Das «Storchenäscht» schliesst im Dezember seine Tore. Das erklärte vor kurzem die Gründerin des ältesten Geburtshauses der Schweiz Doris Erbacher. Es gebe keine Nachfolgerin, die das «Storchenäscht» in Othmarsingen weiterführen möchte, sagte die 71-jährige Hebamme.

Jetzt wird bekannt: «Frauen können nach dem Ende des ‹Storchenäscht› weiterhin im selben Haus gebären», sagt die Besitzerin der Liegenschaft Anita Hilario. Sie wird im Januar dort ihre eigene Hebammenpraxis eröffnen.

Ein Blick zurück: Schon 2011 stand das einzige Aargauer Geburtshaus vor dem Aus. Doch das «Storchenäscht» schaffte es auf die neue Spitalliste, und mit Anita Hilario fand Gründerin Doris Erbacher eine Nachfolgerin, die auch gleich ein Haus in Othmarsingen kaufte, wo die Frauen seit 2012 gebären können. Denn das «Storchenäscht» hatte seine Räumlichkeiten in Lenzburg verlassen müssen, da das Gebäude einem Wohn- und Geschäftshaus wich.

2018 gab Hilario die Co-Leitung ab. «In gegenseitigem Einvernehmen», sagt sie. Als sie die Leitung zusammen mit Doris Erbacher übernommen habe, sei sie mit 27 Jahren noch sehr jung gewesen und habe nach einiger Zeit selber eine Familie gründen wollen. «Alles unter einen Hut zu bringen, war schwierig.» Hilario blieb aber als Hebamme im Geburtshaus.

Neue Praxis ist nicht mehr auf der Spitalliste

Anita Hilarios neue Hebammenpraxis «New Life» wird im Gegensatz zum «Storchenäscht» nicht mehr auf der Spitalliste sein, weshalb es auch kein Geburtshaus mehr sein wird. «Nur schon die damit verbundene Bürokratie würde eine Vollzeitstelle beanspruchen», sagt Anita Hilario. «Das Angebot in meiner Praxis wird aber ähnlich sein wie im jetzigen ‹Storchenäscht›.» Von der Schwangerschaftskontrolle über Akupunktur, Geburstvorbereitung und Wochenbettbetreuung bis zu ambulanten und stationären Geburten vor Ort.

Die werdenden Eltern können weiterhin ein Familienzimmer für mehrere Nächte buchen. Sie müssen dafür aber neu selber aufkommen. Die Grundversicherung zahlt zwar nach wie vor einen Teil der Kosten der Schwangerschafts-Angebote und die Geburt. Wenn die Frauen aber das stationäre Wochenbett im Familienzimmer in Anspruch nehmen wollen, zahlen sie die 300 Franken pro 24 Stunden aus der eigenen Tasche.

Nur noch ein Familienzimmer statt drei

Im Gegensatz zum bald schliessenden «Storchenäscht» wird Anita Hilario ihre Praxis in einem kleineren Rahmen aufziehen und kann deshalb auch weniger schwangere Frauen annehmen. So reduziert sie die Anzahl der Familienzimmer von drei auf eines, das Einzelzimmer gibt es in ihrer Praxis nicht mehr.

Einen grossen Teil des heutigen «Storchenäscht» wird Anita Hilario neu mit ihrer Familie bewohnen, ein kleiner Teil der Räume nutzt sie für die Praxis. Ihre bisherige Wohnung im anderen Teil des Gebäudes wird sie vermieten. Sie wird die einzige fixe Hebamme sein. «Mein Mann unterstützt mich, damit ich rund um die Uhr für die Mütter da sein kann.»

Er ist Hausmann, betreut ihre gemeinsamen Kinder und wird auch in der künftigen Praxis gewisse Arbeiten übernehmen, wie beispielsweise die Korrespondenz führen, Zimmer reinigen und Wöchnerinnen im Haus mitbetreuen.

Der genaue Eröffnungstermin steht noch nicht fest, denn zurzeit ist Anita Hilario mit ihrem dritten Kind schwanger. Termin ist Ende September. Darauf folgen 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. «Danach, spätestens wohl Ende Januar geht es los. Sofern es mir gesundheitlich gut geht.»