Kinder lernen bereits im Kindergarten, wie sie sich an einem Fussgängerstreifen richtig verhalten. Auch grosse Kreuzungen sind für sie kein Problem: einfach den Knopf drücken und warten, bis die Ampel grün wird. Doch was tun, wenn das Lichtsignal ausfällt? Genau das ist letzten Donnerstag an der Kreuzung «Freiämterplatz» beim «Malagahaus» passiert. Und das nicht zum ersten Mal, wie eine besorgte Mutter aus Lenzburg der az erzählte.

Sie wohnt mit ihrer Tochter, die im «Angelrain» in die erste Klasse geht, an der Othmarsingerstrasse nahe dem «Hero»-Hauptsitz. Der Schulweg der Kinder aus diesem Stadtteil ist gespickt mit Gefahren. Besonders der Fussmarsch auf dem Trottoir entlang der verkehrsreichen Niederlenzerstrasse und die anschliessende Überquerung der Kreuzung «Freiämterplatz» macht den Eltern Sorgen. Am vergangenen Donnerstag hat hier bereits zum zweiten Mal innert kürzester Zeit die Ampel gestreikt.

Repol war nicht erreichbar

Die Kinder haben wie immer den grossen roten Knopf am Fussgängerstreifen gedrückt und auf Grün gewartet. Doch nichts passierte. Einem Nachbarn der Mutter von der Othmarsingerstrasse war bereits um 7 Uhr morgens aufgefallen, dass die Ampeln nicht funktionierten. Er hat darauf bei der Regionalpolizei Lenzburg (Repol) angerufen, doch dort ging nur das Tonband ran. Das Telefon auf dem Polizeiposten ist erst ab 8 Uhr besetzt. «Als der Nachbar mir das mitgeteilt hatte, habe ich meine Tochter auf dem Schulweg begleitet», erzählt die Mutter. «Am Fussgängerstreifen haben bereits einige Kinder gewartet. Ich habe sie dann über die Strasse geleitet.»

Die Strasse ist an dieser Kreuzung zu Stosszeiten extrem stark befahren und zudem ist die Verkehrssituation sehr unübersichtlich. «Die Autos kommen aus vier verschiedenen Richtungen und haben teilweise ein Höllentempo drauf. Man kann doch von Fünfjährigen nicht erwarten, dass sie mit dieser Verkehrssituation ohne Ampeln zurechtkommen», sagt die besorgte Mutter. «Ist es denn zu viel verlangt, dass die Repol den Verkehr vorübergehend regelt, wenn die Ampeln ausfallen?»

Die Frage der Schulwegsicherheit beschäftigt nicht nur die Eltern, sondern auch die Stadt Lenzburg. Gestern hat Stadtrat Martin Steinmann gemeinsam mit Vertretern der Verkehrskommission, der Repol und des Tiefbauamts einen Bericht zur Verbesserung der Schulwegsicherheit in Lenzburg vorgestellt.

Auslöser dafür war die Neuorganisation der Schulstandorte Lenzhard und Angelrain, mit der sich auch die Schulwege vieler Kinder ändern. Der von der Verkehrskommission erarbeitete Bericht, der den Behörden als Arbeitsinstrument dienen soll, identifiziert die Konfliktstellen und listet Verbesserungsmassnahmen auf. Diese sind «unterteilt in 18 Einzelmassnahmen bei kleineren Konfliktstellen und 23 Verbundmassnahmen, wo komplexere Massnahmen erforderlich sind oder kantonale Behörden oder benachbarte Gemeinden tangiert sind», heisst es im Bericht.

Gut ein Jahr nach Erstellung des Berichts wurden bereits einige Massnahmen umgesetzt. So wurden beispielsweise 17 Fussgängerstreifen mit dem blauen Signal «Standort Fussgängerstreifen» ausgerüstet. Der vollständige Bericht wird ab morgen auf der Homepage der Schule Lenzhard und Angelrain einsehbar sein.

Angesprochen auf den Vorfall mit dem Ausfall der Ampeln an der Kreuzung «Freiämterplatz» sagt Stephan Roth von der Repol: Unser Telefon ist zwar erst ab 8 Uhr besetzt, früher eingehende Anrufe werden aber an die Kantonspolizei weitergeleitet, die dann helfen kann.»

Und Christian Brenner, Leiter der Abteilung Tiefbau beim Kanton, fügt an: «Wenn die Ampeln ausfallen, aktiviert das einen Alarm in der Verkehrszentrale und das Problem wird schnellstmöglich behoben. Uns ist aber bewusst, dass diese Situation nicht optimal ist. Wir nehmen die Problematik auf und werden daran arbeiten, solche Vorfälle künftig besser zu lösen.»