Seon
Wegen «Tempo 30» in die Mehrzweckhalle

Temporeduktion kommt erneut vor das Volk – Grossandrang an Gmeind erwartet

Janine Gloor
Drucken
Teilen
Die Tempo-30-Debatte in Seon dauert schon lange. (Symbolbild)

Die Tempo-30-Debatte in Seon dauert schon lange. (Symbolbild)

Chris Iseli/ AZ

Die Gemeindeversammlung vom 15. Juni wurde verschoben. Statt wie gewohnt in der Halle 4 findet sie in der Mehrzweckhalle statt. Denn es braucht mehr Platz. Platz für die Seonerinnen und Seoner, die wegen Traktandum 6 an der Gmeind erscheinen werden. Das Thema, welches die Gemeinde seit Jahren beschäftigt: Tempo 30.

Die Geschwindigkeitsreduktion in den Quartieren entspricht dem Zeitgeist. In immer mehr Gemeinden wird sie eingeführt – mit mehr oder weniger grossem Widerstand.

Gontenschwil hat den Entscheid für Tempo 30 in allen Quartieren mit einem Referendum an der Urne gekippt. Und auch in Buchs lehnte das Volk die flächendeckende Einführung von Tempo 30 ab – sie folgt nun sukzessive Quartier für Quartier. Dass es für Tempo 30 nicht reicht, ein paar Schilder aufzustellen, zeigt das Beispiel aus Niederlenz: Die lärmgeplagten Anwohner haben Unterschriften für eine Verkehrsberuhigung durch Tempo 30 gesammelt. Die Gemeinde ist für Tempo 30 auf der Staufbergstrasse, doch noch fehlt es an der Finanzierung sowie an einer gut durchdachten Verkehrsleitung.

Die Tempo-30-Debatte in Seon dauert schon lange: Die jüngsten Stimmbürger und Autofahrer an der kommenden Gemeindeversammlung waren gerade mal elf Jahre alt, als die flächendeckende Einführung von Tempo 30 zuerst an der Wintergmeind 2011 und später auch in einer Referendumsabstimmung abgeschmettert wurde. An der Sommergmeind im letzten Jahr führte das Thema erneut zu langen Diskussionen. Lang ist auch die Webereistrasse, die stets im Zentrum der Debatte steht. Denn die Diskussionen an der Gmeind vor einem Jahr betrafen ebenfalls die Webereistrasse, 2016 wurde an der Wintergmeind ein Überweisungsantrag für die Einführung von Tempo 30 an der Webereistrasse und am Breitenweg überwiesen und zugunsten eines Antrags für die quartiermässige Einführung abgelehnt. Ein Tempo-30-Konzept der Aarauer Firma Ballmer + Partner AG schätzt die Gesamtkosten für eine Umrüstung der Strassen auf 143'000 Franken.

Änderungsantrag angekündigt

Wie als Aufwärmung für die Gemeindeversammlung haben die Diskussionen im Gästebuch auf der Website der Gemeinde bereits begonnen. Wiederum steht die Webereistrasse im Vordergrund. Sie führt von der Seetalstrasse ins Industriegebiet. Ein Seoner schlägt vor, sie aus dem Tempo-30-Konzept herauszunehmen. Der Schreiber kündigt an, an der Gemeindeversammlung einen Antrag auf Abänderung des gemeinderätlichen Antrags zu stellen.

Da sich an ihrem Ende viele Arbeitsplätze befinden, gelte sie als Sammelstrasse und die Anwohner müssten mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen rechnen. Eine Anwohnerin argumentiert, die Strasse sei sowieso zu eng, um als Sammelstrasse zu gelten. Zudem würden die vielen Rechtsvortritte zügiges Fahren verhindern. «Die Strassen haben wir für den Verkehr gebaut», schreibt ein Diskussionsteilnehmer.

Auch auf der Website der IG Verkehrssicherheit sowie in der Facebook-Gruppe gegen Tempo 30 machen die Mitglieder so kurz vor der Gmeind nochmals kräftig mobil. Da werden Unfallstatistiken zitiert, Trottoirbreiten diskutiert und Lärmemissionen verglichen. Ob dieser in Seon zukünftig mit 50 oder 30 Stundenkilometern durchs Quartier rollen wird oder ob die Seoner weiterhin von ihren demokratischen Rechten Gebrauch machen werden, zeigt sich am 15. Juni in der Dreifachturnhalle, Start der Einwohnergemeindeversammlung ist um 20 Uhr.

Aktuelle Nachrichten