Schon jahrelang ist Tempo 30 in Seon ein heisses Thema, das mit allen Mitteln der Demokratie bekämpft oder forciert wird. Hätten Sie erwartet, dass Tempo 30 zu einem so langwierigen Thema wird?

Hans Peter Dössegger: Tempo 30 ist nicht nur in Seon ein langwieriges Thema. Vor einem Jahr wurde dem Gemeinderat an der Gemeindeversammlung der Überweisungsantrag überwiesen. Unsere Aufgabe ist es, diesen umzusetzen und am Freitag vorzulegen.

Gegner und Befürworter mobilisieren auch dieses Jahr auf verschiedenen Plattformen. Haben Sie sich die Argumente angesehen?

Nein. Ich probiere, die Gemeindeversammlung möglichst neutral anzugehen. Ich akzeptiere die Argumente aus beiden Lagern, doch meine Aufgabe ist es, in einer fairen Diskussion eventuelle Anträge zu sortieren und zu einem demokratischen Resultat zu kommen. Was weiter passiert, ist offen. Es könnte auch wieder zu einer Urnenabstimmung kommen.

Wie fühlt es sich an, als erste Gemeindeversammlung gleich einen solchen Knüller zu leiten?

Ich werde mich gut vorbereiten, aber es gibt wichtigere Themen, wie zum Beispiel die Gemeindefinanzen. Aber ich verstehe natürlich, dass Tempo 30 für die Bevölkerung ein emotionales Thema ist. Wir werden dies ausdiskutieren und zu einer Lösung kommen.

Zu welcher Lösung?

Wenn Tempo 30 nicht eingeführt wird, kommt es in ein bis zwei Jahren wieder zu einem Antrag. Es wäre wünschenswert, wenn man das Thema am Freitag abschliessen könnte.

Welche Vorteile hat Tempo 30?

Es kommt zu einer Verkehrsberuhigung, es gibt weniger Lärm. Das hat Vorteile für die Anwohner, wird jedoch nicht automatisch alle Probleme lösen.

Was spricht gegen die Einführung von Tempo 30 in den Quartieren?

Im Moment kann ich keine klassischen Gegenargumente vorweisen. Im Dorf höre ich öfter den Einwand, dass es sich nicht lohne, dafür 143 000 Franken auszugeben. Doch der Gemeinderat steht hinter der Vorlage. Wir haben das so vorbereitet. Zudem stehen verkehrsplanerisch noch weitere Projekte an.

Die wären?

Ausser Tempo 30 ist für uns extrem wichtig, dass eine Strategie für das Verkehrsaufkommen realisiert wird. Seon braucht eine Umfahrung, im Richtplan vorgesehen ist eine Nordspange. Wir wollen uns alle auf den Strassen bewegen, da muss man Massnahmen treffen.

Viele Gemeinden in der Region haben Tempo 30 bereits flächendeckend eingeführt oder sind gerade dabei. Wieso sträuben sich die Seoner so dagegen?

Seon ist speziell, die Gemeinde ist ein Nadelöhr für den ganzen Verkehr aus dem Seetal und dem Wynental. In Spitzenzeiten fahren mehr Autos durch Seon als durch den Gotthard. Das führt auch zu viel Schleichverkehr, der die Anwohner belastet. Ob man dieses Problem mit Tempo 30 beseitigt, ist fraglich. Aber das Führen eines Fahrzeugs wird halt vor allem von jüngeren Verkehrsteilnehmern als ein Stück Freiheit angesehen. Durch Tempo 30 fühlen sich diese eingeschränkt.

Weil massiv mehr Stimmbürger – darunter auch viele jüngere – erwartet werden, wurde die Gmeind in die Mehrzweckhalle verlegt.

Genau. Es wäre schön, wenn das immer so wäre. Wir leben ja von der Demokratie.