Hoch 4, Hallwil «Wir sind sechs Geschwister und stammen ursprünglich aus Österreich. Heute leben wir in Hallwil. Lenzburg war einer unserer ersten Auftritte. Daher fühlt es sich schon fast wie eine Heimat an. Zum ersten Mal sind wir hier aufgetreten, ohne im Programm zu stehen. Dann haben wir uns beworben und sind aufgenommen worden. Jetzt sind wir schon zum siebten oder achten Mal hier und es ist immer wieder toll. 

Wir haben viele Auftritte im In- und Ausland. Lenzburg sticht vor allem dadurch heraus, dass das Publikum sehr grosszügig ist. Ich denke, das ist eine Schweizer Eigenart. Die Menschen fühlen sich fast schon verpflichtet, etwas zu geben. Man merkt auch, dass es sehr gut organisiert ist. Das hat aber auch zur Folge, dass es sich etwas weniger frei anfühlt als auf anderen Festivals. Aber das Publikum ist interessiert und bleibt, auch wenn es regnet. Das ist nicht selbstverständlich. Für uns war es während unseres ersten Auftrittes am Samstagnachmittag aber zu gefährlich: Die Gefahr, mit den Hochrädern auszurutschen war uns zu gross. Deshalb verzichteten wir auf unsere erste Show.»

Anita Bertolami, Thun / Freiburg (DE)  «Ich war 2009 schon einmal hier, damals noch mit einem anderen Programm. Ich habe mich dann immer wieder in Verbindung gesetzt, doch es ist jetzt eher Zufall, dass ich noch einmal hier auftreten durfte: Jemand von der Organisation hatte mich an einem anderen Festival auftreten sehen. Dann wurde ich engagiert. Ich trete viel in Belgien und Deutschland auf: Dort bekommt man eine Gage. Die Tradition mit dem Hutgeld kenne ich nur von der Schweiz. Das hat natürlich Vor- und Nachteile.

Die Altstadt ist sehr schön und man kommt sich bei seinen Auftritten auch nicht in die Quere. Ob die Lenzburger besonders grosszügig sind, kann ich schwer einschätzen, denn ich zähle mein Hutgeld nicht. Doch hat das Gauklerfestival einen guten Ruf unter den Strassenkünstlern. Der Regen beeinflusst natürlich auch die Auftritte: Die Zelte sind besser besucht. Ich hatte Glück, dass ich in einem auftreten konnte. Mein Auftritt lief nicht von Anfang an perfekt. Doch es wurde nach und nach ruhiger. Das Publikum ist wirklich interessiert und will etwas sehen.»
Lenzburger Altstadt wird zur Traumwelt

Lenzburger Altstadt wird zur Traumwelt

This Maag, Zürich /Berlin (DE) «Ich war schon beim allerersten Mal dabei, als das Lenzburger Gauklerfest durchgeführt wurde. Wenn ich an Lenzburg denke, denke ich als erstes an Sonne und heisses Wetter. Das Städtchen gefällt mir gut und die Atmosphäre ist etwas Spezielles - vor allem dann, wenn es nicht regnet. Wenn es dann regnet, ist es halt so und man arrangiert sich. Ich habe am Freitag zweimal im Regen gespielt und die Leute sind trotzdem stehen geblieben. Das ist schon etwas Besonderes.

Ob ich hier mehr oder weniger Geld verdiene, als sonst wo kann ich nicht sagen. Ich habe aufgehört mein Hutgeld zu zählen. Man fixiert sich dadurch zu sehr auf das Geld. Man kann einen genialen Auftritt haben und dann stimmt das Geld nicht, oder man war nicht so gut, hat aber trotzdem viel verdient. Darauf will ich mich nicht mehr konzentrieren. Denn mir gefällt auch der soziale Aspekt der Strassenkunst: Jemand der nichts hat, kann trotzdem zusehen und muss nichts zahlen. Jemand, der viel Geld besitzt, kann auch mehr geben. Aber eigentlich bedeutet es mir fast mehr, wenn jemand nach der Show nach vorne kommt und sich bedankt.»

Juggle the Beat, Rust (DE) «Ich bin zum sechsten Mal hier, meine Frau zum zweiten Mal. Wir mögen das Städtle sehr und haben schon mindestens viermal die Burg und die Altstadt angesehen. Wir hoffen natürlich, wir schaffen das auch dieses Jahr. Das Publikum ist sehr offen und verzeiht einem auch mal, wenn etwas nicht perfekt klappt. Darum probieren wir gerne mal neue Programme aus. Das ist einer der Vorteile an einem Strassenfestival: Man ist näher an den Leuten dran. Und das Publikum will auch wirklich etwas sehen. Bei einer Gala oder einem anderen bezahlten Auftritt ist die Energie völlig anders. Man kann sich nicht so viel erlauben und ist weniger entspannt. In Japan zum Beispiel spielten wir einmal an einem Geschäftsanlass: Die Leute verzogen keine Miene. Auf der Strasse flippten sie dann total aus.»

Mein Mann schwärmt den anderen Künstlern immer viel von Lenzburg vor. Wenn in Lenzburg schönes Wetter ist und man eine gute Show abliefert, verdient man in drei Tagen eine Gala-Gage. Aber das ist halt auch einer der Nachteile bei der Hutgage: Wie viel man verdient, ist zu einem grossen Teil vom Wetter abhängig.»