Der Verein hatte nie Mitglieder, aber zuletzt 15 Mitarbeitende (520 Stellenprozente). Er hat Pionierarbeit geleistet, wird aber jetzt nach nur zehn Jahren aufgelöst. Das Ende des Vereins Tagesstrukturen Lenzburg ist eine direkte Folge der Umsetzung des kantonalen Kinderbetreuungsgesetzes (KiBeG). Die meisten Eltern bekommen zu spüren, dass künftig weniger ehrenamtliche Arbeit geleistet und das Subventionssystem umgestellt wird: Statt 15 Franken (für alle) kostet etwa der Mittagstisch künftig 22 Franken (je nach Einkommen gibts Subventionen von der Stadt).

Die Aufbauarbeit war hart

Zum Abschluss gabs für die Kinder einen Hotdog-Plausch und für die Eltern Kaffee und Kuchen. In der letzten Schulwoche, am Tag vor dem Jugendfest. Von den Jungen nahmen gegen 100 der zuletzt 130 regelmässigen Besucher des Mittagstisches im Mühlematt-Schulhaus teil. Für die Organisatoren war der Anlass von etwas Wehmut begleitet, wie Vereinspräsidentin Susanne Buri und Betriebsleiterin Anna Caterina Iuliano im Gespräch erklärten. Die Aufbauarbeit war hart, sie hätten es sich gewünscht, wenn die Nachfolgeorganisation von ihren Erfahrungen vermehrt profitiert hätte. Und wenn die Stadt etwas früher mit der Planung der Zukunft der schulergänzenden Kinderbetreuung begonnen hätte. In Lenzburg ist ab neuem Schuljahr der Verein Erziehung und Bildung (VEB, Aarau) zuständig (AZ vom 12. 4.). Er wird von Grossrätin Sabine Sutter-Suter (CVP) präsidiert. Eine tragende Rolle spielt auch die neue SP-Kantonalpräsidentin Gabriela Suter.

130'000 Franken von der Stadt

Die Initialzündung für den Verein Tagesstrukturen Lenzburg gab letztlich eine 2003 im Einwohnerrat eingereichte Motion. Das erste Mittagessen gab es im August 2008. Die Nachfrage war anfänglich noch eher bescheiden (maximal acht Kinder), was aber auch mit dem Standort zusammenhing (damals Zeughaus-Areal).

Das Mittagstisch-Budget war von Anfang an Teil des Schulbudgets. Die Räumlichkeiten wurden von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt und die Organisation erhielt einen städtischen Betriebskredit von zuletzt jährlich 130'000 Franken. Der vierköpfige Vorstand bestand in jüngerer Vergangenheit aus Susanne Buri (Präsidentin der Schulpflege), Käthy Hunziker (Schulpflege), Elisabeth Majoros (Finanzverantwortliche) und Daniel Mosimann (Stadtammann). «Alle organisatorischen und administrativen Aktivitäten des Vereins wurden vom Vorstand, konkret von drei Mitgliedern, ehrenamtlich und ohne Entschädigung geleistet», erklärt Susanne Buri. Betriebsleiterin war ab 2014 die erfahrene und sehr engagierte Anna Caterina Iuliano. Sie wechselt nicht zur neuen Trägerschaft, es ist künftig überhaupt kaum bisheriges Personal mit dabei.

Nur wenige kamen täglich

Der Verein hatte sich eine wertebasierte Betreuung verordnet. «Wir wollten keinen Restaurantbetrieb bieten und keine ‹Kinderhüeti› sein», erklärt Susanne Buri. So begann der Mittagstisch um 11.45 und endete um 13.15 Uhr. Nur 2 der 130 Kinder kamen täglich. Ein grosser Teil zwei bis drei Mal pro Woche (Montag bis Freitag).

Nach fünf Jahren, ab dem Schuljahr 2014/15, war der Verein Tagesstrukturen nicht nur für den Mittagstisch, sondern auch die schulergänzenden Tagesstrukturen zuständig: konkret die Frühbetreuung (6.30 bis 8.15 Uhr, 15 Franken), den halben Nachmittag (Mittagstisch plus Betreuung bspw. bis 15.15 Uhr, 25 Franken), den ganzen Nachmittag (Mittagstisch plus Betreuung bis 18 Uhr, 45 Franken). Und während neun Wochen im Jahr für die Ferienbetreuung (bei jeweils minimal fünf Anmeldungen).

Zu grosses Risiko

Die Nachfrage ist massiv gestiegen. «Seit 2014 hatten wir eine Verdoppelung der Kinder», erklärt Betriebsleiterin Anna Iuliano. Also eigentlich gute Voraussetzungen dafür, die Arbeit weiterzuführen. Doch weil der Einwohnerrat Lenzburg beschlossen hat, nicht mehr Objekte (zum Beispiel den Mittagstisch generell), sondern Subjekte (die einzelnen Eltern – je nach Einkommenssituation) zu subventionieren, hätte der Verein Tagesstrukturen Lenzburg von einer Non-Profit-Organisation in eine Organisation mit kostendeckender Geschäftstätigkeit überführt werden müssen – mit entsprechendem Risiko für die Vorstandsmitglieder als Privatpersonen. Die Nachfrageentwicklung nach massiver Erhöhung der Elternbeiträge (neu Vollkosten) wäre ein aus Sicht der Mehrheit des Vorstands ein nicht kalkulierbares Risiko gewesen. Darum hat er beschlossen, am 31. Juli den Verein aufzulösen.