Schafisheim

Was sucht die Vernunft im Irrenhaus?

Clemens Borter als Inspektor Voss und Hedi Schmuki als Doktor von Zahnd.

Clemens Borter als Inspektor Voss und Hedi Schmuki als Doktor von Zahnd.

Im 20. Jahr nimmt sich die Freie Bühne Dürrenmatts «Physikern» an.

Die letzte Verteidigungslinie der Vernunft – die Eingangstür zum Irrenhaus. So sieht es der geniale Wissenschaftler Johann Wilhelm Möbius in Dürrenmatts Tragikomödie «Die Physiker». Möbius entzieht sich und vor allem seine abnorme Denkkapazität der Welt durch Flucht ins Sanatorium.

Als Akt der Schonung versteht er diesen Schritt, denn seine explosiven Ideen und Erkenntnisse haben das Potenzial, die Erde ins Nichts hinein implodieren zu lassen. Im 20. Jahr seines Bestehens hat sich das Laientheater Freie Bühne Schafisheim mit den «Physikern» einer Schweizerischen Schul- und Pflichtlektüre angenommen, die inzwischen ruhig als Klassiker bezeichnet werden kann.

Und als solcher Klassiker wird das Stück an diesem und am kommenden Wochenende im Saal der Rudolf-Steiner-Schule auch inszeniert. Regisseur Cornelis Rutgers, der die Freie Bühne mitbegründet hat, hält von einem Theater, das seine Grundlagentexte zersetzend modernisiert, nicht viel. «Ich bin der Meinung, der Verfasser eines Stückes hat sich beim Schreiben etwas gedacht. Wieso sollte ich glauben, ich wisse mehr als der Verfasser», sagt Rutgers. Alles andere als klassisch, viel mehr grotesk sind dagegen die Figuren, die Dürrenmatts Bühnenspiele bevölkern. Bei der vorletzten Probe der Freien Bühne Schafisheim vom Dienstag erregt die Schauspielkunst von Hedi Schmuki besondere Aufmerksamkeit. In der Rolle des in die Jahre gekommenen Fräulein Doktor Mathilde von Zahnd macht sie Möbius klar, dass seine Flucht keine Option ist. Als giftige, gichtige Spinne spinnt sie das Netz, in dem sich alle guten Absichten heillos verheddern. Keine schwarze Witwe, eine schwarze Jungfer, die ihre Opfer zappeln lässt.

Cornelis Rutgers erklärt, dass für ein Laientheater die gelungene Inszenierung nur eine von vielen Herausforderungen darstellt. «Die Truppe erledigt alles selbst. Wir haben auch keine Geldgeber oder sonstige Sponsoren.» So wurde die beachtliche Kulisse von Schauspieler Wolfgang Kirisits praktisch im Alleingang entworfen und erstellt und unter Mithilfe der weiteren Schauspieler aufgerichtet.

Diesen grossen Aufwand nehmen die Theaterleute aber gerne in Kauf. «Das Spielen hält jung», sagt Rudolf Schmuki, «vor allem im Kopf. Um sich in eine Handlung, eine Rolle einfühlen zu können, braucht es eine eigene Beweglichkeit.» So seien die Aufführungen der Freien Bühne all jenen Zuschauern empfohlen, die eine enthusiastische, keinen Aufwand scheuende Theatergruppe geniessen oder sich wieder einmal einen Klassiker zu Gemüte führen möchten.

Aufführungen im Saal der Rudolf-Steiner-Schule Aargau in Schafisheim am 5./6. März und 11.-13. März

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