Wald

Warum einige Kinder noch nie im Wald waren

Gross ist die Aufregung der Fünftklässler von der Regionalschule Lenzburg am Tümpel mit den Gelbbauchunken.  HH.

Gross ist die Aufregung der Fünftklässler von der Regionalschule Lenzburg am Tümpel mit den Gelbbauchunken. HH.

Der Wald ist für die Menschheit überlebenswichtig und gleichzeitig ein Erfolgungsgebiet. Am Waldtag für die Regionalschule Lenzburg waren die Kinder der Natur auf der Spur.

«Es gibt Kinder, die waren tatsächlich noch nie im Wald», weiss Stadtoberförster Frank Haemmerli. Für sie wird seit 44 Jahren der Waldtag für die Schuljugend durchgeführt. Was damals als Baumpflanzet für die Kinder begann, hat sich unter der Leitung der Forstdienste Lenzia zu einem ganztägigen Erlebnis-Parcours entwickelt. An verschiedenen Posten kommen die fünften Klassen der Regionalschule Lenzburg zu hautnahem Kontakt mit der Natur.

Da gibt es auch mal dreckige Hände, zum Beispiel beim Pflanzen der 450 kleinen Rottannen oder beim Aufschichten geschlagener Äste auf grosse Haufen bei einer Schlagräumung, wo der gefrässige Borkenkäfer letzten Herbst wirkte. Die Asthaufen bieten Lebensraum für allerlei Kleintiere, auf der gewonnenen Fläche werden Lärchen gepflanzt. 104 Schülerinnen und Schüler aus Lenzburg, Ammerswil und Staufen mit ihren Lehrkräften tummelten sich im Forstgebiet Lenzhard zwischen Autobahn, Eisenbahn und Kiesgrube.

PET-Flaschen überdauern 1000 Jahre

Unter Anleitung des Forstpersonals lernten sie nicht nur zupacken, sondern auch viel Wissenswertes über andere Waldbewohner, auf welche Rücksicht zu nehmen ist. Als Förster Thomas Waltenspühl den Kindern eine Gelbbauchunke im Glas präsentierte und sie dann im trüben Tümpel nahe der Bahnlinie noch viele solche Gümper – darunter sogar einen Dreibeinigen – entdeckten, waren die Aufregung und die Freude gross. Der angeblich gesichtete Blutegel hingegen war eine Falschmeldung. Der sorgsame Umgang mit der Natur wird den Kindern mittels dem Waldknigge vermittelt. Dazu gehört auch das Littering, welches immer mehr auch den Wald verunziert und für viele Tiere sogar lebensgefährdend sein kann.

Herbert Furter und Tamara Keller von der Regionalpolizei klärten die Kinder auf, welche Folgen das achtlose Wegwerfen von Zivilisationsmüll haben kann. Eine Zeitung zum Beispiel braucht bis ein Jahr, um zu verrotten, ein Papiernastuch immerhin etwa drei Monate. Zigistummel liegen ein bis zwei Jahre herum, Kaugummi fünf Jahre. Blechdosen überleben 100 Jahre, ebenfalls Feuerzeuge; PET-Flaschen und Plastiksäcke überdauern sogar bis 1000 Jahre. An Glasscherben, Drähten und Geflechten verletzen sich viele vierbeinige Waldbewohner. Auf dem Parcours der Lehrerschaft wird praktisch geprüft, was nicht in den Wald gehört.

Applaus für die fallende Tanne

Als Höhepunkt des Waldtages gilt die spektakuläre Fällung eines Baumes. Wenn die mächtige rund 80-jährige Rottanne rauschend zu Boden kracht, wird applaudiert und gejubelt. Nach all der Arbeit, Aufregung und Anregung schmeckt das Mittagessen besonders gut. Seit 44 Jahren dürfen sich die Schüler auch ins dicke Waldbuch eintragen. Dass der Lenzburger Waldtag, der von der Ortsbürgergemeinde finanziert wird, auf einzelne Teilnehmer nachhaltig wirken kann, beweist Oberförster Frank Haemmerli: Er war als Fünftklässler am ersten Baumpflanzet anno 1967 dabei – nachzulesen im Forst-Gästebuch.

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