefragt worden, ob sie ihren Bruder in Niederlenz in die Schule geschickt habe. «Ich sagte ja, warum? Und er sagte mir, dass er im Internet gelesen habe, dass das Corona-Virus an der Schule Niederlenz ausgebrochen sei.»

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