2005 schien es ihnen so richtig gut zu gehen. Jedenfalls konnten sie im Fallenacker in Othmarsingen einen spektakulären Neubau mit dem Aussehen zweier übereinanderliegenden Goldbarren errichten lassen. Mit Gold hatte auch ihr Business zu tun.

Unter anderem mit dem angeblichen Abbau des Edelmetalls auf einem firmeneigenen Grundstück in Ghana. Doch das Geschäft lief alles andere als glänzend. 2011 ging die Aurex-Gruppe Konkurs. Seit gestern stehen ihre beiden Chefs in Lenzburg vor Bezirksgericht.

Der Prozess dauert aussergewöhnlich lange: drei Tage. Die Anklageschriften sind über 80 Seiten dick, der Staatsanwalt ist mit zwei Assistenten angerückt. Er wirft den beiden Angeklagten gewerbsmässigen Betrug, Urkundenfälschung und Misswirtschaft vor. Die Strafanträge werden bei fünf und acht Jahren liegen. Was die beiden amtlichen Verteidiger, unter anderem Nationalrat Luzi Stamm, beantragen werden, ist noch nicht bekannt.

12 Millionen Franken ertrogen

Dank eines hochkomplizierten, schier weltumspannenden Firmengeflechtes, einer Menge von Fantasiebuchungen und Bilanzierungstricks war es den Angeklagten gelungen, ihre teils renommierten Revisionsgesellschaften zu täuschen.

Und sie vermochten Anleger dazu zu bewegen, ihnen mindestens 12 Millionen Franken zu überlassen. Die Investoren wurden laut Staatsanwalt mit «grosssprecherischen Werbeunterlagen», «glänzendem Briefpapier» und der «goldfarbenen Liegenschaft» angelockt. Anschliessend mit traumhaften Zinsen (um die 10 Prozent) geködert und mit ersten Auszahlungen (wie bei einem Schneeballsystem) bei der Stange behalten.

Zu den Geschädigten gehören auch belgische Grosskriminelle, die einen Teil ihrer Beute bei den Othmarsinger Goldschürfern investierten. Dieser Geldfluss ist aber nicht Teil des Prozesses in Lenzburg.

Die Aurex-Gruppe hätte laut Staatsanwalt bereits 1999 mangels Aktiven in Konkurs geschickt werden müssen. Die Goldvorräte unter dem Grundstück in Ghana seien «eine blosse Schätzung der Beschuldigten» gewesen. Und mit dem Goldabbau sei trotz angeblicher Millioneninvestitionen über zwölf Jahre lang nicht begonnen worden.

Comeback als Diamantenschürfer?

Von den Posturen her könnten die beiden Angeklagten Besucher einer Bauernversammlung sein. Der Ältere, ein heute 66-jähriger AHV-Rentner, hat einen schillernden Lebenslauf: Er wurde 2006 ein erstes Mal wegen gewerbsmässigen Betrugs verurteilt.

In den neunziger Jahren habe er beim Aufbau eines Geschäftes in Russland seinem Partner zu stark vertraut, erklärte der Mann, der seine berufliche Laufbahn mit einer kaufmännischen Lehre begonnen und es bis zum Abteilungsleiter bei einer Bank geschafft hatte.

Nach dem Aurex-Zusammenbruch zog es ihn nach Afrika: In Sierra Leone baute er zusammen mit seiner russischen Frau und seinem Sohn ein Diamantenförderungsprojekt auf – und hatte, so sagt er, wieder Pech. Wegen der Ebola-Seuche stehen die Maschinen still.

Hochverschuldet pensioniert

Heute hat er 1,8 Millionen Franken Schulden und lebt, wieder zurück im Aargau, von der AHV. Der Sohn ist ganz, die Frau teilweise arbeitslos.

Der zweite Angeklagte trug gestern bei der Verhandlung ein gelbes (goldenes?) Hemd. Der Familienvater begann als Verkäufer und schaffte es bis zum Verkaufsleiter. In den guten Jahren pflegte er das Golfspiel.

Abgesehen von mittelschweren Verkehrsdelikten ist seine Weste rein. Er versucht mit zwei Webshops beruflich wieder Fuss zu fassen. Mit der Polizei hat er es auch zu tun, weil seine Pistole für ein Tötungsdelikt (an dem er nicht beteiligt war) verwendet wurde.

Das Urteil erfolgt frühestens am Donnerstag.