Ob für Hündeler, Jogger oder Spaziergänger: Der Wald zwischen der Hermenegge und dem Autobahnzubringer Lenzburg hinter dem Sportplatz Altfeld in Niederlenz ist seit Jahrzehnten ein beliebter Naherholungsort. Ein Weg führt entlang einem malerischen Waldrand. Viele Äste strecken sich jedoch zu sehr der Sonne entgegen und halten den Mindestabstand zur Stromleitung, die den SBB gehört, nicht mehr ein. Deshalb müssen nun zahlreiche Bäume gefällt werden.

«Es geht um Sicherheit», sagt Markus Dietiker von den Forstdiensten Lenzia. Er leitet die Holzerei im Auftrag der SBB. Seit über zwanzig Jahren habe es an besagter Stelle keine nennenswerte Holzerei gegeben. Viele Bäume seien schräg in Richtung Gehweg gewachsen. Bei einem Sturm oder infolge Pilzbefall drohen diese nun umzukippen und auf die Hochspannungsleitung zu fallen. So können Stromausfälle ausgelöst werden. Einzelne Äste können ausserdem die Leitung berühren, was zu Funkensprung führen kann.

Waldstück ist Eichenreservat

Betroffen sind rund 700 Meter Waldrand. Auf der Strecke stehen drei Strommasten. Wann immer möglich wollen die Forstdienste Lenzia die Bäume nicht fällen, sondern bloss aufasten. Besonders die Eichen sollen geschützt werden. Das Waldstück gehört zu einem Eichenwaldreservoir. Trotzdem werden rund 150 Bäume dran glauben müssen, schätzt Markus Dietiker – darunter auch einige Eichen. Markus Dietiker rechnet mit insgesamt 250 Kubikmetern Holz, die später zu Hackholz verarbeitet werden. In besagtem Gebiet stehen auch sogenannte himmlische Eichen, die zum Waldfriedhof des Forstbetriebs gehören. Bäume, die reserviert sind, werden aber nicht gefällt.

Die Holzerei findet während zweier Wochen vom 15. bis 26. Oktober statt. In dieser Zeit ist der Weg entlang dem Waldrand sowie der Trampelpfad innerhalb des Waldes gesperrt. Die Kosten tragen die SBB. Da es sich um ein Lenzburger Waldstück handelt, führen die Forstdienste Lenzia die Holzerei durch. «Wir vom Forstbetrieb haben eigentlich kein Interesse daran, die Bäume zu fällen», sagt Projektleiter Markus Dietiker. Der Sicherheitsaspekt leuchte aber ein.

Willi Bürgi, Präsident der Landschaftskommission Niederlenz, kennt den Waldrand seit Kindertagen. «Er ist ein Bijou», sagt er. Die Holzerei tue der Seele natürlich weh. Man müsse jedoch dafür und dawider abwägen. Wenn wegen eines einzelnen Baumes eines Morgens der gesamte Schienenverkehr der Region lahmgelegt würde, wäre dies unverhältnismässig.

Für den Wald sehen Markus Dietiker und Willi Bürgi sogar einen Vorteil: Durch die Holzerei hätten kleinere Bäume und neue Arten eine Chance. Markus Dietiker sagt: «Viele Stöcke werden schnell wieder austreiben. Innerhalb weniger Jahre kann wieder ein ähnliches Waldrandbild entstehen.»