«Wir schreiben die Sachen bewusst nicht an und stellen sie auch nicht thematisch geordnet aus», sagt Vereinspräsident Jörg Bruder. Die Gegenstände sollen zum Diskutieren anregen. Auf einem Blatt steht zwar, was auf dem jeweiligen Tisch platziert ist, allerdings witzigerweise ohne Legende. Eben: Was ist was? Wenn die Objekte keine Geschichten erzählen, so tun dies hoffentlich die Ausstellungsbesucher. Waschbrett, Bügeleisen, Grammophon: Gegenstände wecken Erinnerungen. Aber wozu diente dieses Holzgerät mit Kurbel? Wenn alle Stricke reissen, kann Dorfhistoriker Max Hächler, «das Hirn des Vereins», aus der Patsche helfen.

Vernissage am Freitagabend

An den Abenden dieser Woche stellen Vorstand und Betriebskommission das mehr oder weniger geschichtsträchtige Kulturgut auf die Tische der oberen Stockwerke der Alten Schmitte. Unglaublich die Vielfalt: vom Fussknochenmodell über die Kaffeeröstpfanne bis zum Kirschenentsteiner, Türschlösser, Schelllackplatten, filigrane Strohkunstwerke, aber auch gröbere Sachen aus Haushalt, Handwerk und Landwirtschaft. An den nächsten beiden Samstagen von 14 bis 17 Uhr und an den Sonntagen von 11 bis 17 Uhr ist die Ausstellung geöffnet. Vernissage ist am Freitag, 14. September ab 19.30 bis 21 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Abreissen oder restaurieren?

Dabei stand die Zukunft der Alten Schmitte, 1774 gebaut, einst auf Messers Schneide. An einer Gemeindeversammlung hätten sich die Befürworter eines Abrisses und jene eines Erhalts des zerfallenden Gebäudes zunächst die Waage gehalten, sagt Jörg Bruder. 1990 aber beschloss die Gmeind den Erwerb und die Renovation der Schmitte, wo Hans Häusermann, als «Schmittenhans» ein bekanntes Original, bis 1948, als er starb, das Schmiedehandwerk ausübte. Zwei Jahre später eröffnete Reinhold Bosch in der Schmitte eine Steinzeitwerkstätte. Ab 1959 blieb das Haus meist unbewohnt, was den Zerfall förderte. Nun ziert die Schmitte als schmuckes Bijou Seengen.

Schmitte wird vermietet

«Das Doppeljoch hängt ja verkehrt», sagt Nelli Ulmi, ehemalige Frau Gemeindeammann und nun Kontaktperson für Leute, die einen privaten Anlass in der Schmitte durchführen wollen. Auch die Schmitte als Werkstatt kann übrigens wieder in Betrieb genommen werden. Klassenzusammenkünfte, private Ausstellungen, Sitzungen, Apéros: Die Nachfrage ist da.

«Wir haben die Ausstellung schon mal aufgebaut und fotografiert», sagt Jörg Bruder. Denn am letzten Wochenende war das Haus vermietet. Seit eineinhalb Jahren sind Betriebskommission und Vorstand, zusammen 16 Leute, damit beschäftigt, die Gegenstände zu inventarisieren. Darum haben die Gegenstände teils bereits Nummern. Der Verein kann einen Raum der Gemeinde als Lager nutzen. Im Verlauf der Jahre kamen Zeugen einer noch nicht so fernen Vergangenheit zusammen. Eine Auswahl davon zeigt die Jubiläumsausstellung.

Aktivitäten mit Fotos

Pro Jahr organisiert der Verein drei Anlässe. Aktuarin Yvonne Fischer erinnert sich gerne ans Jahr 2005, als die Fassade der Alten Schmitte mit Porträts von Einwohnerinnen und Einwohnern «tapeziert» wurde. Oder der Anlass, wo man aufgrund alter Fotos von Häusern im Dorf die Stelle suchte, an der sie einst standen. «Ein grosser Erfolg; es kamen über 100 Leute», sagt Fischer. 2015 waren die Dorfbeizen das Thema. Jörg Bruder erinnert sich an die Ausstellung von Klassenfotos von «urähnig bis Jetztzeit». Witzig sei auch das Nachstellen älterer Gruppenfotos gewesen: die gleichen Personen, einst und heute. Der Verein agiert seinen Statuten gemäss, indem er Kulturgut der Region zu erhalten versucht und die Alte Schmitte als Begegnungsstätte nutzt.

Salonkonzert im November

Die Mitgliederzahl – rund 200 – zeigt die breite Verwurzelung. Der Verein will auch die Jungen ansprechen; deshalb gibt’s seit fünf Jahren beim Schloss Hallwil ein Entenrennen. Und er macht beim Räbeliechtliumzug mit. «Wir haben 200 Räben geschnitzt und die Alte Schmitte geschmückt», sagt Jörg Bruder.

Den Abschluss des Jubiläumsjahres macht am Sonntag, 18. November, von 14 bis 17 Uhr ein Konzert mit Kaffee und Kuchen. Die Gruppe «La Jalousie» spielt im Wiener Café, das heisst im Kirchgemeindehaus, Salonmusik. «Wir backen, unserem Jubiläum angepasst, 25 verschiedene Kuchen», macht Renata Suter vom Verein Alte Schmitte glustig.