Beinwil im Freiamt
Wasserleitungen aus Holz: Widerstandsfähiger als man denkt

Bei der Neugestaltung eines Parkplatzes kam in Beinwil/Freiamt eine Wasserleitung aus Holz ans Tageslicht. Sie dürfte bis 130 Jahre alt sein. Die Herstellung solcher Rohre erforderte grosse Handwerkspräzision.

Eddy Schambron
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Michi Wiederkehr (vorne) und Philipp Galizia bergen in Beinwil die gegen130 Jahre alte Wasserleitung aus Holz. Eddy Schambron

Michi Wiederkehr (vorne) und Philipp Galizia bergen in Beinwil die gegen130 Jahre alte Wasserleitung aus Holz. Eddy Schambron

Es ist nicht die erste Wasserröhre aus Holz, die bei Grabarbeiten in Beinwil/Freiamt ans Tageslicht kam. Aber eines der Rohre, auf die Michi Wiederkehr und Philipp Galizia, Angestellte des Gartenbauunternehmens Stutzer, beim Restaurant Rössli stiessen, ist rund vier Meter lang. «Da musste damals das sehr gerade gewachsene Holz schon sehr präzise durchgebohrt werden», sagt Gemeindeschreiber Erhard Huwyler.

Die Holzleitungen wurden jetzt gesäubert. Sie werden selbstverständlich aufbewahrt – vielleicht kann man sie dereinst in einem Ortsmuseum zusammen mit anderen Fundsachen aus der Gemeinde besichtigen. «Das ist schon ein alter Wunsch.»

100 bis 130 Jahre alt

In Beinwil sind schon früher immer wieder Zeitzeugen an die Oberfläche gekommen. «Wir halten immer ein Auge darauf», erklärt Huwyler, selber sehr geschichtsinteressiert. Für ihn war der Fund der hölzernen Wasserleitung keine Überraschung. «In diesem Gebiet sind wir früher schon auf solche Rohre gestossen.»

Er schätzt die Leitung 100 bis 130 Jahre alt. Sie ist, obwohl ein paar morsche Stellen zu sehen sind, gut erhalten. Nach der Reinigung wird sie jetzt eine Zeitlang im Werkraum der Gemeinde trocken gelagert und dann archiviert – mangels Gelegenheit nicht öffentlich zugänglich. Sie passt natürlich nicht in den Schaukasten auf der Gemeindekanzlei, in dem andere Zeugen der Dorfvergangenheit zu bewundern sind.

Die Herstellung solcher Holzwasserrohre erforderte viel handwerkliches Können. Die Bohrer hatten etwa zwei Meter Länge. Der frische Holzstamm wurde von beiden Seiten genau im Kern angebohrt, zuerst mit schmalen, dann mit breiteren Bohrern. Bei der Stammstärke von rund 20 Zentimetern waren viel Geschick und Genauigkeit notwendig, damit sich die beiden Bohrungen mittig trafen – nicht zuletzt, weil das Holz Verwachsungen aufweisen konnte. Die Verbindung der Einzelröhren erfolgte mit einem geschmiedeten Eisenring, der in das Stirnholz der beide Rohrenden eingeschlagen wurde.